Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

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Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier und
Professor Dr. Lamprecht
in Leipzig.

KörresDondenzblat

der

Verlag
der
FR. L INTZ’schcn
Buchhandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiquarischen Vereine zu Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strassburg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des anthropol. Vereins zu Stuttgart.


Dezember. Jahrgang X, Nr. 12. 1891.
Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä 25 Pfg. für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
10. Karlsruhe. [Untersuchung von zwei Grab-
hügeln bei Salem.] Es befindet sich im
Hardtwald, eine halbe Stunde westlich von
Salem, eine Gruppe 'von 20 Grabhügeln,
von welchen bereits in den Jahren 1830
und 1834 auf Veranlassung des verewigten
Markgrafen Wilhelm acht, und dann 1878
von mir ein neunter ausgegraben worden
waren1).
Hierzu kam nun nach gewährter Ermäch-
tigung Seiner Grossh. Hoheit des Prinzen
Wilhelm ein dem südlichen, noch unbe-
rührten Teil der Gruppe angehöriger zehn-
ter Hügel. Derselbe mass bei 20 m Dm.
1 m 50 in der Höhe; da man aber bei
der Grabung erst in 1 m 80 Tiefe auf ge-
wachsenen Boden stiess, so muss die Be-
stattung, ehe sie mit dem Hügel zugedeckt
wurde, erst etwa 30 cm eingetieft worden
sein. Sie fand sich ungefähr in der Mitte
unter einem grossen 1 m tief gehenden,
unregelmässigen Haufen zusammengetrage-
ner grösserer und kleinerer Steine. Man
stiess hier auf ein grosses, 93 cm langes
Eisenschwert, auf dessen Klinge noch
Beste einer Holzscheide sichtbar waren,
während im Griffe drei gut erhaltene
Bronzestifte steckten. Es lag in seinem
mittleren Teile auf einem ziemlichen Hau-
fen sehr kleiner, kalcinierter Knochen-
stückchen, ob menschlichen oder tierischen,
Hess sich kaum bestimmen. Das Schwert
1) Vgl. darüber: E. Wagner, Hügelgräber und
TJrnenfriedböfe in Baden. Karlsruhe, G-. Braun,
1885, S. 3 ff.

lag von Kord nach Süd, mit dem Griff
gegen Korden. Wenig entfernt gegen Sü-
den trat in seiner Linie eine Bogenfi-
bula von Bronze, dann ein grosser hohler
Halsring und eine zweite Fibula, beide
von demselben Metalle, endlich ein grosser,
mit Bronzenägelköpfen verzierter Gürtel-
haken von Eisen zu Tage, an welchem
noch Reste von Leinwand, aus Flachs ge-
woben, sich erkennen Hessen. Wenig west-
lich vom Schwerte erschien unter den
Steinen eine Menge von Scherben zusam-
mengedrückter Thongefässe. Aus den-
selben Hessen sich zwei grosse, sehr schön
farbig verzierte bauchige Urnen, ein grö-
berer Topf, eine verzierte Schüssel, ein
Trinknapf und vier kleine, zierliche Ge-
fässchen, als wären sie für Kinder bestimmt
gewesen, zusammensetzen. Bemerkenswert
waren auch Stücke von kleinen Deckeln,
und noch mehr zwei rechteckige, flache,
verzierte Brettchen von gebranntem Thon
mit einem Bohrloch in einer Ecke, eine
bisher nicht bekannte Form, die man als
Spielzeug oder als Amulet erklären könnte.
Die gegenseitige Stellung der interessan-
ten Fundstücke blieb schwer erklärlich;
da sich weiter keine Knochen mehr fan-
den, so lässt sich nicht einmal entscheiden,
ob einst Bestattung oder Leichenbrand
stattgefunden hatte. Etwa 3 m von der
Mitte gegen Südwesten entfernt, aber in
geringerer Tiefe fand sich ein weiteres
Häufchen dünner und fein verzierter Ge-
fässscherben, dabei ein Stück Gürtelblech
von Bronze und ein sichelförmig gekrümm-
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