Vorwort
zur
vierten Auflage.
Leben anpackenden letzten Fragen herangeht und zudem in gewissem Sinne
eine — nach außen wie nach innen — in sich geschlossene Entwicklung
darstellt. Man könnte die griechische Philosophie geradezu als den ersten
Anlauf des menschlichen Geistes zur wissenschaftlichen Bewältigung von
Welt und Leben bezeichnen, der im ganzen einem Ikarusfluge nicht un-
ähnlich ist und auch in dieser Hinsicht nachdenklich stimmen kann.
Und der zweite ist die Methode. Will man zu wissenschaftlich über-
haupt diskutierbaren Ergebnissen gelangen — und ich denke, daß wir trotz
aller Psychologien der Weltanschauungen auf den Primat des vernünftigen
Denkens nicht verzichten wollen —. so bleibt kein anderer Weg als der
historisch-kritische, dessen sich auch Windelband bediente. Weder das
Deuten aus eigener Philosophie heraus, noch das „Erleben" des einzelnen
Philosophen kann an seine Stelle treten. Muß jenes zum Prinzip erhoben
die historische Forschung ihres eigensten Wertes, die Entstehung und
Entwicklung des philosophischen Denkens zu belauschen, völlig berauben,
so kann dieses niemals ein Mittel, sondern höchstens das letzte Ziel der-
selben sein, das niemand anders als durch gründliche Versenkung in die
Werke und Fragmente der einzelnen Philosophen und bei der vielfach
überaus großen Lückenhaftigkeit der Überlieferung der alten Zeit und
der ganzen Schwierigkeit der Sache selbst auch dann vielleicht nur in
einer Weise erreichen wird, die ihn subjektiv zu befriedigen vermag, während
sie zu einer objektiven Darstellung kaum geeignet ist. 'Prjxbv yag oröafxoog
eaxiv (bg älXa iindijuaTa, ä/./J hc ^rolÄfjg ovvovoiag yiyvoiiev^g Tregl tu rrgayua
aha teai tov ovCjjv e^cdcpvrig oior ounb Tivgög Tzrjdrjoamog igafpßkv (pwg iv rjj
ipvxfj yevduerov avxö eavrd fjSt} xq&pu. Das sind Worte des Ahnherrn alles
philosophischen Schauens und Erlebens, die sich auch auf diese Frage an-
wenden lassen.
Möge daher auch die neue Auflage dieses Lehrbuches den alten, ihm
schon von Windelband gesetzten Zweck erfüllen: Interesse und Verständnis
für den Gedankeninhalt und die Entwicklung der alten Philosophie im
Abendlande zu erwecken und den Leser von da aus zum Erfassen und
Behandeln philosophischer Probleme, kurz zum eigenen Nachdenken über
philosophische Fragen anzuregen und anzuleiten.
Königsberg-
Pr.. im April 1923.
Albert Goedeckemeyer.
zur
vierten Auflage.
Leben anpackenden letzten Fragen herangeht und zudem in gewissem Sinne
eine — nach außen wie nach innen — in sich geschlossene Entwicklung
darstellt. Man könnte die griechische Philosophie geradezu als den ersten
Anlauf des menschlichen Geistes zur wissenschaftlichen Bewältigung von
Welt und Leben bezeichnen, der im ganzen einem Ikarusfluge nicht un-
ähnlich ist und auch in dieser Hinsicht nachdenklich stimmen kann.
Und der zweite ist die Methode. Will man zu wissenschaftlich über-
haupt diskutierbaren Ergebnissen gelangen — und ich denke, daß wir trotz
aller Psychologien der Weltanschauungen auf den Primat des vernünftigen
Denkens nicht verzichten wollen —. so bleibt kein anderer Weg als der
historisch-kritische, dessen sich auch Windelband bediente. Weder das
Deuten aus eigener Philosophie heraus, noch das „Erleben" des einzelnen
Philosophen kann an seine Stelle treten. Muß jenes zum Prinzip erhoben
die historische Forschung ihres eigensten Wertes, die Entstehung und
Entwicklung des philosophischen Denkens zu belauschen, völlig berauben,
so kann dieses niemals ein Mittel, sondern höchstens das letzte Ziel der-
selben sein, das niemand anders als durch gründliche Versenkung in die
Werke und Fragmente der einzelnen Philosophen und bei der vielfach
überaus großen Lückenhaftigkeit der Überlieferung der alten Zeit und
der ganzen Schwierigkeit der Sache selbst auch dann vielleicht nur in
einer Weise erreichen wird, die ihn subjektiv zu befriedigen vermag, während
sie zu einer objektiven Darstellung kaum geeignet ist. 'Prjxbv yag oröafxoog
eaxiv (bg älXa iindijuaTa, ä/./J hc ^rolÄfjg ovvovoiag yiyvoiiev^g Tregl tu rrgayua
aha teai tov ovCjjv e^cdcpvrig oior ounb Tivgög Tzrjdrjoamog igafpßkv (pwg iv rjj
ipvxfj yevduerov avxö eavrd fjSt} xq&pu. Das sind Worte des Ahnherrn alles
philosophischen Schauens und Erlebens, die sich auch auf diese Frage an-
wenden lassen.
Möge daher auch die neue Auflage dieses Lehrbuches den alten, ihm
schon von Windelband gesetzten Zweck erfüllen: Interesse und Verständnis
für den Gedankeninhalt und die Entwicklung der alten Philosophie im
Abendlande zu erwecken und den Leser von da aus zum Erfassen und
Behandeln philosophischer Probleme, kurz zum eigenen Nachdenken über
philosophische Fragen anzuregen und anzuleiten.
Königsberg-
Pr.. im April 1923.
Albert Goedeckemeyer.



