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U. Juni 1936

X. JAHRGANG, Nr. 25/24


WEL
ARRfcWORLD

LMONDEfcARTS

EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT
ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

Erscheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag, G. m. b.H.,
Berlin W62, Kurfürstenstr. 76-77. Telegramm-Adresse: «Weltkunst Berlin»;
'n den Monaten Mai bis Oktober jeden zweiten Sonntag.
Bankkonto: Deutsche Bank u. Disconto - Gesellschaft, Depositen - Kasse M,
Berlin W 62, Kurfürstenstr. 115. Postscheckkonti: Berlin 118054; Den
Haag 1455 12; Paris 170014; Prag 59283; Wien 114783; Zürich 8159

früher:


Redaktion, Verlag und Leseiaal:
Berlin W62, Kurfürstenstr.76-77 • Tel. B5 Barbarossa 7228

Man abonniert beim Verlag, bei der Post oder bei den Buchhändlern.
Einzel-Nummer 3 5 Pfennige. Quartal für Deutschland inkl. Postzustellung
Mk. 4.50; Lieferung durch den Verlag im Umschlag Mk. 5.50; für das
Ausland (nur im Umschlag) Mk. 4.40; oder: Tschechoslowakei Kc 44; Frank-
reich Frs. 30; Holland hfl. 2.75; Schweiz sfrs. 7.—; u. die nicht ange-
führten Länder Mk.4.40; Übersee $ 1.80; Sammelmappen pro Jahrg.Mk. 4.50

Sammler und Kunstversteigerung

Bei der Neubelebung des deutschen Sammel-
'vesens fällt der Kunstversteigerung eine wich-
tige Rolle zu. Was für den Kunsthändler gilt,
tftuß auch für die Versteigerung maßgeblich
sein: das volle Vertrauen des kunstkaufenden
Publikums gerade in dem Zeitpunkt voll zu
gewinnen, da neue, zum Teil noch unerfah-
tene, vielfach mißtrauische und mit der
schwierigen Materie der Kunst noch wenig
Vertraute Kreise beginnen, sich in kulturellem
Bewußtsein der Bewahrung von Kunstwer-
ken als Eigenbesitz zu widmen. Ein langjäh-
riger Kenner der Verhältnisse im deutschen
Kunstleben, Prof. Dr. Georg Lill, betont so-
eben im Vorwort eines Versteigerungskatalogs,
daß „nach den vielfachen Konjunkturschwan-
kungen der letzten drei Jahrzehnte ein ver-
antwortungsbewußtes Kunstversteigerungshaus
den Sammlern und Kunstfreunden eine wesent-
liche Hilfe und Unterstützung sein mag. Zu-
gegeben, daß der Typ des großen Sammlers
Von den heutigen wirtschaftlichen, sozialen und
künstlerischen Verhältnissen nicht begünstigt
Mrd: aber damit ist keineswegs gesagt, daß
der mit Kultur und Volk empfindende Mensch
licht erst recht darnach verlangen wird, den
höchsten Ausdruck menschlichen und volks-
'Gißigen schöpferischen Gestaltens in seine
Gnwelt hereinzuziehen. Gerade für ihn wird

ja der Eigenbesitz eines kostbaren Werkes
eine durch nichts zu ersetzende Lockung sein.
Und nichts ist ein besserer Retter und Erhal-
ter alten und neuen Kunstgutes, als ein ver-
ständnisvoller Besitzer“. '
Worin beruht aber die Verantwortung, die
das Kunstauktionshaus gegenüber seinen Käu-
fern trägt? Es ist vor Jahren, nicht zuletzt
an dieser Stelle, viel über die Möglichkeit und
das Warum einer materiellen Verantwortung
diskutiert worden. Die neue Gesetzgebung
hat alle diese Dinge inzwischen längst geregelt.
Die Verantwortung, die heute gefordert wer-
den muß, ist eine rein moralische: der Aus-
schluß der Enttäuschung, die ein noch nicht
auf allen Kunstgebieten versierter neuer Kunst-
sammler oft genug in den letzten Jahren er-
leben mußte. Man soll vom Auktionator keine
Unfehlbarkeit verlangen, was Qualitätsbemes-
sung oder Zuschreibung seiner Kataloge be-
trifft. Aber wie oft findet man noch heute
in Versteigerungskatalogen zwischen nicht an-
fechtbaren Werken-Kunstgegenstände ausführ-
lich und scheinbar wissenschaftlich beschrie-
ben, für die jedes Wort eine verschwendete
Liebesmühe wäre: wie oft geschieht es einem
Spezialfachmann, daß er in einem ansonsten
sorgfältig angelegten Versteigerungsverzeich-
nis plötzlich auf eine umfangreiche Gruppe

4- 1
1, 1


Rembrandt, Altes Tor in Rhenen. Feder in Bister. Amsterdam, Rijksprentenkabinet. Ausstellung: Wien,
Albertina. (Bericht siehe S. 2) (Phot. Albertina)

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