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Zeitschrift für christliche Kunst — 6.1893

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Heft 7
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Tafel VII
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https://doi.org/10.11588/diglit.4305#0130

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223

1893.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 7.

224

einiger Privatsammler zu danken ist, unter welchen
der Graf Valencia de Don Juan die erste Stelle be-
hauptete durch seine vom feinsten Geschmack be-
herrschte, höchst vornehme Kollektion. Eine lange
und eigenartige Serie stellten auch die Majoliken dar,
um so anziehender, weil fast nur spanischen Ursprungs.
Aeufserst zahlreich waren die Manuscripte und Minia-
turen, ein glänzender Ueberblick über deren Entwicke-
lungsgang aus der frühromanischen Epoche bis tief
in die Renaissance, und was aus den Bibliotheken des
Landes an Inkunabeln und sonstigen seltenen Drucken,
namentlich liturgischen, zusammengebracht war, hätte
wohl noch viel länger vereinigt bleiben müssen, um
hinreichend ausgebeutet werden zu können. Endlich
Waffen und Rüstungen, maurische, spanische, deutsche,
in erstaunlicher Fülle und Kostbarkeit, eine ganze
Armeria. — Zu den im Vorstehenden nur angedeuteten
Schätzen erschien während der Ausstellung in Form
von den Inhalt der einzelnen Säle beschreibenden Heften,
der Katalog, eine mühsame, vor Allem der Wissen-
schaft und Betriebsamkeit des gelehrten Jesuitenpaters
Fita zu verdankende Arbeit, der natürlich, wie jedem
umfänglichen Ausstellungs-Katalog, die Mängel der
schnellen Entstehung ankleben. Seinen eigentlichen
Werth erhält er erst durch die Lichtdruck-Abbildungen
der bedeutsamsten Ausstellungs-Gegenstände, welche
unter dem Titel: „Las Joyas de la Exposicion
Ilistori co-Europea de Madrid 1892" im Ver-
lage von Sucesor de Laurent zu Madrid, Carrera
San Jerönimo 29, erschienen sind. Von diesem un-
gemein verdienstlichen Werke liegen bereits 12 Hefte
vor, deren jedes 12 gute Lichtdrucktafeln
enthält mit einer kurzen Beschreibung des betr.
Gegenstandes. Weitere 8 Hefte sollen dasselbe in
kurzer Frist zum Abschlufs bringen, so dafs das Ganze
240 Tafeln umfassen wird, deren Gesammtpreis von
100 pesetas, als ein äufserst mäfsiger bezeichnet werden
mufs. Mit grofser Sachkenntnifs und feinem Takt sind
aus den verschiedensten Gebieten die hervorragendsten
Objekte ausgewählt und in hinreichender Gröfse ab-
gebildet, so dafs hier ein so mannigfaches und merk-
würdiges Belehrungsmaterial zusammengetragen ist, wie
kein derartiges Sammelwerk es aufweist. Hier ist kaum
irgend etwas Gewöhnliches, Herkömmliches, Bekanntes,
hier überrascht Alles durch seine Eigenart und Vor-
nehmheit, so dafs das archäologisch geschulte Auge
die höchste Befriedigung empfindet, der auf das prak-
tisch Verwendbare gerichtete Blick viele neue Gesichts-
punkte gewinnt und die reichste Anregung erfährt.
Kein kunstgewerbliches Museum kann das Werk ent-
behren und Archäologen wie Künstler weiden es mit
hohem Interesse prüfen und benutzen. Schnütgcn.

Geschichte der bildenden Kunst in Böhmen

vom Tode Wenzels III. bis zu den Husiten-

kriegen. Von Dr. Joseph Neuwirth. I. Band.

Allgemeine Verhältnisse. Baubetrieb u. Baudenkmale.

Mit 34 Textabbildungen und 57 Lichtdrucktafeln in

einer Mappe. Prag lt-93, Verlag von J. G. Calve.

Das vorliegende Werk bildet die Fortsetzung der

von dem Verfasser vor 6 Jahren veröffentlichten (in

dieser Zeitschrift I, Sp. 117 besprochenen) Studie über

die „Geschichte der christlichen Kunst in Böhmen bis

zum Aussterben der Pfemysliden", und verschiedene
Vorarbeiten, die dazu in den letzten Jahren erschienen
sind, beweisen, wie ernst er seine umfassende und
schwierige Aufgabe genommen hat. Um die Glanzzeit
der mittelalterlichen Kunst Böhmens handelt es sich,
um ein so erfolgreiches wie reges Kunstschaffen, und
dafs dieses hier aus der ganzen Richtung und Be-
deutung der Zeit und der Ideen, die sie beherrschten,
der Verhältnisse, die sie beeinflufsten, erforscht und dar-
gestellt wird, verleiht dem Werke einen ganz, beson-
dern, weil auch die Kunstthätigkeit in andern Ländern
beleuchtenden Werth. Was urkundliches Material, was
Darstellungen irgendwelcher Art hier an erklärenden
Beiträgen boten, hat der Verfasser in weitestem Umfange
herangezogen und durch geschickte Zusammenstellung
zu einem überaus lehrreichen Bilde vereinigt, wie es
auch den kunstgeschichtlichen Epochen anderer Länder
zu wünschen ist. — Der I. Band behandelt aufser den
allgemeinen Verhältnissen und den die Bauführung be-
treffenden Thatsachen nur die kunstgeschichtlich wich-
tigeren Baudenkmale, während der II. Band sich
mit den übrigen Kunstzweigen beschäftigen und be-
sonders auch den Einflufs der böhmischen Kunstan-
schauungen auf das auswärtige Kunstschaffen darlegen
soll. — Die politischen und sozialen Verhältnisse, das
Leben der Welt- und Ordensgeistlichkeit, der Künstler
und Kunsthandwerker, das Bauamt und die Bauhütte,
das Material und die Geräthe werden auf's Eingehendste
geprüft und dann die Baudenkmale sorgfältig untersucht
und beschrieben. Von ihnen bringen die auf guten Zeich-
nungen beruhenden Text-Illustrationen, vornehmlich die
Grundrisse, die recht scharfen Lichtdrucke die Innen-und
Aufsenansichten. Diese reiche Ausstattung ist besonders
der „Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft,
Kunst und Litteratur in Böhmen" zu danken, deren
Unterstützung dem Verfasser gewifs auch für die Voll-
endung des Werkes nicht fehlen wird, zumal diese nicht
nur an seine bewährte Arbeitskraft, sondern auch an
seine litterarischen Hülfsmittel, wie an die Reproduk-
tionen grofse Ansprüche stellen wird. u

„Die heilige Familie bei der Arbeit" stellt
ein Farbendruck dar, der von der Beuroner Maler-
schule entworfen, von Kühlen in Gladbach technisch aus-
geführt, in den Verlag von Kitz in Ravensburg über-
gegangen ist. Die 24 cm breite, 38 an hohe Farben-
flache zeigt den die Arme ausbreitenden Jesusknaben
in rother Tunika zwischen der sitzend von der Arbeit
ausruhenden Gottesmutter und dem an seiner Bank
stehenden Nährvaler. Oben sehwebt über den Gesetzes-
tafeln, von Engeln flankirt, der hl. Geist. Die Eigenart
der Beuroner Schule kommt überall zur Geltung: in
der ägyptisirenden Dekoration, den etwas steifen Fi-
guren, der lebhaften Färbung, aber auch in der stillen
Beschaulichkeit, der frommen Haltung, dem himmlischen
Ausdruck. Aus der klösterlichen Betrachtung und
dem Frieden der Zelle herausgewachsen ist das Bild
sehr geeignet, fromme Gefühle zu wecken, namentlich
Verehrung gegen die hl. Familie und das Bestreben,
ihr nachzufolgen. Es empfiehlt sich daher sehr als
Votivbild für den vom hl. Vater eingerichteten und so
angelegentlich betonten „Verein der christl. Familien
zu Ehren der hl. Familie". j-j.
 
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