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3t Mai 1936

X. JAHRGANG, Nr. 21/22


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ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT

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J“r sch eint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag, G. m. b. H.,
&eriinW62, Kurfürstenstr. 76-77. Telegramm-Adresse: «Weltkunst Berlin»;
*» den Monaten Mai bis Oktober jeden zweiten Sonntag.
Bankkonto: Deutsche Bank u. Disconto - Gesellschaft, Depositen-Kasse M,
^rlin W 62, Kurfürstenstr. 115. Postscheckkonti: Berlin 118054; Den
Haag 1455 12; Paris 170014; Prag 59283; Wien 114783; Zürich 8159

früher:


Redaktion, Verlag und Lesesaal:
Berlin W62, KnrfürBtenstr. 76-77 • Tel. B5 Barbarossa 7228

Man abonniert beim Verlag, bei der Post oder bei den Buchhändlern.
Einzel-Nummer 3 5 Pfennige. Quartal für Deutschland inkl. Postzustellung
Mk. 4.50; Lieferung durch den Verlag im Umschlag Mk. 5.50; für das
Ausland (nur im Umschlag) Mk. 4.40; oder: Tschechoslowakei Kc 44; Frank-
reich Frs. 30; Holland hfl. 2.75; Schweiz sfrs. 7.—; u. die nicht ange-
führten Länder Mk.4.40; Übersee S 1.80; Sammelmappen pro Jahrg.Mk. 4.50

Olympiade und bildende Kunst

Während in andern Jahren mit Beginn der
Sommermonate die Ausstellungen ihre Pforten
'n schließen beginnen, wird in diesem Olym-
pia-Jahr Berlin eine große Reihe wichtiger und
Oedeutsamer Veranstaltungen auf dem Gebiete
®es Ausstellungswesens zu verzeichnen haben,
engstem Zusammenhang mit der olym-
pischen Idee steht die große internationale
Ausstellung der Sportkunst, die in der
halle VI des Ausstellungsgeländes am Kaiser-
ßamm am 15. Juli eröffnet wird und aus
‘ler das Preisgericht die Sieger des Kunstwett-
Oßwerbs, die mit den. den Sportsiegen entspre-
chenden olympischen Medaillen, ausgezeichnet
'''erden, auswählen wird. Die bereits vorlie-
genden Meldungen aus rund fünfundzwanzig
-andern lassen erwarten, daß diese Veranstal-
tung ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges
'''erden dürfte, das durch seine Beschränkung
"uf ein bestimmtes Thema wichtige Vergleichs-
möglichkeiten schafft.

Die repräsentative Museums-Ausstellung,
gemeinsam veranstaltet von den Staatlichen
Uitseen und der Nationalgalerie in den Räu-
’ht'n des Kronprinzen- und Prinzessinnen-Palais.
Mrd unter dem Titel „Große Deutsche
’h Bildnissen ihrer Zeit“ rund 450
'orträts aus einem Zeitraum von etwa 1000
Jähren, von der deutschen Kaiserzeit bis zur
pegenwart, vereinigen. Wenngleich diese 11 ni-
esende Schau in erster Linie dem' Versuch
Nent, die Geschichte und Größe der deutschen
Kultur sinnfällig durch Veranschaulichung
'hier größten Vertreter vor Augen zu fuhren,
Wso den Nachdruck auf die Person des Dar-
^ostellten verlegt, dürfte sie gleichzeitig, nicht
'''letzt dank der Leihgaben aus dem In- und
puslande, eine künstlerische Manifestation von
,(>hen Graden ergeben. So sind z. B. an Leih-
gaben bereits zugesagt Dürers frühes Selbst-
bildnis von 1495 aus dem Louvre, die bekann-
ten Selbstporträts von Holbein d. J. und Cra-
nach d. Ae. aus der Bildnissammlung des Pa-
äzzo Pitti in Florenz, Tizians großartiges Bild-
Hs Karls V. aus der Münchener Pinakothek
a.
Weiterhin wird im Erdgeschoß des Deut-
k’lien Museums eine aus Originalen und spe-
ziell angefertigten Kopien bestehende Ausstel-
''ng „Sport der Hellenen“, die die
’ehönsten Exemplare der antiken Sportkunst
['‘reinigen wird und deren Organisation in den
■fänden von Prof. Blümel liegt, zu sehen sein,
-fg'änzend bereitet Dr. Nevermann im Licht-
hof des Völkerkundemuseums eine Schau

„S p o r t d e r a 11 ß e r e u r o p ä i s c h e n (p r i-
m i t i v e n) Völker“ vor, in der die Zeug-
nisse des Sport- und Spielgeistes der Bewohner

deutschen Kunst am Königsplatz angekündigt.
Es ist jedoch anzunehmen, daß auch die pri-
vaten Galerien anläßlich des zu erwartenden


Deckenmalerei von G. 8. Tiepolo im Palazzo Rezzonico, Venedig

(Phot. Fiorentini)

der Südsee, Asiens, Afrikas und der Indianer
gezeigt werden. Im Kupferstichkabi-
nett führt Direktor Winkler die erlesensten
Schätze seiner Sammlung an Graphik. Hand-
zeichnungen. illuminierten und illustrierten
Büchern vor.
An V eranstaltungen moderner Kunst ist bis
jetzt eine große Ausstellung im Hause der

Besuches während der Olympiade mit beson-
deren Ausstellungen aufwarten werden, die
geeignet wären, werbend für das Verständnis
junger deutscher Kunst zu wirken. Nicht zu-
letzt ist zu erwarten, daß auch dem Berliner
Kunsthandel während dieser Zeit ein in ande-
ren Jahren ungewohnter Auftrieb gegeben
wird.

Das Museum des Settecento in Venedig

Vor kurzem fand in Venedig die feierliche
Eröffnung des neugegründeten Museums des
Settecento statt. Das neue Museum, welches
dem längst zum Bewußtsein gekommenen Be¬

dürfnis entspricht, an e i n e r Stätte die Kunst-
schätze des venezianischen 18. Jahrhunderts
zu vereinigen, ist aus den reichen Beständen
des Museo Civico Correr — dessen Filiale es

von nun an bilden soll — und zahlreicher an-
derer Sammlungen Venedigs zusammengesetzt
worden. Es befindet sich in einem der pracht-
vollsten tund schönsten Paläste des Canal Gran-
de, der sogen. Ca’ Rezzonico (s. Abb. S. 2),
Schöpfung des genialen Erbauers der Salute-
Kirche, Baldassare Longliena. Das Hauptver-
dienst an der Ausgestaltung des Museums ge-
hört dem riihrigen Direktor des Museo Civico,
Prof. G. Lorenzetti, und dem Comm. Nino
B a r b a n t i n i. Ein von G. Lorenzetti ver-
faßter illustrierter Katalog gibt eine Vorstel-
lung von der Pracht der Ausstattung und dem
Wert der untergebrachten Sammlungen von
Gemälden (darunter Meisterwerke von G.-B.
Tiepolo (s. Abb.). F. Guardi, P. und A. Longhi.
A. Canaletto, M. Marieschi u. a.), Plastiken und
kunstgewerblichen Erzeugnissen des venezia-
nischen Rokoko. W. v. R.

Großer Erfolg der ersten
Böhler-Versteigerung

Die Versteigerung der Sammlung Oppe n -
h e i m - Berlin, mit der die bekannte Münche-
ner Firma Julius Böhler ihre Auktions-
tätigkeit aufnahm, war ein schlagender Er-
folg der Qualität. Wer noch irgendwie skep-
tisch sein konnte, ob für ein so hochwertiges
Material von rund 1200 Nummern in Deutsch-
land eine Aufnahmefähigkeit auf entsprechen-
dem Preisniveau möglich sei, wurde eines
Besseren belehrt. Nicht nur alle Kunstinter-
essenten waren persönlich anwesend oder ver-
treten, sondern auch die Spitzenpreise blieben
nicht aus. Porzellanspezialisten erklärten, daß
für manche Stücke auch die höchsten Kon-
junkturpreise übertroffen wurden. Aber auch
für Glas. Plastik (Riemenschneider-Werkstatt:
Muttergottes: RM 8200; zwei Kleinplastikeu
einer Kreuzigung: IUM 5000!). Bronzen (bis
RM 4800), ja selbst Silber und Miniaturen
wurden beachtliche, in ihrer Tendenz an-
ziehende Preise erzielt. Ganz abgesehen von
den Gemälden, die, bei gegenüber den übrigen
Kunstgegenständen außerordentlich hohen
Taxen, folgende Spitzenpreise erreichten: Ma-
nets ..Junge Frau im Garten“: RM 24 500:
Cezannes ..Haus hinter Bäumen“: 50 500 RM:
Cezannes ..Badende“: RV1 29 000: Guardis
„Markusplatz“: RM 20 600. Mit dieser Verstei-
gerung hat auch München wieder seine alte
Anziehungskraft als' Auktionszentrum unter
Beweis gestellt.
Vollständige Preisliste veröffentlichen wir
auf Seite 4/5.

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