Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 8.1891

Seite: 983
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wj1891/0061
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
983

Der Volizeitwmmissar.

Ich bin der Herr polizei-
kommissar

Kürchtegott Heinerich Un-
erbittlich,

In jeder Luppe find' ich das
Haar,

Das der Regierung nicht
appetitlich.

Auflös' ich Versammlungen
wunderbar.

Die nicht gottesfürchtig und
fromm und sittlich;
Meine Gewandtheit ist anerkannt.

Ich bin des Präsidiums rechte Hand.

Ich führe ein förmliches Wörterbuch
Grundstürzender, staatsgefährlicher Phrasen,
Ich wittre am Weitsten das rothe Tuch
Mit einer der schärfsten politischen Aasen.

Lin feiner Geruch, ein guter Geruch
Warnt bald mich vor explodirenden Gasen.

Lo wie ich was rieche, gleich ruf' ich auch: Ltopp!
Und stülpe den blanken Helm auf den Uopp.

Ls ist fürwahr eine düstere Zeit,

Unheimlich stürmen die wilden Gedanken,

Ich spür' es als Wächter der Sicherheit,

Wie die heiligen Säulen der Ordnung wanken.
Aackt rüttelt der Limson der Treulosigkeit
An allen göttlich menschlichen Schranken.

Ich löse meine Versammlungen auf.

Die Dinge doch nehmen ihren Verlauf, k. h.

Die ErKenntnisz.

Es sind schon über tausend Jahre her, da wanderte
ein Jüngling aus Hellas gen Aegypten; sein ganzes
Sinnen war darauf gerichtet, die heiligen Gebräuche
zu erlernen. So gelangte er denn auch nach Sats
in den Tempel, der der Göttin Hator geweiht ist
und wo im inneren Raume deren Marmorbild,
von Weihrauchdüften umgeben und in Tücher gehüllt,
sich befindet.

Im Tempel empfing ihn der höchste Priester
und sagte zu dem wißbegierigen Jünglinge: „Höre,

Du sollst hier Alles schauen; denn ich werde Dich
überall herumführen, nur eines darf Dein Auge
nicht erblicken: das verschleierte Bild. Solltest Du
jedoch jemals die Thorheit wagen, das heilige Ge-
heimniß zu lüsten, so wird Dich die Erkenntniß
erfassen und Dir wird die Absicht des Verbots klar
werden."

Der Jüngling, durch diese'Worte und noch mehr
durch ihren geheimnißvollen Sinn angestachelt, be-
schließt, koste es ihm auch das Leben, den Vorhang
zu lüsten. Am nächsten Tage wagt er den Gang
und es gelingt ihm, sich, scheinbar ungesehen, in
den Tempel einzuschleichen; aber er ist von den
Argusaugen des sich versteckt haltenden Priesters
bemerkt worden.

Dieser hält sich mäuschenstill und wartet der
Dinge, die da kommen werden; was er geahnt,
wird zur Gewißheit, denn der neugierige Jüngling

hat, von unbezähmbarer Neugier getrieben, den Vor-
hang erfaßt, ihn zurückgezogen und voller Ent-
täuschung entschlüpfen seinen Lippen die Worte:

„Was! Nur ein einfacher Widder?!" — Da tritt
der Priester hervor und spricht lächelnd zu Jenem:
„Siehst Du, mein Sohn .... und das Schaf
dazu bist Du!"

Vom Ehehimmel.

Wird heut ihr Lh'gemahl.

Die Zeichen seines Ruhmes,

Lr trägt sie selbstbewußt:

Viel Ordenssterne glänzen
Aus seiner Heldenbrust.

„Und doch, ich bin nicht neidisch".
Die Uränzeljungfrau spricht.

„Wo so viel Sterne schimmern,
Kehlt auch der Mondschein nicht."

Briefkasten.

Pößneck. Der „Blumenkohl" ist jetzt bereits vom
„Ochsenkopf" abgegrast, die Angelegenheit ist daher bis ans
Weiteres gegenstandslos.

A. K., Braunschweig. Kommt bei Gelegenheit zum
Abdruck.

I., Zwickau. Besten Dank für Ihre Einsendung.
Vielleicht läßt sich Einiges verwerthen. Sie dürfen nur nicht
gar so gefährlich werden, wie z. B.:

„Da hat das Feuer meiner Worte
All' das Liebesglück verbrannt." (!)

Wenn Sie später singen, daß „alte Liebe nicht rostet", jo ist
die bereits „verbrannte Liebe" damit doch nicht gemeint?

R. in Guben. Nicht verwendbar.

Des Todes Trost. Hier die beiden letzten Strophen:
„Ja gewiß, bei gutem Willen
Geht's auch ohne die Bazillen, —

Was nicht an der Schwindsucht stirbt.

Durch den Hunger doch verdirbt.

„Lustig schwing' ich meine Hippe,

Jubelnd tönt's von meiner Lippe (?)

?6rsnt dem Doktor Koch —

Die Agrarier dreimal hoch!"

M. W. T. und A. Mühlhausen i. Th. Die

Form ist zu mangelhaft, daher znm Abdruck nicht geeignet.

Abonnent in Detmold. Lassen Sie das dortige
Käseblatt schimpfen so viel es Lust hat.

Neu erschienene Bücher, Zeitschriften re.

Berliner Arbeiterbibliothck. Herausgegeben von Max
Schippel. — Soeben erschien. II.Serie. Heft 10: Das
Ostende in London. Ein soziales Nachtbild! Bon Paul
Fischer-Berlin. 32 Seiten, Preis 15 Pf. Expedition der
Arbeiterbibliothek. Berlin 80, Elisabeth-Ufer 55.

Bibliothek politischer Reden. Verlag von WörleinLCo.,
Nürnberg. Soeben ist Heft 4 erschienen. Dasselbe enthält •
Mirabeau's Rede über den Namen und die Bedeutung der
französischen Abgeordneten-Versammlung. (Gehalten am
15. Juni 1788.) Björnstjerne Björnson's Rede über die
Republik. Aus dem Schwedischen übersetzt von G v. Woll-
mar. Biographische Notizen über Mirabeau. Preis des
Heftes 20 Pf.

Literarische Anzeigen.

Durch den Unterzeichneten Verlag ist zu beziehen:

Max Kegel's

Dritte Auflage.

124 Seiten. Preis kart. 40 Pf.

vit Sisiimllchklldk.

Lustspiel in zwei Auszügen.

Von X Stern.

Preis 15 Pf.

Ferner ist erschienen:

Von

August Bebel.

Zehnte unveränderte Auslage.

388 und XVI Seiten 8».

Preis broch. Mk. 2.—, gebunden Mk. 2.50.

Die früheren Auflagen dieses Buches sind unter dem Titel:
„Die Frau in der Bergan gen heit. Gegen wart und
Zukunft" erschienen und zwar des Sozialistengesetzes wegen
in der Schweiz.

Der Verfasser trat vor wenigen Wochen mit der vollständig
umgearbeiteten, von dem Verbote durch das Sozialistengesetz
befreiren neunten Auflage vor das deutsche Publikum. Diese
Auflage ist sehr schnell vergriffen, so daß ein Neudruck (10. Auf-
lage) erforderlich wurde.

Das Buch ist durch alle Buchhandlungen und Kolporteurs
zu beziehen. Bet direktem Bezug durch den Verlag ist das
Porto mit 20 Pf. beizufügen.

Demnächst erscheint:

Die ö>ffd|irl)te kr ümiiiiiiic nun 1871.

Von Lissagaray.

Zweite vom Verfasser autorisirte und durchgeschene Auflage.
480 Seiten.

Preis broch. Mk. 2.50, gebd. Mk. 3.—.
Zahlreichen Bestellungen sieht entgegen

X H. W. Dirch in Skuttgark.
loading ...