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26. Juli 1956

X. JAHRGANG, Nr. 29/50

D I E


EINZIGE ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST / BUCH / ALLE SAMMELGEBIETE UND IHREN MARKT
ANERKANNTES ZENTRALORGAN FÜR SAMMLER, MUSEEN, BIBLIOTHEKEN, KÜNSTLER UND KUNSTHÄNDLER

Erscheint jeden Sonntag im Weltkunst-Verlag, G. m. b. H.,
Berlin W62, Kurfürstenstr. 76-77. Telegramm-Adresse: «Weltkunst Berlin»;
’o den Monaten Mai bis Oktober jeden zweiten Sonntag.
Bankkonto: Deutsche Bank u. Disconto - Gesellschaft, Depositen - Kasse M,
Berlin W 62, Kurfürstenstr. 115. Postscheckkonti: Berlin 118054; Den
Haag 145512; Paris 170014; Prag 59283; Wien 114783; Zürich 8159

früher:


Redaktion, Verlag und Lesesaal:
Berlin W62, Kurfürstenstr. 76-77 • Tel. B 5 Barbarossa 7228

Man abonniert beim Verlag, bei der Post oder bei den Buchhändlern.
Einzel-Nummer 35 Pfennige. Quartal für Deutschland inkl. Postzustellung
Mk. 4.50; Lieferung durch den Verlag im Umschlag Mk. 5.50; für das
Ausland (nur im Umschlag) Mk. 4.40; oder: Tschechoslowakei Kc 44; Frank-
reich Frs. 30; Holland hfl. 2.75; Schweiz sfrs. 7.—; u. die nicht ange-
führten Länder Mk.4.40; Übersee S 1.80; Sammelmappen pro Jahrg.Mk. 4.50

Der internationale Kunsthandel stellt aus

Die Vereeniging van Handelaren in Oude
Kunst in Nederland besaß den Mut, eine Aus-
heilung größten Stiles von Werken alter Kunst
Z|i organisieren. Bei Presse und Publikum hat
he, die zur Feier ihres fünfundzwanzigjährigen
bestehens diese Schau ins Leben rief, zweifel-
los bereits in den ersten Tagen einen außer-
ordentlichen Erfolg erzielt. An dieser Ausstel-
lung ist, im Gegensatz zu der im Jahre 1929
Organisierten, auch der internationale Kunst-
handel beteiligt, nämlich die Mitglieder der
'lern Office International des Marchands d’Art
^geschlossenen Organisationen: Chambre
^yndicale des Beaux Arts et de la Curiosite
Belgique, Brüssel; Chambre syndicale des
uditeurs et Marchands d’Estampes et Dessins
hlciens et modernes, Paris; Syndicat de Nego-
'jarits en objets d’art, tableaux et curiosites,
Jaris; British Antique Dealers Association,
London; Association du Commerce d’Art de la
Suisse, Zuerich.
Die Angehörigen dieser Vereinigungen be-
glückten die Ausstellung großzügig; uneinge-
schränkt stellten sie ihre Schätze zur Ver-
legung, und so ist in der großen und doch in-
liin wirkenden Ausstellungshalle im Rijks-
museum eine Schau zustandegekommen, die
’h etwa tausend Einsendungen viel des Schön-
heu bietet, das der internationale Kunsthandel
besitzt. Er wußte, daß, wenn heute etwas allen
Widrigkeiten zum Trotz wirken kann, dies nur
Qualität sein kann.
Die Leitung des Rijksmuseums ermaß die
Bedeutung einer solchen Veranstaltung nicht
''Ur für Holland und seinen Kunsthandel, nicht
hir für den internationalen Kunsthandel, son-
dern für die ganze Welt, die Kunst liebt. Dr.
Ichmidt-Degener,
Erektor des Museums.

der verdienstvolle
_ __, ließ es sich nicht
^hrnen, selbst aus all diesen Einsendungen
'm ungemein harmonisch wirkendes, ebenso
mdrucksvolles wie wohlabgewogenes und vor-
''hmes Ganzes zu schaffen. Die Regierung
Sr durch eines ihrer Mitglieder bei der Er-
v.hnung vertreten, die ein großes gesellschaft-
lches Ereignis wurde, und die Presse, der un-
entbehrliche Vermittler gegenüber einem
/eiteren Publikum, brachte in spaltenlangen
1 tikelreihen Belehrung, die auch dem Kunst-
: .Sachverständigsten eine Vorstellung von der
Reellen und materiellen Bedeutung dieser
•püstschätze gab. Es unterliegt kaum einem
| Weifel, daß in diesem Sommer diese Ausstel-
(| hg neben der Ausstellung „Zwei Jahrhun-
j/*te englischer Malerei“ im Amsterdamer
»mdtischen Museum, sehr viele Besucher nach
^msterdam locken wird, die nun in einem
nicht wenig von dem finden werden,

was sie sonst an vielen Stätten Westeuropas
suchen müßten.
Von einer Schau wie der Amsterdamer muß
werbende und erzieherische Kraft ausgehen
wie von kaum einer anderen Veranstaltung;
erzieherisch nicht nur in dem Sinne, daß sie
das Gefühl für Qualität, das Auge des Kunst-
freundes schärft, und überdies dem sich sonst
etwa nur fiir Gemälde Interessierenden unge-
suchte Gelegenheit gibt, Porzellan zu studieren,
dem Liebhaber französischer Möbel englische
Miniaturen, dem Freunde altasiatischer Kunst
auch alte Bucheinbände zeigt. Nein, auch in
einem weiteren Sinne: unsere Zeit neigt, in
überbetontem Gegensatz zu einer früheren, die
allzu einseitig die geistige vor der körperlichen
Erziehung bevorzugte, dazu, der körperlichen
Leistung vor der geistigen und künstlerischen
den Vorzug zu geben. „In dem Alter, in dem
wir stolz unser erstes Bild erstanden, kauft die
heutige Generation ihr erstes Auto“, meinte
kürzlich wehmütig und treffend eine um das
holländische Sammelwesen sehr verdiente Per-
sönlichkeit. Da kann, zur Herstellung des
Gleichgewichtes, zum Erreichen des klassi-
schen Ideals „Mens sana in corpore sano“
eine solche Ausstellung durch Besinnung auf
alte Kultur und ihre Werke viel beitragen.
Was die tausend Schaustücke zeigen? Die
Antwort wird ganz kurz oder sehr lang sein
müssen. Kurz, wenn man sich darauf be-
schränkt, zu sagen, daß sie alles zeigt, was es
in der Welt der Alten Kunst an Begehrens-
wertem gibt, was gesammelt und als Zeuge der
Vergangenheit geliebt wird; lang, wenn man
auch nur das Wichtigste erwähnen, geschweige
denn beschreiben wollte. So möge heute der
Hinweis genügen, daß die Malerei mit etwa
hundertsechzig Werken vertreten ist, die von
den Primitiven bis zum Ende des 18. Jahr-
hunderts reichen; besonders reich und quali-
tätvoll sind die Werke der holländischen Kunst
vertreten: bei den Zeichnungen führen Fran-
zosen und Italiener. Bücher, seltenste Drucke
und geschmackvollste Einbände, englische,
französische, holländische Möbel, französische,
belgische, spanische Gobelins, europäisches
und asiatisches Porzellan, seltene und seltsame
Gläser; Bildhauerarbeiten, Silber, Teppiche.
Lehrreich und wirkungsvoll ist die-Aufstel-
lung dieser Schätze, über deren kunsthistori-
sche Bedeutung vielleicht noch in diesen Spal-
ten berichtet werden wird. Aehnlich wie auf
der großen, in derselben Lichthalle des Mu-
seums gezeigten Rembrandt-Ausstellung von
1952 ist inmitten dieser Halle eine große, recht-
eckige, von oben durch ein Vellum nicht völlig
abgeschlossene kleinere, ein salon carre der


Sebastiano del Piombo, Bildnis eines Senators. Besitzer: Lord Duveen of Millbank, New York
Ausstellung: Amsterdam, Rijksmuseum (Phot. Frequin)

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