Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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58 DIE KONGREGATION DER SCHOTTENKLÖSTER IN DEUTSCHLAND.

mit den katholischen Mächten unterhielt. Nach der Katastrophe des Herzogs von Norfolk
hatte er 1573 England verlassen müssen, und setzte seine Bestrebungen in Frankreich
fort; jetzt finden wir ihn in Deutschland, wo er ebenfalls als Gesandter der Königin von
Schottland am kaiserlichen Hofe auftrat. Im Jahre 1578 kam er nach Nürnberg *), und
verlangte die Restitution des Aegidiensfifls, welches bei der Reformation eingezogen und in
ein Gymnasium verwandelt war, ward aber abgewiesen, und ein zweiter Versuch des Abtes
Ninian im Jahre 1581 blieb ebenso erfolglos. Auch in Wien bemühten sich beide, das
dortige Schottenstift für ihre Landsleute zu gewinnen, allein es gelang ihnen auch hier nicht
besser. **) Dagegen erreichte der Abt Johann Jakob Whyt 1595 wirklich die Einräumung
des Wirzburger Schottenstifts ***); der Bischof Julius von Wirzburg hatte 1594 während
des Reichstages bei ihm logirt, und auf seine Bitte die Herausgabe des s*äkularisirten und
unter bischöflicher Administration stehenden Stiftes zugesagt; doch wäre diese vielleicht so
rasch noch nicht erfolgt, wenn nicht der Bischof erkrankt wäre, und in der Todesangst
die Herstellung des Schottenstiftes gelobt hätte.

Im Jahre 1624 machten dann die Schottenäbte noch einen Versuch auf das Schotten-
kloster in Wienf); aber der Kaiser Ferdinand II. liess sich von seinem Klosterrath ein
ausführliches Gutachten über die Lage der Dinge erstatten, und wies sie demgemäss ab.

Im Jahre 1641 kam das Regensburger Kloster sogar noch einmal selbst in
grosse Gefahr, da man es den Barfüssern übergeben wollte ff); allein es unterblieb auf
den Einspruch des Papstes Urbans VIR., und die Ansprüche der irländischen Benediktiner
wurden, wie schon erwähnt, durch Innocenz X. abgewiesen. Unter dem Abte Placidus
Flemming 1672— 1720 nahm endlich das Kloster einen neuen Aufschwung, und 1718
wurde auch ein Seminar „für die Schottländische adeliche Jugend" hier errichtet.

Das Erfurter Schottenstift ist auch zeitweise sehr verfallen gewesen, aber
doch nie ganz aufgelöst; seit Errichtung der Universität gewann es durch seine Verbindung
mit dieser einen neuen Halt, indem 1446 der Abt Protektor der Universität wurde, und
mit den 4 Pfründen Professuren verbunden waren, bis endlich 1820 auch dieses Stift auf-
gehoben wurde.

In S. Jakob zu Regensburg aber sind die Schottländer noch heul zu Tage zu finden.

*) Wölkern S. 873.

**) Hormayr's Wien, Band II, Heft I. Urkunden p. GXLII.
***) Pamciüs S. 327. Ussermann Ep. Wirzb. p. 284.

+) Hormayr, Wien 1. 1. ürk. p. OXXXIX.
ff) Paricius S. 328.

Wattenbach.
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