Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 19.1902

Seite: 3840
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ÜJjeoüor Metzner f

Kaum ist Max Kegel in die kühle
Erde gesenkt und schon kommt die
Kunde, daß auch „der alte Metzner"
dahingegangen. Ueber dreißig Jahre
hat er in der sozialdemokratischen Be-
wegung gestanden, in der er eine typische
Figur geworden war. Sein Name wie
seine persönliche Erscheinung waren
Tausenden und Abertansenden wohl-
bekannt und sein Verlust wird von
diesen schmerzlich empfunden werden.

Metzner ist 72 Jahre alt geworden.
Er war aus dem Proletariat Berlins
hervorgegangen und besaß den Mutter-
witz, die Frische und die Unverwüst-
lichkeit, wie sie dem eigentlichen Ber-
liner so oft eigen sind. Aber er war
nicht oberflächlich; kaum begann nach
der Reaktion der fünfziger Jahre die
Arbeiterbewegung wieder aufzuleben,
so erkannte Metzner deren Bedeutung
und schloß sich derselben an.

Das Auftreten Lassalles, dessen glän-
zenden Sieben der junge Metzner
lauschte, begeisterte ihn und er gehörte
der kleinen Berliner Lassalle-Gemeinde
an, woran er sich gern und mit Stolz
erinnerte. Nach Lassalles Tode ge-
hörte er zu denjenigen Mitgliedern des
Allgemeinen deutschen Arbeitervereins,
die mit Schweitzers Leitung unzufrieden
waren. Mehner schloß sich alsbald den

Zum Parteitag.

In den AUtagslärm der Stunde
Fällt bedeutsam eine Kunde
Wie ein ernster Glockenschlag —

Die Partei, die im Gefechte
Treulich wahrt der Arbeit Rechte,

Hat zu München ihren Tag.

Während der Agrarier Meute
Lüstern schon auf reiche Beute
Aus dem BrotzoU ist bedacht,

Hat zum Widerstand entboten
Einig die Partei der Rothen
Ihres großen Heerbanns Macht.

Und sie sagt auch jenen Drohnen,

Den gestrengen Schlotbaronen,
Unentwegt die Fehde an,

Die mit Kanitz gern paktiren
Und den „Schleifstein" proklamiren,
wenn sich rührt der Arbeitsmann.

Wenn nach kriegerischen Ehren
Ruhmsucht jagt auf fernen Meeren
Und vergeudet Volkes Gut,

Schleudert wider die Khakisten
Die Partei der Sozialisten
Den Protest mit kühnem Muth

Trotzend ihrer Feinde Grimme
Kündet sie mit lauter Stimme,

Was sie für das Volk begehrt:

Brot und Freiheit, Recht und Frieden
Einem Zeven fei beschieden,

Den der Arbeit Adel ehrt.

So in München gilt das Streben,

Unsre Zukunft zu erheben
Aus dem Bann der Tyrannei;

Unter rothen Freiheitsfahnen
Schreitet auf des Sieges Bahnen
So der Arbeit Kampfpartei. Max Lexei.

Theodor Metzner.

Seboren am 30. März (830, gestorben am 20. August (902.

Blihdratzt Meldungen.

New pork. Pierpont Morgan telegraphirte an
den Präsidenten des Deutschen Reichstags, Grafen
v. Ballestrem, daß er ihm eine Million Dollars zur
Verfügung stellen wolle zur Auszahlung von Diäten
an die Reichstagsabgeordneten.

Ballestrem lehnte das hochherzige Anerbieten ab
aus dem nichtssagenden Grunde, daß vorläufig kon-
stitutionelle Bedenken der Annahme der Gabe ent-
gegenständen.

München. In Zentrumskreisen ist eine Petition
im Umlauf, wonach der Staat ersucht werden soll,
den katholischen Bauern Bayerns eine Liebesgabe
von 100000 Tonnen Guano zu gewähren.

Deutsche Kunst.

Die Kunft ist eine Zache, welche
Für Jeden da ist in dem Reich,

Gleich einem frischen Blüthenkelche,

Der duftend labt so Arm wie Reich.

Man pflegt die Aunst in Preußen, Bayern
Und auch vielleicht noch anderswo.

Auf daß dran allen Schulzen, Meiern
Das Herz entbrenne lichterloh.

Ls preist die Aunst die größten Chaten,

Lo die Geschichte je gesehn.

Sie wird geschützt von Mäcenaten,

Die häufig hoch im Ansehn stehn.

And wenn sie irgendwer beleidigt
Und freventlich verunglimpft hat.

Dann wird sie sicherlich vertheidigt
In Reden oder auch per Draht.

Lo sieht die Ärmst ein Jeder gerne;

Sie bringt auch Vrden manchesmal —,
Wenn sie nur bleibt dem Rinnstein ferne
Und königstreu ist und loyal. Lrich Mühsam.

„Eisenachern" an. Nach der Einign
der beiden sozialdemokratischen Rich-
tungen leitete er als Bevollmächtigter
die Parteibewegung in Berlin.

Die Noth des Lebens hat Metzner
hart mitgespielt, aber sie hat ihn nicht
mürbe machen können. Er hatte das
Schuhmacherhandwerk erlernt und
suchte sich selbständig zu machen. Aber
das gelang ihm auf die Dauer um so
weniger, als er zweimal (1866, 1870)
aus seinem Erwerb herausgerissen
wurde und ins Feld rücken mußte.
Schließlich gab er sein Handwerk auf
und schlug sich schlecht und recht auf
einer kleinen Gastwirthschaft durch.

Die Partei verdankt diesem Manne
viel; er hat manche» sterilen Bode»
fruchtbar gemacht. Dabei war und blieb
sein Wirken ein durchaus selbstloses.

Metzner war lange Jahre Stadt-
verordneter in Berlin und entfaltete
als solcher eine fruchtbare Thätigkeit.
Zum Reichstage kandidirte er wieder-
holt, namentlich im Wahlkreise Lebus.

In der Berliner Bewegung besaß
Metzner bis zuletzt einen großen Ein-
fluß und sein verständiger Rath hat
manche verwickelte Streitsache schlich-
ten helfen. Die Berliner Parteigenossen
werden ihn aber besonders als Kom-
munalpolitiker schwer vermissen, denn
auf diesem Gebiete war er zu Hause.
Die Partei wird dem „alten Metzner"
stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Der gute Kamerad.

(Nach Uhland.)

Ich hakt' einen Kameraden,

Einen bessern stndst du nirlik.

Der hat sich einst betrunken,

Und hat mir'n paar gewunken
Grad' mitten ins Gesicht.

Eine Kugel kam geflogen —

Das ist ja keine Sünd' —

Ich Hab' ihn todtgeschoflen,

Den lieben Kampfgenossen,

Und mutzt' nach Weichselmiinü'.

Mus Monde hal's gedauert,

Da war ich wieder frei,

Und in Gumbinnens Straßen
Hört man Trompeten blasen
Und Hurrah und Juchhei.

Cs kränzen Generäle
Des Heiingekehrlrn Pfad,
Champagnrrstrvme flirtzeu,

Weil ich so brav that schießen,

Ich guter Kamerad. j. s.

Aus Ostelbiern

Lehrer: Herr Baron, das Dach des Schul-
hauses ist eingestürzt.

Gutsherr: Na, da freuen Sie sich doch! Sie
haben immer über Mangel an Licht und Luft
geklagt. Jetzt haben Sie's in Hülle und Fülle.

Fremder: Sagen Sie 'mal, warum hat
denn eigentlich die Münchener Frauenkirche zwei
Thürme?

Münchener: Ja wissen S', dös is weg'n
der Parität. Auf die Uhr am oanen Thurm
derfeu blos Katholiken schaug'n, und auf die Uhr
am andern Thurm blos Protestanten.
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