Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 12.1917

Page: 258
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zaak1917/0264
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
258 BESPRECHUNGEN.

Karl Woermann, Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker.
2. Aufl., Bd. I u. II. Leipzig, Bibliographisches Institut, 1915. — Bd.I: XVI
u. 558 S. Bd. II: XVI u. 492 S.

Solange das große Werk noch nicht vollendet ist, soll die ausführliche Be-
sprechung durch einen Fachmann aufgeschoben werden. Ich möchte heute nichts
weiter tun, als unsere Leser darauf hinweisen, daß die ersten beiden Bände in
neuer Bearbeitung da sind, mit vielen Abbildungen im Text und zahlreichen Tafeln
ausgestattet. Der Stoff ist so verteilt, daß der erste Band die Kunst der Urzeit,
ferner die Kunst der alten Kulturvölker Westasiens, Nordafrikas und Südeuropas
(also der »Alten Welt« im engeren Sinne) umfaßt, während der zweite Band die
Kunst aller übrigen außerchristlichen Völker, mit Einschluß der Naturvölker, dar-
stellt. Über die ihn leitenden Grundsätze bemerkt der Verfasser im Vorwort, daß
er die Kunstgeschichte »als selbständige geschichtliche Wissenschaft mit ihren
eigenen, so weit wie möglich denen der Naturgeschichte angenäherten Methoden
und Aufgaben behandeln möchte«. Außerdem habe er sich darum bemüht, das
besondere Kunstwollen jedes Volkes und jeder Zeit zu erfassen. Als echte Kunst-
werke habe er von jeher schon Darstellungen angesehen, »die nur in wenigen
Einzelzügen über die Natur hinausstreben, und als vollendete Kunstwerke auch noch
Neuschöpfungen anerkannt, die in der Abstraktion von der Natur bis an die Grenze
des Möglichen gehen«.

Berlin. Max Dessoir.

Georg Wolff, Mathematik und Malerei. Leipzig 1916, B. G. Teubners Verlag
(Mathemalische Bibliothek).

Der Verfasser behandelt in der Hauptsache die Gesetze der Perspektive — in
aller Kürze — und die Regeln der Proportionslehre, soweit sie am menschlichen
Körper probiert wird — in knapper Andeutung. Die Beziehungen zwischen Mathe-
matik und Malerei sind aber damit noch keineswegs erschöpft. Das Problem des
goldenen Schnitts wird mancher vermissen. Charakterisiert wird die Darstellung
dadurch, daß sie sich überall auf das Tatsächliche beschränkt, sich von den Tiefen
der Problematik fernhält. Davon, daß Perspektive auch ein Stück Weltanschauung
ist, erfahren wir hier nichts. Deshalb will ich die Tätigkeit Wolffs nicht unter-
schätzen. Gestützt auf die Untersuchungen Kerns gibt er eine im kleinen doch
ziemlich plastische Darstellung des Materials, aus welchem nun freilich erst der
Denker den Sinn kristallisieren muß.

Oranienburg. Adolf Behne.
loading ...