Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 5.1894

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KLEINE MITTEILUNGEN.

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Kupfer getrieben und wird seine Aufstellung über dem
Portal des neuen deutschen Reichstagsgebäudes erhalten.
Die Abbildung ist nach einer Photographie, die Herr Seitz
uns freundlichst zur Verfügung stellte, von B. Berthold in
Leipzig in Holz geschnitten. — Als Tafel ist diesem Hefte bei-
gegeben: Aneroidbarometer, in Holz geschnitzt vonA.Denoth.rn
Hamburg. Ein Meisterstück moderner Holzschneidekunst
ist hier von einem Meister der Zeichenkunst mit größter
Liebe wiedergegeben. Der Urheber der Zeichnung, die wir
auf einem Doppelblatte in Zinkätzung nachgebildet von
Siebe & Co. in Leipzig darbieten, giebt uns zu dem Werke
folgende Erläuterungen: Auf dem Rand unseres Barometers
entwickelt sich ein buntes Leben in der Mannigfaltigkeit,
wie sie den vielen Launen des Wetters entspricht. Der den
Barometer umschließende ornamentale Rand wird zunächst
von einem aus stilisirter Wurzel nach links und rechts ent-
wachsenden, kräftigen Stamm umfasst, von welchem Ranken
mit Blüten und Blättern der Sonnenblume abzweigen, gleich-
sam als Sinnbild der Hoffnung, dass auf schlechtes Wetter
stets wieder Sonnenschein folgt. Betrachten wir uns die
einzelnen Gruppen von links anfangend. Von zwei durch
„Sturm" geängstigten, über dem Erdboden fliegenden Schwal-
ben erhascht die eine eine ahnungslos daherschreitende Heu-
sahrecke am linken Flügel. Die Libelle mit ihren schillern-
den Flügeln gesellt sich um so lieber zu den Schwalben,
da Wasser in der Nähe zu sein scheint. Der Sturm lässt
nach. „Viel Begen" ist den Laubfröschen doch etwas zu
unangenehm geworden, sie sind im Begriff, sich von einem
Laubbaum ins Wasser zu flüchten, aber der Bewohner des
Waldes, der Eirsohlcäfer, sucht den einen Laubfrosch am
rechten Bein zurückzuhalten. Es hilft alles nichts; die
Frösche sind nun einmal untrügliche Wetterpropheten, es
zieht sie nach der Gesellschaft des Begenwurms und der
Begenschneeke, die das Trockene — die Sonnenblume — ver-
lässt und sich den Fröschen zuwendet, denn „Begen oder
Wind" halten immer noch an. Das Wetter bessert sich aber
etwas und „ Veränderlichkeit" macht Vergnügen, das kann
man am besten bei dem Chamäleon beobachten. Die beiden
Vertreter dieser unter äußerem Einfluss die Farben wechseln-
den Tiergattung sitzen auf unserem Barometer ganz an der
richtigen Stelle. Eine Fliege wagte sich schon, nachdem der
Regen oder Wind nachgelassen, hervor, wird aber im Nu
von dem einen Chamäleon mit seiner regenwurmähnlichen
Zunge aufgeschnappt werden und den Weg allen Fleisches
gehen. Auch ein Schmetterling fühlte den Drang nach Frei-
heit und. sitzt, allerdings noch zusammengefaltet, auf einer
geschlossenen Sonnenblume links der beiden Chamäleons.
Sehr bezeichnend ist über den Chamäleons an einer Ranke
eine Insektengruppe als Sinnbild der durchzumachenden Meta-
morphose. Nur bei „se/iönem" Wetter bietet sich uns der
Anblick des fliegenden prächtigen Pfauenauges, welches hier
der geöffneten Sonnenblume mit ausgebreiteten Flügeln zu-
eilt. Die Luft ist rein und klar und die Mücken lassen es
sich ebenfalls nicht nehmen, ihr kosendes Spiel zu treiben.
Das schöne Wetter dauert fort und wird sogar „beständig".
Die Eidechsen freuen sich über ihr Dasein und genießen aus
vollen Zügen die sonnige Freiheit. Denn von der benach-
barten Orille und der auf ihrem Netze sitzenden Kreuz-
spinne brauchen sie keine Furcht zu haben. Nach allen den
Witterungsphasen tritt schließlich „Trocleenheit" ein und mit
dieser Erscheinung ist denn auch die Skala beendet. An-
schließend hieran hat der Künstler sehr sinnreich die Schluss-

gruppe aufgefasst. Die Arbeit ist vollendet. Zeichenstift
und Sehnit&eisen ruhen. Der Geldbeutel ist leer, denn Reich-
tümer sind bei der Ausführung „wahrer", „echter" Kunst-
werke, speziell im Kunstgewerbe, „leider" sehr selten übrig.
Eine fünfköpfige Mäusefamilie treibt in dem trockenen
Wetter ungestört ihr possirliches Spiel; Meister Denoth hat
ja die mühevolle Arbeit glücklich vollendet. — Der Verein
für Kunst und Wissenschaft besitzt in dieser Hamburgisohen
Arbeit eine der besten Schöpfungen Denoth's und eine der
hervorragendsten „deutschen" Leistungen der Neuzeit auf
dem Gebiete der Kleinkunst, welche sich würdig den aller-
ersten Arbeiten der italienischen Renaissancezeit an die Seite
-stellen kann, ohne eine Spitzer'sche Auktion durchgemacht
zu haben. Geistvoll ist die Gesamtkomposition, meisterhaft
die Technik. Nicht mehr im Hochrelief, sondern meistens
vollständig frei herausgearbeitet, wie aus der Abbildung er-
sichtlich, tritt das Getier hervor. Die Durchbildung der
Details ist von so feiner Naturbeobachtung durchdrungen,
wie wir sie bei den naturalistischen Werken der Japaner
so oft zu sehen und zu studiren gewohnt sind. Und un-
zweifelhaft gab die in Deutschland einzig dastehende Samm-
lung japanischer Gegenstände in dem Hamburgischen Museum
für Kunst und Gewerbe unserem Denoth lebhafte Anregung
zu seinem Schnitzwerk. Der Barometer wurde im Jahre
1888 in Birnbaumholz ausgeführt und schmückt seitdem das
Gesellschaftslokal des Vereins für Kunst und Wissenschaft
in Hamburg. — Die Abbildung ist direkt nach der Natur
auf Schabpapier gezeichnet, als der einzig möglichen Technik,
welche die Wiedergabe der Feinheiten im Original zuließ.

WILHELM WEIMAR.

ZEITSCHRIFTEN.
Bayerische Gtewerbezeitung. 1893. Kr. 18 u. 19.

Über die Verbesserung der Glasur für Töpferware. Von Dr.
H. Stock meier. — Wesentliche Handwet'kerfragen unserer
Zeit. Von Dr. Th. Hampke.
Gewerbehalle. 1893. Heft 10 u. 11.

Taf. 73. Kredenz; entworfen vom t Baurat 0. Hieser. — Tat. 74.
Füllungen für einen feuerfesten Kassenschrank; entworfen von
Prof. A. Ortwein in Graz; ausgeführt von G. Heise in Lands-
hut. — Taf. 75. 1. 3. Thürklopfer aus Bologna, 16. und 17. Jahr-
hundert; aufgenommen von Architekt A. Mezey in Budapest.
3. 4. Spätgotische Thürklopfer im Nordböhmischen Gewerbe-
museum in Reichenberg; aufgenommen von A. Hofmann da-
selbst. — Taf 76. Stuckverzierungen von Gurtbögen aus der
Kirche zu Garmisch (Oberbayern) um 1730; aufgenommen von
Reg.-Baumeister 0. Poetsch in Charlottenburg. — Taf. 77.
Doppelflügelige eichene Thür im Schlosse Grafenegg bei Krems
(Niederösterreich); aufgenommen von J. Lahoda in Wien. —
Taf. 78. Geschäftskarten, Brief-und Rechnungsköpfe; entworfen
von H. Kaufmann in München. — Taf. 79. Schmiedeeisernes
Grabkreuz. Deutsche Durchsteckarbeit vom Anfang des 17. Jahr-
hunderts im Nordböhmischen Gewerbemuseum in Reichenberg;
aufgenommen von A. Hof mann daselbst. — Taf. 80. Italienische
Applikationsstickereien des 16. Jahrhunderts im k k. österrei-
chischen Museum für Kunst und Gewerbe in Wien; aufgenommen
von Jul. Hermann daselbst. — Taf. 81. Wandschrank im k. k.
österreichischen Museum für Kunst und Gewerbe in Wien (Süd-
deutschland, Mitte des 17. Jahrhunderts); aufgenommen von

A. Kreiczik daselbst. — Taf. 82. Thürklopfer aus Schmiede-
eisen (1515) am Kathaus in Nürnberg; aufgenommen von P. Eich-
holtz in München. — Taf. 83. Fenster und Thürumrahmung und
Wandfüllung; entworfen von H. Kaufmann in München. —
Tai*. 84. Maßbuch aus dem Klosterschatze der Kapuziner in
Klausen; entworfen von Architekt H. Kirehmayr in München.
— Taf. 85 Konsoletisch; entworfen von L. Kugler in Wien. —
Taf 86. Altes Treppengeländer im Weckmann'schen Hause und
andere Schmiedearbeiten in Ulm; aufgenommen von R. Knorr
in Stuttgart. — Taf. 87. Stoffmuster von Gemälden alter Meister
in der Pinakothek in München; aufgenommen von Bildhauer

B. Pfeifer daselbst. — Taf 88. Rosette im Schloss Bruchsal;
aufgenommen von Fr, Hildenbrandt in Köln.

Mitteilungen des k. k. Österreichischen Museums für
Kunst und Industrie. Oktober 1893. Heft 10.

Jubelfeier der Kunstgewerbeschule des k. k. Museums. — Die
antiken Gefäße mit Bleiglasur in der archäologischen Ausstellung.
Von Dr. K Masner. (Schluss.)

Monatsschrift für Textilindustrie. 1893. Heft 9.

Über die Organisation in der englischen Industrie.

Herausgeber: Arthur Pabst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipzig.

Druck von August Pries in Leipzig.
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