Zeitschrift für christliche Kunst — 11.1898

Seite: 289-290
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Abhandlungen.

FlügeJgemälde von Nüttgens mit den

Donatorenbildnissen von Janssen und

Münzenberger.

Mit Lichtdruck (Tafel VII).

ebhaft war der Wunsch, den bei-
den geistesverwandten, um die
Stadt Frankfurt und ihren Dom

hochverdienten Freunden
Prälat Johannes Janssen
u. Stadtpfarrer ErnstFranz
Münzenberger, dort eine Gedächtnifstafel zu
weihen; und in der. Stiftung von Altarflügeln
mit den gemalten Bildnissen derselben hat er
endlich Befriedigung gefunden. Diese einfache,
im späteren Mittelalter sehr beliebte Art fromm-
sinniger Erinnerung schien wie der Bescheiden-
heit, so den künstlerischen Anschauungen der
beiden Freunde besonders zu entsprechen, und
der im linken Querschiff des Domes als deren
Stiftung längst aufgestellte, zu neuem Glänze
durch sie erstandene Altarschrein mochte sich
für die Aufnahme dieser Flügel vorzüglich em-
pfehlen. Die geschnitzte, in eine breitere Mittel-
nische gestellte, vornehme Gruppe zeigt die
Mutter Anna, der die ihr gegenübersitzende
Gottesmutter das göttliche Kind entgegenhält,
und die beiden schmäleren Seitennischen sind
durch die schlanken Standfiguren des hl.
Apostels Johannes und des hl. Markgrafen
Leopold (?) ausgefüllt. Reiches, mit den vier
Evangelistensymbolen geschmücktes Ranken-
werk bildet die aus Korbbogen sich entwickelnde
Bekrönung. Dieser wohl aus Tirol stammende
spätgothische Schrein, dem in der allernächsten
Zeit eine alte Abendmahlsgruppe als Pre-
della, ein Kamm als Abschlufs beigegeben
werden soll, hat zwei neue Flügelgemälde er-
halten, welche auf den Aufsenflächen in Gri-
saillemanier die hl. Familie darstellen, d. h. die
Werkstatt, in welcher auf der einen Seite der
hl. Joseph arbeitet, von zwei durch das Fenster
hineinschauenden Engeln beobachtet, während
auf der anderen Seite die Mutter Gottes das
neben ihr stehende Jesuskind unterrichtet. Auf
den Innenflächen sind in kräftigen Farben der
hl. Johannes Baptist und der hl. Franziskus von

Assisi als die Namenspatrone von Janssen und
Münzenberger abgebildet, die in Chorkleidung
zu ihren Füfsen knieen.

Als es sich um die Beschaffung dieser Flügel-
gemälde handelte, kam es vor allem auf die
richtige Wahl des Künstlers an, der dem schönen
Schnitzaltare und seiner stilistischen Beschaffen-
heit in den Formen sich anzuschliefsen, die
Donatoren aber im Sinne von Porträtfiguren

! zu behandeln hatte. Beiden Anforderungen
schien am ersten ein akademisch geschulter

! Maler genügen zu können, den seine Studien
und Neigungen zugleich mit den charakteristi-
schen Eigenschaften der besten spätgothischen
Figuren bekannt und vertraut gemacht hatten.
Auf den Maler Heinrich Nüttgens in Düssel-
dorf, dessen das Studium der altflandrischen
Meister verrathende Madonnendarstellungen auf
Ausstellungen der letzten Jahre mehrfach aus-
gezeichnet waren, sogar durch die Aufnahme
einer derselben in die Berliner Nationalgalerie,
wandten sich die Blicke der Besteller, die nach
beiden Richtungen hin befriedigende Leistung
verlangten. Nicht leicht mochte diese er-
scheinen, zumal der Künstler keine der beiden
Donatoren persönlich gekannt und von Münzen-
berger nur eine etwas unvollkommene Photo-
graphie überwiesen erhalten hatte. Es darf
ihm aber das Zeugnifs ausgestellt werden, dafs
er seine Aufgabe in jeder Hinsicht gut gelöst
hat, was sich sqhon aus den hier beigefügten
Lichtdrucktafeln ergibt.

Vor einem rothen bezw. grünen, durchaus
korrekt gezeichneten, weil den Originalen direkt
nachgebildeten Teppich mit Granatapfelmuste-
rung stehen auf buntem Fliesenboden die bei-
den Heiligen, deren von tellerförmigem Nimbus
umgebener Kopf allein über den gemusterten
Hintergrund in die lichtblaue Luft hinaufragt.
Der hl. Johannes, eine in Haltung und Ge-
sichtsausdruck ernste und edle, an Schongauer
erinnernde Gestalt, mit im Verhältnifs zum kleinen
Kopf wohl etwas zu starken Hals, trägt über
der Kameelhaut einen faltenreichen, violett ab-
getönten Mantel. Neben dem linken Arm wächst
hinter dem von der linken Hand getragenen
Lamme die Kreuzstange heraus, während die
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