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Zahn, Wilhelm
Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herculanum und Stabiae: nach einigen Grundrissen und Ansichten nach den an Ort und Stelle gemachten Originalzeichnungen (Band 1) — Berlin, 1828/​1829

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https://doi.org/10.11588/diglit.3961#0004
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Während meines Aufenthalte in Italien war ich so glücklich, zwei Sommer in Pompeji zuzubringen, wo ich Gelegenheit hatte, den interessantesten Ausgra-
bungen beizuwohnen. Zu den wichtigsten Entdeckungen, die man in dieser Zeit machte, gehören: die Thermen, das Haus des tragischen Dichters, die Fullomca,
das Haus mit der Masken-Fontaine, die sogenannte Casa di Naviglio, etc. Ich zeichnete gleich nach der Ausgrabung die bemerkenswerthesten Gegenstände, wo-
durch mir das Glück zu Theil wurde, die Gemälde frisch in den lebhaftesten Farben zu sehen, welche leider bald nachher durch den Zutritt der Luft zerstört
wurden, oder durch Einsturz ganzer Mauern zu Grunde gingen. Aufserdem zeichnete ich auch, was mir unter den früher im Museum zu Portici, jetzt im
Museum zu Neapel, befindlichen antiken Gemälden besonders wichtig schien.

So entstand eine beträchtliche Sammlung, bestehend in auf den Originalen gemachten Durchzeichnungen von Gemälden und Ornamenten, in farbig aus-
geführten, möglichst treuen Copien ganzer Wände mit ihrer architektonischen und malerischen Anordnung und zwar colorirt in ihrer vollständigen Farbenpracht,
endlich in architektonischen Zeichnungen, Grundrissen und Ansichten von äufsern und inneren Theilen von Gebäuden.

Aufgemuntert durch das lebhafte Interesse, welches eine grofse Anzahl ausgezeichneter Künstler und Kunstfreunde für diese Gegenstände bezeigten, 1-abe
ich mich entschlossen, eine Auswahl aus meinen Zeichnungen herauszugeben, um so mehr als ich dafür halte, dafs dadurch die Verbreitung eines reineren rnd
edieren Geschmacks in Verzierung architektonischer Räume ungemein befördert werden möchte.

In dem Text werde ich mich lediglich darauf beschränken, von Gemälden, bei denen die Deutung der Vorstellung keinem Zweifel unterliegt, dieselbe gaiz
kurz anzugeben. Aufserdem werde ich jedesmal anzeigen, wo jeder Gegenstand gefunden worden, ob und an welchem Orte er gegenwärtig vorhanden ist. Pur
Viele dürfte es nicht ohne Interesse seyn, dafs ich jedesmal die Farben der Originale genau angegeben habe.

TV- Zahn.

I. Heft.

I.

Ijrundrifs von Pompeji mit den neuesten Entdeckungen, als den Thermen, dem Hause des tragischen Dichters, der Fullomca, dem Hause mit dem Springbrunnen, der
sogenannten Casa di Naviglio etc.

(Dieser Grundriß, der sich bereits il Arbeit befindet, wird beim nächsten HeFte nachgeliefert.)

2. Aus dem sogenannten Pantheon zu Pompeji, Original Durchzeiclmung. Diese Gruppe ist auf schwarzen Grund gemalt in einem Felde, welches von schönen leichten 5au-
len und andern Ornamenten umgeben ist. Das Gew^d der geflügelten Figur ist gelb, :die Flügel derselben röthlich, der Altar und die Fufs- und Arm-Ringe sind gol-
den, so auch das Scepter der andern Figur. Der sceptrhaltenden Figur Gewand ist blau; und das hinter ihr flatternde Gewand ist violett.

5. Wand aus einem Hause, genannt Casa di Naviglio, neen dem Tempel der Fortuna zu Pompeji ausgegraben 1826. Uer uiu^a a^ vvaiiu isr mth, die Ornamente gdh
und grün, der Grund des Feldes, in welchem die Thiert gemalt sind, ist schwarz, oben ri s schmale Feld ist blau. Der auf dem Throne sitzende tRrcinK hat ein rotlies
Untersewand und ein blaues Obergewand, der Thron ist ,0lden. Dasselbe Zimnr nrere malere schöne Malereien, unter andern die auf Thronen sitzenden Gott-

heiten, Ceres und Jupiter, schade dafs die Juno, deren \ r ich noch an 3 a erkannte, nicht mehr war, auch seihst der Jupiter verging einige Wochen

nach der Ausgrabung. In demselben Zimmer befinden ch s -ppen, welche zu den schönsten gehören, die man bis jetzt gefunden hat.

4. Schwebende Figur aus Stabiae, jetzt im Museum zu Net .,iuinung, in der linken Hand eine Sichel, in der rechten Hand Aehren. Vielleicht eine Höre
des Sommers. Diese Figur ist auf gelben Grund gemalt, d f0th, und da, wo man es von der innern Seite sieht, grün, so dafs das Gewand des linken Armes
und das, hinter der Figur, ebenfalls grün ist.

5. Wand aus dem Tempel der Isis, in seiner ganzen Farbenpre U Dieses habe ich aus den Bruchstücken, welche jetzt im Museum von Neapel sind, restaurirt. In die Mitte
gehört ein historisches Gemälde, die Jo vom NU getragen, vo, der Isis Abschied nehmend.
Fries aus dem Tempel der Isis. Original - Durchzeichnung.

Kleine Ornamente in Farben, in Original-Gröfse. Deren find- man dort in grofser Anzahl in jedem Zimmer. Es ist zu bewundern, dafs man unter diesen kleinen Or-
namenten bis jetzt noch keines öfter als einmal gefunden hat, elches uns einen Begriff vom Reichthum der Erfindung bei den Alten auch in diesem Kreise giebt.
Die drei Grazien aus Pompeji, Original-Durchzeichnung, jetzt i Museum zu Neapel. Sie sind schön colorirt auf einem einfachen Rasen-Grunde stehend, so àa[s der

Grund der reine Himmel ist.

9. Gemalter Candelaber aus dem Hause des tragischen Dichters zu- ompeji ausgegraben 1825. Dieser Candelaber ist golden, er befindet sich im Triclinium; in demselben
Zimmer sind die Gemälde, Leda mit dem Neste der drei Kinder, "heseus wie Pr die Ariadne verläfst, und Venus und Adonis.

10. Ornamente in Marmor und Stuck. Das Capital in Marmor wurde 2funden im Sommer 1826 in einem kleinen Tempel am Forum. Die beiden andern Ornament dn Stud
aus den Thermen zu Pompeji ausgegraben 1824 sind bemalt. Spätt werde ich einige Abbildungen mit den Farben von in Stuck ausgeführten und zugleich bemalten Or-
namenten geben. Das untere Ornament ist am Gesimse im Atlanten Zimmer, das obere in dem Zimmer daneben, im Calidarium. Die Decke in dem Atlanten-Zimmer ist
vielleicht die schönste, welche uns aus dem Alterthum aufbewahrt wtden.

Da zur Ergänzung der vollen Zahl von 10 Tafeln, N°- n bereits de1 gegenwärtigen Hefte beigefügt worden, so erfolgt V?i> Erklärung dieser Tafel mit dem zweiten Hefte.

6.

7-

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