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1893.
ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.
64
tafeln in klaren Abbildungen und in übersichtlicher
Zusammenstellung eine hellenische Kapelle, eine ganze
Anzahl von architektonischen Schmuckformen und von
Säulenstellungen bringt, mehrere hervorragende grie-
chische Tempel, eine ebenso mannigfaltige als umfas-
sende Auswahl von Details, kurz eine sehr belehrende
Fülle von ganzen Gebäuden wie von einzelnen Theilen
derselben. Die I. Abtheiluug soll G solcher Lieferungen
umfassen, aus weiteren 15 sollen die II. und III. Ab-
theilung sich zusammensetzen, die in rascher Folge zu
erwarten sind und als das einfachste Mittel empfohlen
zu werden verdienen, die antike Baukunst, sowie die
ihr nachgebildete der Renaissance im Ueberblick kennen
zu lernen. D.
Kirchliche Dekorationsmalerei im Stile des
Mittelalters von Wilh. Pastern. Leipzig 1S92,
Verlag von Jitstel & Göttel.
Die erste Lieferung des vorliegenden Werkes ent-
hält sechs Tafeln in Farbendruck und ein Blatt mit Er-
klärungen dazu. Diese Blätter werden die Kenntnifs
der alten Kunst nicht fördern, da der Verfertiger der-
selben die alten Formen nach seinem modernen Be-
lieben umgestaltet hat. Die Tafeln I und II bringen
Schlufsstein- und Zwickel-Ornamente, wie die Erklärung
sagt, in spät- und frühgothischer Form, was die Kennt-
nifs der letzteren in bedenklichem Licht erscheinen
läfst. Die kräftige Technik der Alten, energisch hin-
gestrichene Lokaltöne mit schwarzen Konturen, bald
dicker im Schatten, bald dunner im Licht, zu umziehen
und an einigen Schattenstellen, wo es besonders nolh
thut, ein paar schwarze Schraffirungen hinzusetzen, diese
für Fernwirkung ganz unerläfsliche Art, ist hier durch
einige zarte Tönchen mit weichen Abschattirungen im
modernen Geschmack der Albumblälter verweichlicht.
Es ist in der Erklärung zwar gesagt, dafs es bei
einfacherer Behandlung genüge, die Ornamente ohne
Abschattirung mit Schwarz zu konturiren, dafür aber
sind die Ornamente zu gefüllt gezeichnet und ohne
klare Silhouetten-Wirkung. —Tafel Vbringt drei Motive
für F'lächendekoration, von welchen die Erklärung sagt,
dafs sie für früh- und spätgothische Malereien geeignet
seien. Dieser Ausspruch kennzeichnet den Charakter
sämmllicher Tafeln.
Bei der grofsen Anzahl und unübertrefflichen Schön-
heit derartiger Muster des XIII. und XIV. Jahrh. wäre
es für den Künstler von heute keine schwierige Auf-
gabe, dieselben zu einer einheitlichen Gestaltung der
Dekorationsmalerei geschickt auszuwählen, wohl aber,
jenen etwas Gleichwerthiges an die Seite zu setzen. Das
immer mehr wachsende Interesse an der würdigen Aus-
stattung der Kirchen hat mehrere moderne Werke von
solch' eigener Erfindung gezeitigt. Wann aber werden
wir endlich den reichen Schatz der in unserm Vater-
lande verstreuten Reste guter aller Wandmalereien ge-
hoben und in würdiger Weise veröffentlicht sehen ?
Frankreich ist uns darin mit einem glänzenden
Beispiele voran gegangen durch die Herausgabe des
Werkes: «La Peinture decorative en France du XI jus-
qu'au XVI siecle« par Gelis Didot et H. LaffiUe, welches
eine überraschende Fülle der vielseitigen Gestaltungs-
kraft des Mittelalters vor Augen führt. Stummel.
Dante's göttliche Komödie in 125 Bildern aus
der alten Florentiner Ausgabe dellAncora, heraus-
gegeben von Bernhard Schuler. München 18!J3,
F^igenthum und Verlag des Herausgebers.
Ueber ein halbes Hundert illustrirter Dante-Ausgaben
sind in Italien erschienen. Eine der hervorragendsten
Stellen nimmt unter ihnen die in den Jahren 1817 bis
1819 vom Verlag dellAncora in Florenz besorgte ein,
welche von den Künstlern Luigi Adamelli und Francesco
Nanzi ausgeführt ist. Sie trägt allerdings in ihren
stellenweise etwas breiten und schwulstigen Figuren
die Spuren ihrer späteren Ursprungszeit, erinnert aber
doch so bestimmt an die altitalienischen Formen und
zeigt eine derartige Vertrautheit mit den Ideen des
Dichters und eine so ausgeprägte Charakterisirung,
dafs sie das Verständnifs desselben wesentlich erleich-
tert, als ein ebenso gefälliger wie instruktiver Kom-
mentar erscheint zu dem gewaltigen Gedichte, für
welches das Interesse der gebildeten Welt in entschie-
dener Zunahme begriffen ist. Es verdient daher alle
Anerkennung, dafs Schuler davon eine neue Auflage
veranstaltet hat in Form einer Pracht- und einer Volks-
Ausgabe. Die letztere kostet eingebunden mit Text
nur 15 Mark, ohne denselben nur 10 Mark, und dieser
beispiellos wohlfeile Preis dürfte manchen zur Anschaf-
fung derselben verlocken. K.
Bergens Museums Aarsberet ning. Dieser um-
fassende und reich illustrirle Jahresbericht enthält
sehr interessante, durch vortreffliche Abbildungen
erläuterte Miltheilungen „aus der mittelalter-
lichen Sammlung des Museums in Bergen"
von B. E. Bendixen.
Der Jahrgang 1889 beschreibt die farbig repro-
duzirte Prozessionsfahne aus Lavik, eine sehr merk-
würdige gemalte Kreuzfahne des XV. fahrh., sowie die
ebenfalls in Farbendruck abgebildeten Antemensalia
aus der Kirche von Aardal, zwei auf Holz gemalte
Antipendien (oder Allarretabel) des XIV. Jahrh., endlich
ein Ilanap, einen Maserdoppelbecher des XV. Jahrh.
— Im Jahrgang 1890 erschienen in Wort und Bild
ein romanischer Kirchenschrank aus Aardal und Reste
eines gleichfalls romanischen kupfernen Anlemensals.
■— Der Jahrgang 1891 behandelt 5 in Lichtdruck
wiedergegebene, bronzegegossene Giefsgefäfse (Aqua-
manilien) des XIV. Jahrh. und eine Anzahl messing-
beschlagener spätgothischer Trinkhörner. — Ueber alle
diese Gegenstände verbreitet sich der Verfasser in so
eingehender wie sachkundiger Weise, unter fleifsiger
Benutzung der deutschen Litteratur. Aufser der rein
archäologischen Bedeutung haben aber namentlich die
im Jahrgang 1889 beigefügten Farbendrucktafeln einen
sehr grofsen vorbildlichen Werth, indem sie für die
Anfertigung von einfachen frühgothischen Kirchen-
fahnen und Altarretabeln vortreffliche Muster bieten.
Die nordischen Museen enthalten überhaupt in ihren
reichen mittelalterlichen Abtheilungen so viele in ihren
stilistischen Eigentümlichkeiten unseren deutschen Er-
zeugnissen der früh- und spätgothischen Periode nahe
verwandte Gegenstände, dafs die Veröffentlichung der
letzteren uns sehr willkommen ist und zu ganz beson-
derem Dank verpflichtet. s.
1893.
ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 2.
64
tafeln in klaren Abbildungen und in übersichtlicher
Zusammenstellung eine hellenische Kapelle, eine ganze
Anzahl von architektonischen Schmuckformen und von
Säulenstellungen bringt, mehrere hervorragende grie-
chische Tempel, eine ebenso mannigfaltige als umfas-
sende Auswahl von Details, kurz eine sehr belehrende
Fülle von ganzen Gebäuden wie von einzelnen Theilen
derselben. Die I. Abtheiluug soll G solcher Lieferungen
umfassen, aus weiteren 15 sollen die II. und III. Ab-
theilung sich zusammensetzen, die in rascher Folge zu
erwarten sind und als das einfachste Mittel empfohlen
zu werden verdienen, die antike Baukunst, sowie die
ihr nachgebildete der Renaissance im Ueberblick kennen
zu lernen. D.
Kirchliche Dekorationsmalerei im Stile des
Mittelalters von Wilh. Pastern. Leipzig 1S92,
Verlag von Jitstel & Göttel.
Die erste Lieferung des vorliegenden Werkes ent-
hält sechs Tafeln in Farbendruck und ein Blatt mit Er-
klärungen dazu. Diese Blätter werden die Kenntnifs
der alten Kunst nicht fördern, da der Verfertiger der-
selben die alten Formen nach seinem modernen Be-
lieben umgestaltet hat. Die Tafeln I und II bringen
Schlufsstein- und Zwickel-Ornamente, wie die Erklärung
sagt, in spät- und frühgothischer Form, was die Kennt-
nifs der letzteren in bedenklichem Licht erscheinen
läfst. Die kräftige Technik der Alten, energisch hin-
gestrichene Lokaltöne mit schwarzen Konturen, bald
dicker im Schatten, bald dunner im Licht, zu umziehen
und an einigen Schattenstellen, wo es besonders nolh
thut, ein paar schwarze Schraffirungen hinzusetzen, diese
für Fernwirkung ganz unerläfsliche Art, ist hier durch
einige zarte Tönchen mit weichen Abschattirungen im
modernen Geschmack der Albumblälter verweichlicht.
Es ist in der Erklärung zwar gesagt, dafs es bei
einfacherer Behandlung genüge, die Ornamente ohne
Abschattirung mit Schwarz zu konturiren, dafür aber
sind die Ornamente zu gefüllt gezeichnet und ohne
klare Silhouetten-Wirkung. —Tafel Vbringt drei Motive
für F'lächendekoration, von welchen die Erklärung sagt,
dafs sie für früh- und spätgothische Malereien geeignet
seien. Dieser Ausspruch kennzeichnet den Charakter
sämmllicher Tafeln.
Bei der grofsen Anzahl und unübertrefflichen Schön-
heit derartiger Muster des XIII. und XIV. Jahrh. wäre
es für den Künstler von heute keine schwierige Auf-
gabe, dieselben zu einer einheitlichen Gestaltung der
Dekorationsmalerei geschickt auszuwählen, wohl aber,
jenen etwas Gleichwerthiges an die Seite zu setzen. Das
immer mehr wachsende Interesse an der würdigen Aus-
stattung der Kirchen hat mehrere moderne Werke von
solch' eigener Erfindung gezeitigt. Wann aber werden
wir endlich den reichen Schatz der in unserm Vater-
lande verstreuten Reste guter aller Wandmalereien ge-
hoben und in würdiger Weise veröffentlicht sehen ?
Frankreich ist uns darin mit einem glänzenden
Beispiele voran gegangen durch die Herausgabe des
Werkes: «La Peinture decorative en France du XI jus-
qu'au XVI siecle« par Gelis Didot et H. LaffiUe, welches
eine überraschende Fülle der vielseitigen Gestaltungs-
kraft des Mittelalters vor Augen führt. Stummel.
Dante's göttliche Komödie in 125 Bildern aus
der alten Florentiner Ausgabe dellAncora, heraus-
gegeben von Bernhard Schuler. München 18!J3,
F^igenthum und Verlag des Herausgebers.
Ueber ein halbes Hundert illustrirter Dante-Ausgaben
sind in Italien erschienen. Eine der hervorragendsten
Stellen nimmt unter ihnen die in den Jahren 1817 bis
1819 vom Verlag dellAncora in Florenz besorgte ein,
welche von den Künstlern Luigi Adamelli und Francesco
Nanzi ausgeführt ist. Sie trägt allerdings in ihren
stellenweise etwas breiten und schwulstigen Figuren
die Spuren ihrer späteren Ursprungszeit, erinnert aber
doch so bestimmt an die altitalienischen Formen und
zeigt eine derartige Vertrautheit mit den Ideen des
Dichters und eine so ausgeprägte Charakterisirung,
dafs sie das Verständnifs desselben wesentlich erleich-
tert, als ein ebenso gefälliger wie instruktiver Kom-
mentar erscheint zu dem gewaltigen Gedichte, für
welches das Interesse der gebildeten Welt in entschie-
dener Zunahme begriffen ist. Es verdient daher alle
Anerkennung, dafs Schuler davon eine neue Auflage
veranstaltet hat in Form einer Pracht- und einer Volks-
Ausgabe. Die letztere kostet eingebunden mit Text
nur 15 Mark, ohne denselben nur 10 Mark, und dieser
beispiellos wohlfeile Preis dürfte manchen zur Anschaf-
fung derselben verlocken. K.
Bergens Museums Aarsberet ning. Dieser um-
fassende und reich illustrirle Jahresbericht enthält
sehr interessante, durch vortreffliche Abbildungen
erläuterte Miltheilungen „aus der mittelalter-
lichen Sammlung des Museums in Bergen"
von B. E. Bendixen.
Der Jahrgang 1889 beschreibt die farbig repro-
duzirte Prozessionsfahne aus Lavik, eine sehr merk-
würdige gemalte Kreuzfahne des XV. fahrh., sowie die
ebenfalls in Farbendruck abgebildeten Antemensalia
aus der Kirche von Aardal, zwei auf Holz gemalte
Antipendien (oder Allarretabel) des XIV. Jahrh., endlich
ein Ilanap, einen Maserdoppelbecher des XV. Jahrh.
— Im Jahrgang 1890 erschienen in Wort und Bild
ein romanischer Kirchenschrank aus Aardal und Reste
eines gleichfalls romanischen kupfernen Anlemensals.
■— Der Jahrgang 1891 behandelt 5 in Lichtdruck
wiedergegebene, bronzegegossene Giefsgefäfse (Aqua-
manilien) des XIV. Jahrh. und eine Anzahl messing-
beschlagener spätgothischer Trinkhörner. — Ueber alle
diese Gegenstände verbreitet sich der Verfasser in so
eingehender wie sachkundiger Weise, unter fleifsiger
Benutzung der deutschen Litteratur. Aufser der rein
archäologischen Bedeutung haben aber namentlich die
im Jahrgang 1889 beigefügten Farbendrucktafeln einen
sehr grofsen vorbildlichen Werth, indem sie für die
Anfertigung von einfachen frühgothischen Kirchen-
fahnen und Altarretabeln vortreffliche Muster bieten.
Die nordischen Museen enthalten überhaupt in ihren
reichen mittelalterlichen Abtheilungen so viele in ihren
stilistischen Eigentümlichkeiten unseren deutschen Er-
zeugnissen der früh- und spätgothischen Periode nahe
verwandte Gegenstände, dafs die Veröffentlichung der
letzteren uns sehr willkommen ist und zu ganz beson-
derem Dank verpflichtet. s.


