Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

Page: 40 41 8
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wk1938/0176
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
8

DIE WELTKUNST

Jalirg. XII, Nr. 40/41 vom 9. Oktober 1938

Nachrichten von Überall

Geschenke für die Ostasia-
tische Kunstsammlung Berlin
Aus Privatbesitz erhielt die Ostasiatische
Kunstsammlung der Staatlichen Museen in
Berlin zwei hervorragende Stücke. Exz. von
Dircksen, deutscher Botschafter in London,
schenkte eine Grabbeigabe aus der Hanzeit,
eine Ente aus gebranntem Ton, eine ausge-
zeichnete Arbeit, deren ursprünglich grüner
Ton durch das lange Lagern in der Erde eine
silbrige Patina angenommen hat. Das zweite
Geschenk kommt aus dem Nachlaß des be-
kannten Sammlers ostasiatischer Kunst, des
im Frühling ds. Js. verstorbenen H. G. Oeder.
Es handelt sich um ein besonders schönes Sa-
kralgefäß aus Bronze im Schang-Stil; der Ele-
fant, der eine sehr schöne grüne Patinierung
zeigt, wurde für heilige Getränke benutzt, er-
zeigt am Rüssel einen Ausguß, dem im Rücken
ein Einguß entspricht.
Das Freilichtmuseum
auf der Mettnau
Auf der Mettnau bei Radolfzell, gegenüber
der Bodenseeinsel Reichenau hat der Reichs-
bund für Deutsche Vorgeschichte in diesem
Sommer ein Freilichtmuseum erstellt. Das
Freilichtmuseum zeigt eine Siedlung der Mitt-
leren Steinzeit um 8000 v. Chr. und einen
Bauernhof der Jüngeren Steinzeit.
Haus der Deutschen Kunst
Die Große Deutsche Kunstausstellung 1938
wird am 16. Oktober geschlossen. Wie im
Vorjahre wird in den beiden letzten Wochen
das Eintrittsgeld auf 20 Pfg. herabgesetzt.
Los Anoeles erhält ein Museum
Los Angeles (Kalifornien) erhält ein großes
Museum unter dem Namen „Kunstmuseum Los
Angeles“, für dessen Errichtung bereits zehn
Millionen Dollar bereitgestellt wurden.
Fresken der hlg. Elisabeth
in Thüringen entdeckt
In der Ende des 15. Jahrhunderts erbauten
Libariuskapelle in Creuzburg an der Werra
entdeckte der bekannte Frankfurter Gemälde-
konservator Wilhelm Ettle einen Fresken-
zyklus aus dem Leben der hlg. Elisabeth.
Landgraf Ludwig der Fromme und seine Ge-
mahlin lebten längere Jahre auf der Creuz-
burg. 1225 erbaute der Landgraf die steinerne
Werrabrücke, daran anschließend steht die

Zunächst wurden freigelegt: ein Teil des
Rosenwunders, Abschied Elisabeths von ihrem
Gemahl Ludwig, welcher in den Kreuzzug
zieht, Elisabeth als Wohltäterin der Armen
und Elisabeth im Kreise ihrer Familie. Die
ganzen Wände der Kapelle bergen unter dem
Verputze Fresken und man darf mit weiteren
Ueberraschungen rechnen, auf welche wir
später noch zurückkommen werden.
Ein Lucas van Leyden
für das Boymans-Museum
Das Rotterdamer Museum hat von einem
Freunde, dem es bereits viel zu danken hat, ein
neues Geschenk empfangen: eine „Landschaft
mit dem Hl. Hieronymus“ von Lucas van Ley-
den, auf Holz, 56X83,6 cm, monogrammiert,
und vermutlich nach 1520 gemalt. Das Ge-
mälde wird auf der Ausstellung „Meisterwerke
aus vier Jahrhunderten“ gezeigt. Diese Aus-
stellung wurde von bereits weit über 50 000 Be-
suchern bewundert.
Geschenk Chinas
an das Britische Museum
Die chinesische Regierung hat eine außer-
ordentlich schöne Kolossalstatue des Buddha
Amitabha aus dem 6. Jahrhundert in Marmor,
die einer der Gipfelpunkte der Ausstellung
chinesischer Kunst in London im Jahre 1956
war, erworben und dem Britischen Museum
zum Geschenk gemacht.
Aus der Londoner National
Galerie
Die Direktion der Londoner National
Galerie hat als Dauereinrichtung ein neues
Ausstellungssystem eingeführt. Saal 52 bleibt
ausschließlich abwechselnden Ausstellungen
vorbehalten, die von Hauptwerken des Mu-
seums, die unter speziellen Gesichtspunkten zu-
sammengestellt sind, bestritten werden. Es
sollen also historische oder ästhetische Pro-
bleme erläutert werden. Die erste Schau
dieser Art wurde kürzlich unter dem Titel
„Das klassische Element in der Malerei der
Renaissance“ eröffnet und hat außerordent-
lichen Beifall des Publikums gefunden.
Das erneuerte Museum
in Straubing
Es gibt besonders in Bayern Heimatmuseen,
die inhaltlich über die engere Stadtgeschichte
hinaus von Bedeutung sind. Hierzu gehört


Wilhelm Schirmer, Blick auf Olevano. Oelstudie, 1828
Ausgestellt in der Kunsthandlung W. Koeberlin, München

(Foto Koeberlin)

Libariuskapelle, deren Malereien gleichzeitig
mit dem Bau entstanden sind. Die Entdeckung
ist besonders bedeutsam, als es die einzigen
Malereien aus früher Zeit sind, welche das
Leben der hlg. Landgräfin darstellen.

das Straubinger oder, wie es nunmehr heißt,
das Gäubodenmuseuni. Straubing ist eine ur-
alte Siedelung, zu der in Römerzeiten das
Casteilum Sorviodurum kam. Deshalb ist die
Sammlung besonders reich an vor- und früh-

geschichtlichen Funden. Das alte Leihhaus,
das das Museum seit langem beherbergt, ist
neuerdings nach Vorschlägen des Landesamtes
für Denkmalskunde in München umgestaltet
und erneuert worden: so daß die schöne

Jose de Figueiredo entdeckt und demselben
Meister zugeschrieben wur den. Mit den beide»
Londoner Tafeln ist der Altar fast völlig s°
wieder hergestellt, wie ihn Massys geschaff»»
hatte.


Peter Paul Rubens, Venus- und Adonis. Geschenk an das Metropolitan Museum, New York
(Foto Archiv!

Barockskulptur wieder zur Geltung kommt.
Die historische Sammlung umfaßt 28 Räume,
in denen die einzelnen Abteilungen folgender-
maßen verteilt sind: 1. Vor- und Früh-
geschichte, 2. bürgerliches und öffentliches
Leben, 5. bäuerliche Kunst, 4. Wehr und
Waffen und 5. Gewerbe. Außerdem wird ein
Lapidarium für die steinernen Denkmäler er-
richtet. Angegliedert ist die Sammlung des
naturwissenschaftlichen Vereins. F.
Der Spitzweg-Prozeß
In dieser, von uns bereits in Nr. 54/35 ge-
schilderten Streitsache — Rückgängigmachung
eines Kaufvertrages — fand vor der Zivil-
kammer des Landgerichtes I in München ein
neuer Termin statt, in dem der Generaldirek-
tor der Bayer. Staatsgemäldesammlungen,
Dr. Ernst Buchner, als Sachverständiger ver-
nommen wurde. In seinem ausführlichen Gut-
achten kam er zu dem Ergebnis, daß sämtliche
sechs Bilder Nachahmungen seien. Dafür
sprächen u. a. auch die Formate, die mit denen
bei echten Werken üblichen nicht überein-
stimmen. Zum Vergleich legte er einen echten
Spitzweg vor und zeigte daran die Unter-
schiede in der Malweise usw. Die Gegenpartei
führte Gutachten ins Feld, die sich für die
Echtheit der Bilder einsetzten. Darunter das
des Großneffen des Meisters, der erklärte, daß
er sich seit 30 Jahren mit den Werken seines
Großonkels befasse und die Bilder für echt
halte. Das Gericht hat nunmehr Urteil er-
lassen, daß die Gemälde keine Originale, son-
dern Nachahmungen sind. Der Klageanspruch
der Klägerin auf Wandlung des Kaufvertrages
bestehe zu Recht. Der Verkäufer wurde ver-
urteilt, die Bilder zurückzunehmen und. den
Kaufpreis von 152 000 RM zurückzuzahlen.
Quentin Massys für Lissabon
Die Regierung der portugiesischen Republik
erwarb in London zwei Tafelbilder des nieder-
ländischen Meisters Quinten Massys, die er
um 1512 für das Kloster der Gottesmutter bei
Lissabon gemalt hatte. Die Gemälde, die
„Darstellung im Tempel“ und „Die Trauernden
am Grabe Christi“, sind Teile eines Altars,
dessen Mittelstück, die „Mater Dolorosa“, sich
im Museum in Lissabon befindet. Dort befin-
den sich auch drei andere Tafeln des Altars,
die durch den portugiesischen Kunstgelehrten

Diebstähle in Tiroler Kirchen
Im Benediktiner-Kloster Gries hatte dies»2
Tage ein junger Mann, der sich als Theologi®'
student aus Westfalen ausgab, um Gastfreund'
schäft ersucht und auch die Pfarrkirche, in deI
sich der berühmte Pacher-Altar befindet, be'
sichtigt. Später entdeckte man, daß er aus del.
Kirche zwei Skulpturen der hl. Magdalena u»
der Auferstehung Christi entwendet hatte.
In Täufers im Münstertal versuchten kür2'
lieh ein Mann und eine Frau, in der dortig»11
Johanneskirche die Wandgemälde abzumeiße'11'
Sie hatten bereits zwei Fresken abgenomni»11'
als Kinder den Ortssekretär von dem sond»1'
baren Gehaben der Bilderliebhaber verstä»'
digten. Sie wurden verhaftet. Die Freske»
diebe sind durch ein Fenster in die Kir»ü£
eingestiegen und waren mit fachmännisch Se'
eigneten Werkzeugen ausgerüstet.
Geschäftliches
(außer Verantwortung der Schriftleitung)
Die Firma C. G. Boerner (Leipzig) hat die
liner Kunsthandlung „Das Bibiographik0
(Berlin W 9, Le-nnestr. 7) übernommen, das sich seit
Jahrzehnten auf dem Gebiete alter Graphik eines
Namens erfreute. Alle Gebiete waren hier vertret®11'
seien es alte Kupferstiche oder Holzschnitte, dekorat'^
Blätter des 18. Jahrhunderts, Sportblätter, Trachten, B*'
nisse, Ansichten und als Spezialität Schiffahrt und farbig
alte Blumen- und Tierkupfer. Die Wiedereröffnung find
im alten Rahmen am 10. Oktober statt.
Das Kunstauktionshaus Hans W. Lange, Berlin
Bellevuestraße 3, hat seine Räume am 1. Oktober d-
nach der Bellevuestraße 7 verlegt.
Die Kunsthandlung P. Rusch in D r e s d e &
hat in Dresden A 24, Reichsstraße 12, neue größer
Räume bezogen.
Die Galerie für Alte Kunst im neuen Heim
Man hätte nicht erwartet daß die bekannte
chener Kunsthandlung „Galerie für Alte Kunst,
A. S. Drey" bei ihrem Umzug von der Maximiliansstr0^
nach der Brienner Straße so gut abschneiden v/ür
Waren doch Haus und Räume ihres bisherigen Wir^r,
Schöpfungen Gabriel von Seidls. Nun ist sie in das
nehme gräfl. Oettingensche Palais übergesiedelt, d®5^.^
helle Empiresäle und -zimmer wie geschaffen sind
eine Kunsthandlung im Sinne unserer Zeit. Die
Adresse lautet: München, Briennerstr. 13.

Bedeutende Gemälde
17. bis 19. Jahrhundert zu kaufen gesucht.
Angebote erbeten
GALERIE G. PAFFRATH
Düsseldorf, Königsallee 46

Gemälde erster Meister
aus 4 Jahrhunderten
Galerie August Kleucker
Düsseldorf, Blumenstr. 21 (Nähe Königsallee)


Johannes Schulz
Spezial-Photograph
für;
Werke bildender Kunst. Repr°'
duktionen nach Gemälden, P'a'
stiken,Kupferstichen,Möbeln etc'
Farbaufnahmen .<
Atelier: Berlin W 35, Lützowstraße 83 V.1
Fernruf: 21 0916

KUNSTHAUS MALMED^
Gemälde mie Plastiken alter Meister
KÖLN a. Rh., UNTER SACHSENHAUSEN

Hauptschriftleiter: Dr. Werner Richard Deusch, Berlin-Charlottenburg; Stellvertreter: C. A. Breuer, Berlin-Grunewald. — Vertretungen im Inland: Düsseldorf: Dr. M. A. Stamme '
Wilhelm-Kleinstraße 6. Hamburg: A. Alexander, Dillstraße 6. München: Ludwig F. Fuchs, Kaulbachstraße 92, Tel.: 35 674. Wien : Dr. Kurt Blauensteiner, VII. Schottenfeldgasse 82, Tel.: B 39 1-"61 /
Vertretungen im Ausland: Amsterdam, Budapest, Krakau, London, Neapel, Paris (Pariser Büro: Directeur Dr. J. I. de Saxe, 13, rue Gudin, Paris 16 e; Tel.: Jasmin 18-90). Ersche,r1^
im Weltkunst-Verlag, Berlin W 62. — A. III. 38 : 2300. — Zuschriften sind an die Direktion der Weltkunst, Berlin W 62, Kurfürstenstraße 76-77, zu richten. Anzeigenannahme bis Donnerstag beim Weltkunst-Verlag. Inserate^
tarif auf Verlangen. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Heinz Müller. Abdruck von Artikeln nur mit Einverständnis des Verlags, auszugsweiser Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet. Haftung für unverlan
eingesandte Manuskripte wird nicht übernommen und jegliche Verantwortung, auch hinsichtlich des Veröffentlichungstermins und der Rücksendung abgelehnt. Der Verlag übernimmt durch Erwerbung eines Manuskrip
alle Verlagsrecht© für dasselbe. Druck: Achterberg & Co., GmbH., Berlin SW61.
loading ...