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1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 5.
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indefs schon lange entfremdet gewesen sein,
denn viele Jahre hindurch hat sie als Trottoir-
platte gedient. Dem Umstand, dafs sie hierzu
geeignet erschien — sie besteht aus Granit —
ist ihre Erhaltung zu danken. Die Bildseite
war nach unten gewendet und somit glücklicher-
weise keiner Beschädigung ausgesetzt. Bei einer
Umlegung des Pflasters kam sie zum Vorschein
und wurde in das städti-
sche Museum überführt.
An ihrem jetzigen Auf-
stellungsorte ist die Platte
mit dem unteren Ende
in den Fufsboden einge-
lassen; die sichtbar ver-
bleibende Höhe von 1,54 m
entspricht somit nicht der
ganzen Länge des Steines;
seine Breite beträgt 0,65 m.
Unsere Abbildung ist
nach einem Papierabdruck
hergestellt, den Herr Bau-
meister Savels von Münster
an Ort und Stelle genom-
men und bereitwillig zur
Verfügung gestellt hat: sie
zeigt das Bildwerk in einer
Genauigkeit, welche eine
besondere Beschreibung
als unnöthig erscheinen
läfst. Die Zeichnung, an
welcher nur die gezwun-
gene Stellung des linken
Fufses etwas stört, ist edel,
die ganze Darstellung vor-
nehm; die geschickte Be-
nutzung der Krone des
Baumes, an dessen Stamm
der Heilige gefesselt ist,
zeugt von dem feinen Ge-
fühl des Künstlers für
nutzung der Flächen.
Mit einigen weiteren Worten mufs dagegen
auf die Technik eingegangen werden, in welcher
das Bildwerk zur Ausführung gebracht ist.
In zahlreichen Beispielen, namentlich an
Grabsteinen steht uns jenes Verfahren vor
Augen, welches darin besteht, die Linien der
Zeichnung in den Stein einzugraben, so dafs
das Bild also vertieft in der Fläche des Steines
liegt. Auf einer wesentlich höheren Stufe steht
jenes andere Verfahren, welches den ganzen
die geschickte Aus-
Grund austieft, so dafs also die Darstellung er-
haben über die Fläche des Steines hervortritt.
Der Unterschied, welcher zwischen beiden
Methoden obwaltet, erläutert sich am besten
durch den Hinweis auf ein einfaches Beispiel:
die Herstellung von Inschriften. Der ersteren
Methode entspricht jene Schrift, welche in die
Fläche des Steines hereingearbeitet wird, also
in ihm vertieft liegt. Es
ist dies das einfachste,
billigste und deshalb auch
zumeist angewendete Ver-
fahren. Die zweite Me-
thode ist schöner, aber
ungleich mühsamer: sie
besteht darin, nicht den
einzelnen Buchstaben, son-
dern die ihn umgebende
Fläche abzuarbeiten, so
dafs die Schrift also auf
dem vertieften Grund er-
haben hervortritt. Man
erkennt sofort die voll-
ständige Verschiedenartig-
keit dieser beiden Metho-
den: bei der einen ist
die Arbeit entgegengesetzt
der der anderen.
Bei den mittelalter-
lichen Messing - Grab-
platten, welche sich na-
mentlich im norddeut-
schen Tieflande noch in
gröfserer Zahl erhalten
haben, waltet der gleiche
Unterschied ob. Der ver-
storbene Archivrath Lisch
zu Schwerin, welchem das
Verdienst gebührt, die
reich verzierten Messing-
Grabplatten jener Gegend in weiteren Krei-
sen zu verdienter Werthschätzung gebracht zu
haben („Messingschnitt und Kupferstich des
Mittelalters", Deutsches Kunstblatt 1851, Jahr-
gang 3 S. 3C6; Jahrbücher für Mecklenbur-
gische Geschichte und Alterthumskunde, Jahr-
gang 12 S. 479 und Jahrgang 16 S. 303), nennt
deshalb die Platten, auf welchen die Darstel-
lungen nur in eingegrabenen Linien bestehen,
„nach Art des Kupferstiches" gearbeitet, wäh-
rend er für die Platten mit ausgetieftem Grunde
die Bezeichnung „Messingschnitt" gewählt hat.
1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 5.
178
indefs schon lange entfremdet gewesen sein,
denn viele Jahre hindurch hat sie als Trottoir-
platte gedient. Dem Umstand, dafs sie hierzu
geeignet erschien — sie besteht aus Granit —
ist ihre Erhaltung zu danken. Die Bildseite
war nach unten gewendet und somit glücklicher-
weise keiner Beschädigung ausgesetzt. Bei einer
Umlegung des Pflasters kam sie zum Vorschein
und wurde in das städti-
sche Museum überführt.
An ihrem jetzigen Auf-
stellungsorte ist die Platte
mit dem unteren Ende
in den Fufsboden einge-
lassen; die sichtbar ver-
bleibende Höhe von 1,54 m
entspricht somit nicht der
ganzen Länge des Steines;
seine Breite beträgt 0,65 m.
Unsere Abbildung ist
nach einem Papierabdruck
hergestellt, den Herr Bau-
meister Savels von Münster
an Ort und Stelle genom-
men und bereitwillig zur
Verfügung gestellt hat: sie
zeigt das Bildwerk in einer
Genauigkeit, welche eine
besondere Beschreibung
als unnöthig erscheinen
läfst. Die Zeichnung, an
welcher nur die gezwun-
gene Stellung des linken
Fufses etwas stört, ist edel,
die ganze Darstellung vor-
nehm; die geschickte Be-
nutzung der Krone des
Baumes, an dessen Stamm
der Heilige gefesselt ist,
zeugt von dem feinen Ge-
fühl des Künstlers für
nutzung der Flächen.
Mit einigen weiteren Worten mufs dagegen
auf die Technik eingegangen werden, in welcher
das Bildwerk zur Ausführung gebracht ist.
In zahlreichen Beispielen, namentlich an
Grabsteinen steht uns jenes Verfahren vor
Augen, welches darin besteht, die Linien der
Zeichnung in den Stein einzugraben, so dafs
das Bild also vertieft in der Fläche des Steines
liegt. Auf einer wesentlich höheren Stufe steht
jenes andere Verfahren, welches den ganzen
die geschickte Aus-
Grund austieft, so dafs also die Darstellung er-
haben über die Fläche des Steines hervortritt.
Der Unterschied, welcher zwischen beiden
Methoden obwaltet, erläutert sich am besten
durch den Hinweis auf ein einfaches Beispiel:
die Herstellung von Inschriften. Der ersteren
Methode entspricht jene Schrift, welche in die
Fläche des Steines hereingearbeitet wird, also
in ihm vertieft liegt. Es
ist dies das einfachste,
billigste und deshalb auch
zumeist angewendete Ver-
fahren. Die zweite Me-
thode ist schöner, aber
ungleich mühsamer: sie
besteht darin, nicht den
einzelnen Buchstaben, son-
dern die ihn umgebende
Fläche abzuarbeiten, so
dafs die Schrift also auf
dem vertieften Grund er-
haben hervortritt. Man
erkennt sofort die voll-
ständige Verschiedenartig-
keit dieser beiden Metho-
den: bei der einen ist
die Arbeit entgegengesetzt
der der anderen.
Bei den mittelalter-
lichen Messing - Grab-
platten, welche sich na-
mentlich im norddeut-
schen Tieflande noch in
gröfserer Zahl erhalten
haben, waltet der gleiche
Unterschied ob. Der ver-
storbene Archivrath Lisch
zu Schwerin, welchem das
Verdienst gebührt, die
reich verzierten Messing-
Grabplatten jener Gegend in weiteren Krei-
sen zu verdienter Werthschätzung gebracht zu
haben („Messingschnitt und Kupferstich des
Mittelalters", Deutsches Kunstblatt 1851, Jahr-
gang 3 S. 3C6; Jahrbücher für Mecklenbur-
gische Geschichte und Alterthumskunde, Jahr-
gang 12 S. 479 und Jahrgang 16 S. 303), nennt
deshalb die Platten, auf welchen die Darstel-
lungen nur in eingegrabenen Linien bestehen,
„nach Art des Kupferstiches" gearbeitet, wäh-
rend er für die Platten mit ausgetieftem Grunde
die Bezeichnung „Messingschnitt" gewählt hat.


