Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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treu zu bleiben, ziebt er jetzt das Datum des Brandes von 1081 vor, in dessen Folge der
jetzige Dom erbaut sei. Hiedurcb ist er meiner Annahme der Entstellung desselben nach
dem Brande von 1137 schon wesentlich näher gerückt, indem der Beginn des von Bardo
beendigten Baues 1009 stattfand, Schnaase also bereits um 72 Jahre herabgerückt ist, so
dass zwischen seiner jetzigen und meiner Annahme anstatt der ursprünglichen 128 Jahre
jetzt nur noch 56 übrig bleiben.

Herr Schnaase äussert sich in Bezug auf den Brand von 1137, dass eine solche
gewöhnliche Formel, wie das combustim est, dessen sich Dodechinus in Beziehung auf den-
selben bedient, bei Schriftstellern des Mittelalters, wenn sie ohne weitere, einen bedeutenden
Schaden andeutende Zusätze vorkommt, keinesweges auf besondere Beschädigungen schliessen
lasse; wobei er jedoch die Möglichkeit des Gegensatzes nicht verkennt.*) In der That
haben wir keine Ursache, dergleichen Nachrichten zu stark oder zu wenig zu urgiren, son-
dern sie stets nur im Zusammenhange mit denjenigen Thatsachen zu betrachten, welche das
Gebäude selbst darbietet.

Wenn Herr Schnaase also dem J. 1081 den Vorrang vor dem J. 1137 giebt, so
liegt der Grund nicht in der besseren Nachricht (der Brand von 1137 wird von noch meh-
reren Schriftstellern und als nicht minder bedeutend als wie der von 1081 berichtet), son-
dern darin, dass ihm jenes Jahr gelegener erscheint; ich ziehe aber aus demselben Grunde
das Jahr 1137 vor. Die Frage wird also wesentlich darauf reduzirt, für welches Datum die
übrigen Gründe sprechen. Sie sind theils negativer, theils positiver Art.

Auch in der Entgegnung hat es mein verehrter Freund nicht möglich gemacht, aus-
ser dem Dome zu Speier, der ja eben mit in Frage steht, einen andern Kirchbaii des XI.
Jahrhunderts in Deutschland anzugeben,, der die Anomalie aufheben würde, die Dome zu
Mainz und Speier als die einzigen ihres Jahrhunderts in Deutschland festzuhalten, welche
gleich als Gewölbkirchen angelegt worden sind, nachdem er jetzt auch den Dom zu
Worms davon ausgenommen hat. Zwar nennt er noch die Klosterkirche zu Laach, ohne
jedoch gerade einen Gegenbeweis darauf zu gründen, aber doch so, dass er die Gründung
dieser romanischen Gewölhkirche im J. 1093 noch innerhalb des XI. Jahrb., wenn das hier
allein in Frage kommende Schiff auch erst nach 1112 fallen sollte, zu seinen Gunsten her-
vorhebt. Selbst dies vorausgesetzt, würde dieser Beweis schon deswegen an dieser Stelle
besser wegbleihen, weil Laach einer wesentlich anderen Bauregion, der niederrheinischen,
angehört, die ich, so wie überhaupt alle anderen nicht speziell oberrheinischen Schulen, ab-
sichtlich nicht berücksichtigt hatte, um den Blick nicht zu verwirren. In Wahrheit enthält
aber, wenn man auch die Verschiedenheit der Schulen nicht beachten will, jene Kirche den-
noch keinen Beweis gegen mich. Das Jahr der ersten Stiftung 1093 ist ohne alle ßedeu-

*j Der Vollständigkeit wegen möge liier aber bemerkt werden, dass jenes Zeugniss des Dodechinus nicht verein-
zelt dasteht. So heisst es in dem gleichz. Gliron. Erfurt, von einem Mönche in S. Peter das. bei Pertz VIII. S. 541 :
Monaslcrium S. Martini in Magohtia cum magna parte einsdem civitatis igne crematar, und in den Hildcsh. Ann. bei
Leienitz I. p. 741: MCXXXFII. AdelberlusMogtcnlinensi.sArcli.iep. obiit; post cuius obilum civitas una cum principali
Temph igne concremata est.
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