Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 6.1911

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XIV.

Ästhetische Perspektive.

Betrachtungen über die Perspektive als ästhetischen

Faktor im Flächenkunstwerk; als Beitrag zu einer

künftigen allgemeinen Kunstgeschichte.

Von
Ernst Sauerbeck.

Zweiter Hauptteil.

(Sachhistorischer Teil.)

Die Verwirklichung der »ästhetischen Perspektive« in
der neueren Kunst.

Es ist schon oben bemerkt worden, daß die horizontale Exzentrizi-
tät — auf sie als das allein Problematische schränken wir uns hier
ein! — eine äußerst verbreitete Erscheinung ist; eine genauere Vor-
stellung von dieser Verbreitung und damit die Grundlage eines-
teils für ihre genetische, anderseits für ihre im engeren
Sinne psychologische Deutung soll dieser Teil der Ab-
handlung geben. Von einer erschöpfenden Darstellung des Materials
kann natürlich nicht die Rede sein; sie möchte leicht Bände füllen, wie
die Darstellung des Gesamtmaterials der Malerei (natürlich auch hier
nur des lebenskräftigen) von den üblichen Standpunkten der Kunst-
historie aus es tut.

Wir können nur auf einige der hervorragendsten Punkte
der künstlerischen Entwicklung ein Streiflicht werfen.
Gegen den Verdacht, schon durch die Auswahl irgendwelche subjek-
tiven Maßstäbe zur Geltung zu bringen, hoffe ich mich zu schützen,
indem ich bei der Auswahl die Gesichtspunkte maßgebend sein lasse,
die die üblichen sind, d. h. von anderswoher, von dem Standpunkt all-
gemeinster Betrachtung, nämlich »objektiv«, begründet sind1).

') Zur Kontrolle kann dem Leser jedes beliebige der gebräuchlichen Handbücher
dienen; sie enthalten alle eine große Menge exzentrischer Bilder, ohne daß in ihnen
die Frage der Exzentrizität irgend eine Rolle spielte, ja ohne daß von der Exzen-
trizität auch nur mit einem Wort die Rede wäre. Außer ihnen und vor allem (aus
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