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Zeitschrift für christliche Kunst — 1.1888

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219

1888.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. ß.

220

Die achte Wander-Versammlung des

Verbandes Deutscher Architekten-

und Ingenieur-Vereine,

welche vom 12. bis 16. August d. J. in Köln
tagte, hat einen sehr glänzenden Verlauf ge-
nommen, wie die langen und umfassenden Vor-
bereitungen ihn erwarten liefsen. Zu diesen
zählt vor Allem die Abfassung und Zusammen-
stellung der Festschrift, die trotz aller ihr
erwachsenen Schwierigkeiten in tadelloser Aus-
stattung am Eröffnungstage vorlag unter dem
Titel: „Köln und seine Bauten". Sie ist
ein wahrhaft monumentales Werk von 806 Seiten
Text und 700 Illustrationen, die meistens zinko-
graphiseh in den Text gedruckt sind, zum Theil
in ganzen Tafeln bestehen. Sie bietet einen
Ueberblick über die Kölner Bauthätigkeit im
weitesten Sinne des AVortes, wie keine Stadt so
vollständig und systematisch ihn aufzuweisen hat,
denn er umfafst die älteste Periode, das Mittel-
alter, die neuere und die neueste Zeit. Die drei
ersten Perioden werden im I. Theil unter
„Baugeschichtliche Entwicklung" behan-
delt, die von Baumeister Wiethase bearbeitet
ist. In sechs Abschnitten wird auf 242 Seiten
von dem baukünstlerischen Schaffen in Köln ein
Bild entrollt, welches mit der römischen Periode
beginnt und mit 1880 schliefst. Mehr als 200 Ab-
bildungen, die fast alle für diesen Zweck eigens
geschaffen sind, erläutern diesen in sich so
wichtigen und für die Geschichte der Baukunst
so bedeutsamen Beitrag. Er sammelt nicht blofs
die auf diesem Gebiete bereits durch die mannig-
fachen früheren Forschungen gewonnenen Re-
sultate, sondern er bietet auch eine grofse An-
zahl neuer Beobachtungen und Gesichtspunkte,
wie sie von den langjährigen, selbstständigen und
gründlichen Untersuchungen und Studien des un-
ermüdlichen Verfassers und seiner Mitarbeiter
erwartet werden durften. Die Baugeschichte der
Stadt hat dadurch eine überaus schätzenswerthe
Ergänzung, die Geschichte zumal der früh- und
spätmittelalterlichen Architektur überhaupt eine
wichtige Bereicherung erfahren, auf die wir in
unserer Zeitschrift wohl des öfteren noch werden
zurückzukommen haben. Am meisten wird
noch eingehendere Prüfung die letzte Periode
vom Anfange dieses Jahrhunderts bedürfen, nicht
wegen ihrer inneren Bedeutung, sondern wegen
der vollständigen Vernachlässigung, die sie bis
dahin erfahren hatte. — Der II. Theil, der das

„Bauwesen der Gegenwart" in gründlicher
Weise vorführt, bringt sehr viel bis dahin gar
nicht gesammeltes oder nur zerstreut vorhan-
denes Material und liefert den Beweis für das
überaus frische Leben, welches die Stadterwei-
terung herbeigeführt hat und in steigender Be-
wegung unterhält. — Als ein vorzüglicher, aber
durchaus selbständiger und origineller Auszug
aus diesem verdienstvollen Werke erschien der
lichtvolle Vortrag, mit dem Stadtbaumeister
Stubben die erste allgemeine Versammlung er-
öffnete. —■ An ihn schlofs sich das farbenreiche
Bild an, das Baumeister W i e t h a s e in geschick-
ter Gruppirung und lebendiger Darstellung von
der „alten Bauthätigkeit der Rheinlande" entrollte.
— Ein höchst ansprechendes Gegenstück dazu
bot in der dritten allgemeinen Versammlung
der Oberbaurath Freiherr von Schmidt, der
in einer langen, brillanten und fesselnden Rede
über die Dome in Oesterreich-Ungarn sich aus-
sprach und zur Erläuterung der Einflüsse,
unter denen sie entstanden sind, eine solche
Menge der interessantesten Beobachtungen vor-
legte, dafs ein halbes Jahrtausend architektonischen
Strebens und baukünstlerischen Schaffens in
Ursache und Wirkung aus ihr hervorleuchtete.
So drückten diese drei bedeutsamen Reden,
die vor den anderen wichtigen Verhandlungen
und Vorträgen das Interesse unserer Leser in
Anspruch nehmen werden, der stark besuchten
und animirten Versammlung den Stempel der
idealen Bestrebungen auf, von denen die prak-
tischen Tendenzen in hohem Maafse sich be-
herrscht zeigten. a.

Die Pfarrkirche zu Thann

im Oberelsafs, eines der schönsten und inter-
essantesten Gotteshäuser Süddeutschlands, geht
einer durchgreifenden Restauration entgegen.
Der dazu von dem Metzer Dombaumeister Tor-
now entworfene Plan ist an mafsgebender Stelle
genehmigt, und hat der Landesausschufs die
erforderlichen Geldmittel bewilligt. Indem wir
hinsichtlich des Baudenkmals im übrigen auf
das treffliche Werk des Professors Dr. Kraus
„Kunst und Alterthum in Elsafs - Lothringen"
(Bd. 2 Abth. 3 S. 531-656) verweisen, sei
hier nur eben kurz Folgendes bemerkt. Die
dem hl. Theobald, Patron der Stadt Thann, ge-
widmete Kirche ward im Jahre 1275 gegründet,
 
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