Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 23.1929

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BESPRECHUNGEN.

gruppen mit dem Erlebenlassen des Räumlichen verbunden werden können, dargebo-
ten. Jedem, dem die Weiterbildung und vor allem auch die geistige Vertiefung der
Gymnastik und der ganzen Körperbildung am Herzen liegt, wird immer wieder
gern zu dem Büchlein greifen.

Berlin. Christian Herrmann.

Fritz Böhme, Tanzkunst. Mit 24 Bildtafeln. C. Dünnhaupt-Verlag, Dessau
o. J. 218 S.

Es ist eine wissenschaftlich beachtenswerte Schrift, die der bekannte Bericht-
erstatter und Kritiker des Berliner Kunsttanzwesens hier vorlegt. Wir erhalten
recht interessante Darlegungen zu einer Soziologie der Tanzkunst, die auf den Zu-
sammenhang der Tanzformen und der sozialen Struktur hinweisen. Dabei wird mit
großer Sachkenntnis die Geschichte des Tanzes, und zwar mit besonderer Ausführ-
lichkeit von der Zeit der Entwicklung des Balletts an den italienischen Fürstenhöfen
bis in unsere unmittelbare Gegenwart abgehandelt. Für das kunstwissenschaftliche
Begreifen des Tanzes aber von besonderem Wert sind die sehr scharfsinnigen Ana-
lysen des Verfassers der ästhetischen Elemente des Tanzes: der Bewegung, des
Rhythmus, und der Bedeutung des Raumes. Wir erhalten klare Beschreibungen der
hier bestehenden mannigfaltigen Verhältnisse im Volkstanz, im Ballett und in dem
neuen, seit Laban und Mary Wigman wieder bestehenden reinen Kunsttanz. Auch
der Nachweis, inwiefern wir es bei der Wigman beispielsweise mit Schöpfungen zu
tun haben, die der Sphäre der reinen Kunst angehören zum Unterschied von den
Leistungen vieler Anderer, deren Tanzgebilde, so ästhetisch befriedigend sie mit-
unter auch sein mögen, in dem Umkreis des nur subjektiv Bedeutsamen bleiben, scheint
dem Referenten geglückt. Die gute Literaturzusammenstellung am Schlüsse des
Buches, die fast alle hierhergehörigen Veröffentlichungen der letzten Jahre auf-
führt, erhöht die Brauchbarkeit des Buches beträchtlich, das nicht nur einen an-
genehm unterrichtenden Überblick über die Erscheinungen auf dem tänzerischen Ge-
biet gibt, sondern auch zur kunstwissenschaftlichen Erkenntnis des Tanzes manchen
wertvollen Beitrag beisteuert.

Berlin. Christian Herrmann.
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