Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 37.1943

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Bemerkungen

„Italienische Kunstwerke in Meisterbeschreibungen"')

Von

Dr. Marianne Wychgram

Als Ergänzung der in der „Sammlung Dieterich" 1940 von ihm herausgegebenen
„Deutschen Kunstwerke, beschrieben von deutschen Dichtern" läßt Waetzoldt 1941
in derselben Sammlung eine Auswahl von Meisterbeschreibungen italienischer Kunst-
werke folgen.

In einer Zeit, da die Sehnsucht nach unmittelbarem eigenem Erlebnis von Kunst-
werken oft vor verschlossenen Museumspforten resignieren muß, ist das Erscheinen
dieses Buches doppelt willkommen. Die „gepflegte literarische Form der Bildbeschrei-
bung" ist uns wieder interessanter und wichtiger geworden; sie muß unsere Erinne-
rung unterstützen und neu beleben, ja oftmals die Anschauung ersetzen. Damit aber
doch der Goetheschen Forderung „von Kunst nicht zu sprechen als höchstens in ihrer
Gegenwart" Genüge getan wird, sind den hier gesammelten Meisterbeschreibungen
ausgezeichnete Abbildungen beigegeben; und so baut das Buch aus Wort und Bild
eine „Tribuna" auf, in der italienische Kunstwerke höchsten Ranges von zeitloser
Weltgeltung versammelt sind. Vom Torso des Belvedere bis zu Berninis Heiliger
Theresa, vom Mailänder Dom bis zum Petersplatz, von Botticelli zu Lionardo,
Raffael, Tizian, Michel Angelo, Guido Reni sehen wir die Hauptwerke italienischer
Kunst vielfältig gespiegelt im Erlebnis führender europäischer Geister. Es sind
Maler und Dichter, Kunstliebhaber und Fachleute, Archäologen und Kunsthistoriker,
Historiker und Philosophen der verschiedensten Länder und Zeiten, die Waetzoldt
zu uns sprechen läßt. Nur einige wenige Namen seien aus der Fülle herausgegriffen:
Delacroix, Runge, Rethel, Herder, Goethe, Schiller, die Brüder Schlegel, Kleist und
Wackenroder, Shelley, Swinburne, Andersen, d'Annunzio, Charles de Brosses, Dumas,
Zola, Forster, der weitgereiste, Winckelmann, Karl Philipp Moritz und Heinse,
Taine, Ruskin, Pater und schließlich die lange Reihe der bekannten Kunsthistoriker
von Vasari bis zur Gegenwart. Der unendlich ausgebreiteten und subtilen Kenntnis
des Herausgebers entgeht nicht einer, der Wesentliches zu sagen hätte. Und so ver-
schieden die Autoren sind, so groß ist der Umkreis der Formen ihrer Bildbeschrei-
bungen. Da sind Tagebuchnotizen und Reiseerinnerungen, private Aufzeichnungen
und persönliche Briefe, dichterische Gefühlsergüsse und geistvolle Aphorismen, kluge
Gespräche und Umschreibungen, behutsam-besinnliche Deutungen und streng wissen-
schaftliche Bildanalysen in repräsentativen Abhandlungen. Karl Philipp Moritz'
Frage: „Inwiefern Kunstwerke beschrieben werden können" wäre nicht vollständiger
und lebendiger zu beantworten gewesen als es hier geschieht.

- *) Ausgewählt und erläutert von Wilhelm Waetzoldt. Leipzig, Dieterich-
sche Verlagsbuchhandlung (268 S., RM. 5.—).
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