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Zeitschrift für christliche Kunst — 6.1893

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Heft 11
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Tafel IX
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Bücherschau
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https://doi.org/10.11588/diglit.4305#0196

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3öl

1893 — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 11.

35'2

Im Anschlüsse an seine (in dieser Zeitschr. IV, 325
besprochene) Arbeit „Leber die Entstehung und Be-
deutung der Blockbticher" bietet der Verfasser hier die
absolut genaue, auf photoülhographischem Verfahren
beruhende Wiedergabe eines ganzen, hochbedeutsamen
Blockbuches, des LiberRegum, von dem nur noch drei
vollständige, zwei unvollständige Exemplare existiren.
In der den XX Blättern, aus denen dasselbe besteht,
vorhergehenden „historisch-kritischen, kunstgeschicht-
lichen und bibliographischen Erläuterung" wird der
Liber Regum in Bezug auf Inhalt und Darstellungen,
auf künstlerische Bedeutung, Alter und Herkunft gründ-
lich geprüft, sodann eine Beschreibung der noch er-
haltenen Exemplare hinsichtlich ihrer Merkmale, nament-
lich der auch abbildlich gegebenen Wasserzeichen bei-
gefügt. Bei der äufsersten Wichtigkeit, aber auch
Seltenheit und Kostbarkeit der Blockbücher ist eine
abschliefsende wissenschaftliche Prüfung derselben erst
möglich, wenn sie durch gleichwertige Reproduktionen
allgemein zugänglich geworden sind. Das Verdienst,
die vorliegende besorgt zu haben, dürfen Verfasser und
Verleger gleichmäfsig in Anspruch nehmen. D.

Lombardische Denkmäler des XIV. Jahrh. Gio-
vanni dt Balduccio da Pisa und die Campionesen.
Ein Beitrag zur Geschichte der oberitalienischen
Plastik von Alfred Gotthold Meyer. Mit 19 Text-
Illustrationen und 13 Vollbildern in Lichtdruck. Stutt-
gart 1893. Verlag von Ebner & Seubert.
In vornehmster Ausstattung präsentirt sich hier ein
Werk, welches Licht hineinzubringen beabsichtigt in
die trotz ihrer Bedeutung und Fruchtbarkeit bisher
noch so wenig untersuchten oberitalienischen Bildhauer-
schuleu des XIV. Jahrh., zunächst die der Lombardei.
Obwohl in ihrer Thätigkeit beeinflufst durch die an
Glanz sie weit überholenden toskanischen Meister haben
sie ihre Eigenart sich zu bewahren gewufst, die vor-
nehmlich bewirkt ist einerseits durch eine gewisse Aus-
schliefslichkeit gegenüber der Antike und zähes Fest-
halten an der Gothik, andererseits durch die viel mehr
korporative als individuelle Art des Schaffens. Den
Ausgangspunkt für dasselbe bildete die Stadt Campione
am Luganer See, während für dessen Resultate vor-
nehmlich die Städte Bergamo, Verona, Mailand und
Monza als Centralpunkte in Frage kommen. Bevor
der Verfasser an die Analyse der hier erhaltenen Denk-
mäler herantritt, unterwirft er die beiden hervor-
ragendsten Werke der Pisaner Schule, den berühmten
Sarkophag von Giovanni Balduccio (St. Petrus Martyr)
zu Mailand und den (St. Augustinus) zu Pavia, einer
sehr eingehenden Beschreibung und Charakterisirunn-
und weist in dem letztem schon die Mitwirkung der
Campionesen nach. Aus der Fülle dieser mehr hand-
werksmäfsig schaffenden Künstler gelingt es ihm,
mehrere Namen festzustellen und mit den beschriebenen
Denkmälern in sichere Verbindung zu bringen, ein
grofser, sehr verdienstvoller Erfolg, der den Verfasser
hoffentlich zu weiteren Forschungen auch in den
übrigen oberitalienischen Provinzen anregt, sowie auch
in Bezug auf die in diesem künstlerisch ehedem so
fruchtbaren Bereiche glänzend vertretenen anderen
Kunstzweige, namentlich Architektur. R.

Le touriste. Recueil publie par les membres de la
Gilde de St. Luc et de St. Joseph.
Diese seit 1888 im Verlage der Societe de St.
Augustin in Tournai erscheinende Vierteljahrsschrift bietet
eine grofse Anzahl guter Abbildungen, denen von Mit-
gliedern der St. Lukas- und St. Joseph-Gilde aufge-
nommene Zeichnungen zu Grunde liegen. Sie stellen
kirchliche und profane Bauwerke dar, figürliche und
ornamentale Gebilde in Stein und Holz, Wand-, Glas-,
Miniaturmalereien, Goldschmiede-, Bronze- und Eisen-
arbeiten, Stickereien u.s.w., zumeist alte Kunstwerke,
besonders des Mittelalters, aber auch mustergültige
neue Erzeugnisse. Sowohl für das archäologische
Studium, wie für praktische Belehrung und Verwen-
dung empfiehlt sich dieses vornehmlich dem reichen
Kunstgebiete Belgiens entnommene Material in hohem
Mafse zumal den Baumeistern, den Kunsthandwerkern
und den Geistlichen. S.

La legende du grand saint Nicolas.

Als »Album d'Enfants« fuhrt die belgische
Societe de St. August in (deren zumeist in gothischem
Stile so reich wie korrekt illustrirte Zeitschriften und
Bücher uns hier schon wiederholt begegnet sind) das
vorliegende allerliebste Büchlein ein, welches in einem
recht kindlich und naiv gehaltenen Gedichte die eigen-
artige Sage behandelt, welche dem Fälschen mit den
3 Kindern, dem gebräuchlichsten Attribute des heiligen
Bischofs Nikolaus, zu Grunde liegen soll. Das Gedicht
erscheint, mit Initialen und Vignetten glänzend aus-
gestattet, in französischer, russischer, deutscher und
flämischer Sprache, und die 12 chromolithographischen
Medaillons, die dasselbe illustriren, sind so leicht und ver-
ständlich in der Komposition, so flott und elegant in der
Zeichnung, so lebendig und harmonisch in der Färbung,
dafs sie das Auge erfreuen und den Sinn gefangen nehmen.
Das dazu sehr geschmackvoll kartonnirte, mit Goldschnitt
versehene Büchlein stellt sich daher als ein sehr ge-
lungener Versuch dar, der Kinderwelt, für welche die
Festgaben immer glanzvoller sich gestalten, auch auf
dem Gebiete der Buchillustration etwas zugleich Be-
lehrendes, Ergötzliches und Gefälliges zu bieten in vor-
nehmer Gewandung. s.

Der »Glücksrad-Kalender« für 1894 schliefst
sich seinen Vorgängern würdig an. Sein Titelbild, ein
in spätgothischer Manier gehaltener, recht sauberer
Farbendruck stellt „die heilige Familie im Hause zu
Nazareth" dar. Theils von dem f Prof. Klein selbst,
theils von seinen Nachahmern herrührende Abbildungen
illustriren die religiösen Aufsätze, während die mehr
profanen Erzählungen von ganz modernen Bildchen
begleitet sind. Wie in den Illustrationen, so wechseln
in den Abhandlungen belehrende und erbauende Unter-
weisungen recht geschickt miteinander ab.

Der in demselben „St. Norbertusverlag" erschienene
„Wand-Kalender für das Jahr 1894" zeigt in
der Mitte ein mehrfarbiges fein ausgeführtes Herz-Jesu-
Brustbild, zu dessen Seiten die'Kalender-Notizen, und
ringsum eine braune Rankenborte mit den eingestreuten
Zeichen des Thierkreises, so dafs das Ganze als gefälliger
und sinnreicher Wandschmuck sich darstellt. O.
 
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