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Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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Adam, Paul: Der Einband liturgischer Bücher
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https://doi.org/10.11588/diglit.3545#0117

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195

1888. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

ISO

zierlicher gemacht und nur einfache Bünde an-
gewendet. Die Zahl der Bünde wurde nach
und nach geringer, und nachdem in diesem
Jahrhundert der eingesägte Bund allgemeiner
geworden war, dauerte auch das Heften, das
vorher Hauptsache war, dem Buchbinder schon
viel zu lange, er erfand das sogen. Auf- und
Abheften, d. h. er heftete mit einem Faden ab-
wechselnd zwei Bogen, so dafs also jeder Bogen
zwischen je zwei Bünden da ohne Zwirn blieb,
wo der andere geheftet war, und umgekehrt.

Prüfen wir, welche Heftung für unsere heu-
tigen Bedürfnisse genügend oder erforderlich ist.

Es würde unsere ganze heutige Bindeweise
ungemein vertheuert werden, wollten wir in der
ältesten Weise mit umstochenen Bünden arbeiten,
zumal eigentlich kein Grund vorliegt, den
neueren, eingesägten Bund zu verwerfen, vor-
ausgesetzt, dafs die Heftung auch sonst eine
zuverlässige ist. Vor allen Dingen mufs eine
genügende Anzahl von Bünden vorhanden sein,
die sich für die in Frage stehenden Bücher etwa
auf sechs zu beziffern hätten. — Die zu den
Bünden verwendeten Schnüre bedürfen keiner
besonderen Stärke, dagegen mufs der Stoff
selbst ein vorzüglicher sein. Dreidrähtige, hand-
gearbeitete Hanfkordel ist durchaus geeignet,
Maschinenkordel durchaus verwerflich. Einge-
sägt dürfen die Bünde aber keinesfalls tiefer
werden, als die Dicke der Bünde erfordert;
jedes Mehr nimmt später einen Leimüberschufs
auf, der spröde wird und das Buch im Rücken
brechen läfst. — Die dritte Hauptsache ist, dafs
die einzelnen Bogen durchaus geheftet werden,
d. h. dafs der Zwirn durch jeden Bogen in der
ganzen Länge eingeheftet ist, und dafs jeder
Bogen für sich an sämmtliche Bünde angeheftet
ist. — So gearbeitet und dabei gut nieder-
gehalten, d. h. Bogen auf Bogen jedesmal gut
niedergestrichen, wird schon der rohgeheftete
Buchkörper für die spätere Dauer zeugen.

Der französiche Fachmann nennt dieses feste
Arbeiten des Buchblockes, — des „corps d'ou-
vrage" sehr bezeichnend „bien compris". — Um
den Grundsatz dieses festen Zusammenfassens
fortwährend festzuhalten ist es nothwendig, dafs
der bearbeitete Band so oft und jedesmal so
lange als möglich eingeprefst wird, am besten
jedesmal über Nacht.

Das geheftete Buch wird bekanntlich auf
dem Rücken mit Leim überstrichen, um eine
weitere Verbindung herzustellen, und da meint

denn so mancher „Meister", hier könnte man
gar nicht genug thun; und das ist grundfalsch.
Beim Leimen soll nur wenig zwischen die
einzelnen Lagen kommen, um deren Aneinander-
kleben zu bewirken; was sonst noch aufsen auf
dem Rücken sitzt, macht denselben spröde und
brüchig und gibt demnach sehr zweifelhaften
Halt. Dagegen soll der Rücken mit einem
zwar geschmeidigen, doch sehr zähen Stoffe
überklebt werden. Dünnes Leder oder ein
klarer Webstoff sind die geeignetsten Mittel.
Oben und unten am Rücken gibt das sogen.
Kapital dem Buche nach dem Beschneiden zweck -
mäfsigen Abschlufs; es sollte dies aber an's Buch
selbst mit der Hand angewebt werden, während
im Allgemeinen heute lediglich ein Stückchen
gewebtes „Kapitalband" eine sehr fragwürdige
Verstärkung bildet.

Dagegen sind unsere zeitgemäfsen Pappdeckel,
sofern nicht geringste Sorten verwendet werden,
ein völlig genügender Ersatz der alten Holz-
deckel, übertreffen diese an Biegsamkeit und
leisten der Feuchtigkeit mehr Widerstand. Doch
sollen diese Deckel vor dem Ansetzen an's
Buch beiderseitig mit Schreibpapier überzogen,
gut geprefst und ausgetrocknet sein, bevor deren
Befestigung am Buche erfolgt. Durchziehen der
Bünde durch den Deckel, wie in früherer Zeit,
ist jeder anderen Arbeitsweise vorzuziehen. Das
„aus der Decke fallen", die berechtigte Eigen-
thümlichkeit des Fabriksbandes, ist dann völlig
ausgeschlossen. Weniger gut ist das Aufkleben
der Bünde auf die Aufsenseiten der Deckel,
verwerflich das Ankleben an der Innenseite.
Für Bücher, deren Gebrauch ein beschränkter
ist, reicht dies letztere wohl hin, aber nicht für
solche, die auf lange Zeit hinaus grofse Dauer
gewährleisten müssen.

Wie soll der Schnitt des Buches behandelt
werden? Diese Frage könnte eine sehr vielfache
Beantwortung erfahren, wenn wir es nicht mit
einer ganz bestimmten Gattung von Ueberzug
und Verzierung zu thun hätten, und hierzu pafst
am besten die ältere Art der Schnittverzierung:
gefärbter einfarbiger Schnitt und Kleisterschnitt.
Den ersteren kennt jeder Buchbinder, doch
warne man vor dem Danaer-Geschenk der
Anilinfarben, die „gar so bequem" sind; dafs
sie aber, besonders nach einiger Zeit, entsetz-
lich gemein aussehen, will Niemand Wort haben.
Auch der beliebte reine Karmin ist für solche
Bände nicht fein; zweckmäfsig ist, denselben
 
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