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1888.
ZEITSCHRIFT KÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.
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ihren Ausdruck findet, und ein in der Aus-
stattung ausschliefslich von ihm und von seiner
Technik, geschaffenes Werk sich ergibt. In den
Hauptbestandtheilen zeigt der Meister sich ganz
abhängig von seiner Zeit, in ihrer Zusammen-
setzung verräth er kein hervorragendes Geschick,
in dem Spielen aber mit den einzelnen Orna-
menten bewährt er eine Findigkeit und Fer-
tigkeit, die um so staunenswerther, je einfacher
und geringfügiger die Formen sind, mit denen
er arbeitet. Diese Arbeit zeigt sich überall
von dem ihm vielleicht unbewufsten Bestreben
geleitet, keine, aber auch gar keine gerade Linie
bestehen zu lassen, jede durch ein architek-
tonisches Glied zu brechen. Daher dieses Spiel
mit dem Lilienfries, mit dem Krabbenfries, mit
den Fialen, Kreuzblumen und Mafswerksträngen.
Und so einfach, man möchte fast sagen, öde diese
Elemente sind und so. oft sie wiederkehren, die
Gesammtwirkung ist nicht nur eine sehr reiche
und anmuthige, sondern auch eine mannigfaltige
und harmonische. Mit geringen Mitteln ist hier
Vieles erreicht und zwar ganz spontan und
durchaus im Rahmen der Goldschmiedetechnik,
■f Der Künstler arbeitet fast ausschliefslich mit
G u f s f o r m e n, aus denen er sogar die Blätter an
den Armen und der Deckelknospe, sowie an der
Kreuzblume gewinnt. Dafs er kein Meister ist
in der Handhabung des Grabstichels, beweist
die etwas rohe Art, mit der die Blendarkaden
gravirt sind. Für einen hervorragenden Ciseleur
aber ist der Urheber der getriebenen Blatt-
ornamente auf dem Fufse und Deckel zu halten.
Sie sind aber zu fein in der Zeichnung und zu
reich in der Ausführung, als dafs sie auf die
Hand zurückgeführt werden könnten, die das
Uebrige geschaffen hat. Wäre ihr die Technik
des Treibens bis zu diesem Mafse geläufig ge-
wesen, sie hätte gewifs nicht so gierig und
ausschliefslich nach den Gufsomamenten ge-
griffen. Diese Hand liebte das Arbeiten mit
vorhandenen Mitteln, sie verwendend, wie bei
der Montirung das Bedürfnifs, bezw. der per-
sönliche Geschmack des Künstlers sie nahe
legten. So führte er je einen Krabbenfries
durch die vier hierzu ursprünglich gewifs nicht
bestimmten Hohlkehlen, welche die vier Felder
des hübsch geformten wellenförmig behandelten
Fufses scheiden. Der Uebe'rgang desselben in
den sechseckigen Ständer ist durch den Lilien-
fries etwas inkorrekt vermittelt. Sehr öde ist
auch das folgende Verbindungsglied, wie
überhaupt die ganze ürnamentirung des Schaftes
mit Einschlufs seines Knaufes, unruhig und un-
organisch erscheint, trotzdem in der Anbringung
von vier statt sechs Strebepfeilern eine geschickte
Wahrung der Viertheilung von unten und oben
sofort in die Augen fällt. Dafs der Knauf als
Mittel- und Hauptmotiv den Zeckenzug des
Fufses wiederholt, erscheint als eine Armuth
und die Lilienfriese, die ihn umschliefsen, wer-
den nur durch die Schnörkel auf den Picken
mit den sie verbindenden Kreuzblumenstümpfen
gegen allzugrofse Monotonie geschützt. Die
runden bandumwundenen Arme mit ihren eben-
falls runden friesverbrämten Tellerkonsolen ver-
lassen die architektonische Strenge, die im Ganzen
waltet, erhalten aber in den beiden vorzüglich
mo de Hirten Engelfiguren, die aus einer,
wohl etwas älteren Gufsform gewonnen und
namentlich in Gesicht und Haaren meisterhaft
ciselirt sind, einen höchst gefälligen Abschlufs.
Bei dem in schönen Verhältnissen ausgeführten
Schreinchen ist es dem Meister durch die ge-
schickte Gruppirung gelungen, die Monotonie der
sich wiederholenden Lilienfries-, Strebepfeiler-,
Mafswerk- und Krabbenfries-Motive fast ganz
vergessen zu machen.
Sie umsäumen mit ihren zahllosen Durch-
brechungen die strengen architektonischen Linien
in einer so spielenden Weise, dafs weder die
Einförmigkeit, noch die Ueberladung, sondern
nur eine sehr elegante Gesammtwirkung zur
Geltung kommt. Auch bei den ganz gleich-
artig behandelten Blendarkaden, in denen das
gravirte Ornament dem plastischen zu Grunde
liegt, entsprechen denselben Ursachen dieselben
Wirkungen. Aus der Blätterknospe, die den
Deckel bekrönt, wächst überaus zierlich ein
Krystallknopf heraus, über dem kleine Archi-
tekturstückchen zu dem leichten und gefälligen
Abschlüsse sich vereinigen.
Wird nach dem Alter und der Heimath
dieses vornehmen Behälters gefragt, so erscheint
die Antwort darauf nicht schwierig, obgleich
weder die eingeschlagene Marke Ü6RV auf
dem Fufse und oben am Ständer, noch das
auf dem Fufse befestigte Wappenschild mit den
fünf ganz gleichen Thorburgen (die auf eine Ver-
bindung mit Spanien hinweisen sollen), in Bezug
auf ihre Bedeutung zu ermitteln gewesen sind.
Das fein empfundene Pflanzen Ornament
auf dem Fufse und Deckel nämlich, welches
von dem deutschen Kleinmeister Heinrich Aide-
1888.
ZEITSCHRIFT KÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.
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ihren Ausdruck findet, und ein in der Aus-
stattung ausschliefslich von ihm und von seiner
Technik, geschaffenes Werk sich ergibt. In den
Hauptbestandtheilen zeigt der Meister sich ganz
abhängig von seiner Zeit, in ihrer Zusammen-
setzung verräth er kein hervorragendes Geschick,
in dem Spielen aber mit den einzelnen Orna-
menten bewährt er eine Findigkeit und Fer-
tigkeit, die um so staunenswerther, je einfacher
und geringfügiger die Formen sind, mit denen
er arbeitet. Diese Arbeit zeigt sich überall
von dem ihm vielleicht unbewufsten Bestreben
geleitet, keine, aber auch gar keine gerade Linie
bestehen zu lassen, jede durch ein architek-
tonisches Glied zu brechen. Daher dieses Spiel
mit dem Lilienfries, mit dem Krabbenfries, mit
den Fialen, Kreuzblumen und Mafswerksträngen.
Und so einfach, man möchte fast sagen, öde diese
Elemente sind und so. oft sie wiederkehren, die
Gesammtwirkung ist nicht nur eine sehr reiche
und anmuthige, sondern auch eine mannigfaltige
und harmonische. Mit geringen Mitteln ist hier
Vieles erreicht und zwar ganz spontan und
durchaus im Rahmen der Goldschmiedetechnik,
■f Der Künstler arbeitet fast ausschliefslich mit
G u f s f o r m e n, aus denen er sogar die Blätter an
den Armen und der Deckelknospe, sowie an der
Kreuzblume gewinnt. Dafs er kein Meister ist
in der Handhabung des Grabstichels, beweist
die etwas rohe Art, mit der die Blendarkaden
gravirt sind. Für einen hervorragenden Ciseleur
aber ist der Urheber der getriebenen Blatt-
ornamente auf dem Fufse und Deckel zu halten.
Sie sind aber zu fein in der Zeichnung und zu
reich in der Ausführung, als dafs sie auf die
Hand zurückgeführt werden könnten, die das
Uebrige geschaffen hat. Wäre ihr die Technik
des Treibens bis zu diesem Mafse geläufig ge-
wesen, sie hätte gewifs nicht so gierig und
ausschliefslich nach den Gufsomamenten ge-
griffen. Diese Hand liebte das Arbeiten mit
vorhandenen Mitteln, sie verwendend, wie bei
der Montirung das Bedürfnifs, bezw. der per-
sönliche Geschmack des Künstlers sie nahe
legten. So führte er je einen Krabbenfries
durch die vier hierzu ursprünglich gewifs nicht
bestimmten Hohlkehlen, welche die vier Felder
des hübsch geformten wellenförmig behandelten
Fufses scheiden. Der Uebe'rgang desselben in
den sechseckigen Ständer ist durch den Lilien-
fries etwas inkorrekt vermittelt. Sehr öde ist
auch das folgende Verbindungsglied, wie
überhaupt die ganze ürnamentirung des Schaftes
mit Einschlufs seines Knaufes, unruhig und un-
organisch erscheint, trotzdem in der Anbringung
von vier statt sechs Strebepfeilern eine geschickte
Wahrung der Viertheilung von unten und oben
sofort in die Augen fällt. Dafs der Knauf als
Mittel- und Hauptmotiv den Zeckenzug des
Fufses wiederholt, erscheint als eine Armuth
und die Lilienfriese, die ihn umschliefsen, wer-
den nur durch die Schnörkel auf den Picken
mit den sie verbindenden Kreuzblumenstümpfen
gegen allzugrofse Monotonie geschützt. Die
runden bandumwundenen Arme mit ihren eben-
falls runden friesverbrämten Tellerkonsolen ver-
lassen die architektonische Strenge, die im Ganzen
waltet, erhalten aber in den beiden vorzüglich
mo de Hirten Engelfiguren, die aus einer,
wohl etwas älteren Gufsform gewonnen und
namentlich in Gesicht und Haaren meisterhaft
ciselirt sind, einen höchst gefälligen Abschlufs.
Bei dem in schönen Verhältnissen ausgeführten
Schreinchen ist es dem Meister durch die ge-
schickte Gruppirung gelungen, die Monotonie der
sich wiederholenden Lilienfries-, Strebepfeiler-,
Mafswerk- und Krabbenfries-Motive fast ganz
vergessen zu machen.
Sie umsäumen mit ihren zahllosen Durch-
brechungen die strengen architektonischen Linien
in einer so spielenden Weise, dafs weder die
Einförmigkeit, noch die Ueberladung, sondern
nur eine sehr elegante Gesammtwirkung zur
Geltung kommt. Auch bei den ganz gleich-
artig behandelten Blendarkaden, in denen das
gravirte Ornament dem plastischen zu Grunde
liegt, entsprechen denselben Ursachen dieselben
Wirkungen. Aus der Blätterknospe, die den
Deckel bekrönt, wächst überaus zierlich ein
Krystallknopf heraus, über dem kleine Archi-
tekturstückchen zu dem leichten und gefälligen
Abschlüsse sich vereinigen.
Wird nach dem Alter und der Heimath
dieses vornehmen Behälters gefragt, so erscheint
die Antwort darauf nicht schwierig, obgleich
weder die eingeschlagene Marke Ü6RV auf
dem Fufse und oben am Ständer, noch das
auf dem Fufse befestigte Wappenschild mit den
fünf ganz gleichen Thorburgen (die auf eine Ver-
bindung mit Spanien hinweisen sollen), in Bezug
auf ihre Bedeutung zu ermitteln gewesen sind.
Das fein empfundene Pflanzen Ornament
auf dem Fufse und Deckel nämlich, welches
von dem deutschen Kleinmeister Heinrich Aide-


