Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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Abhandlungen.

Die St. Markuskapelle in Altenberg.

(Mit G Abbildungen.)
obald der junge Lenz in dem
anmutigen Dhünntale Feld
und Wald in neues Grün
kleidet, durchstreifen es bald
die Wanderer aus Stadt und
Land. Der Meisten Weg-
ziel ist Altenberg mit seiner
stolzen Abteikirche, dieser
Perle frühgotischer Baukunst,
deren Meister hervorgegangen ist aus der Kölner
Dombauhütte. Bildete sein Werk bis vor kurzem
die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes, so ist un-
weit des bergischen Domes nunmehr eine ältere
Schöpfung mittelalterlicher Kunst als solche in
erneuter Schönheit erstanden: Die St. Markus-
kapelle. Verwittert und dem Verfall nahe
stand sie da, verwahrlost und von schonungs-
losen Händen ihres Schmuckes beraubt, von
den meisten Besuchern Altenbergs unbeachtet.
Jetzt zeigt sie sich ihnen nach pietätvoller
Wiederherstellung als ein edles Baudenkmal
des Übergangstiles, das der Frommsinn der
Vorfahren geschaffen hat und an welches sich
manche geschichtliche Erinnerung knüpft.

Die Kapelle ist das älteste und einzige noch
erhaltene Bauwerk aus der ersten Zeit der ehe-
mals so berühmten Cisterzienserabtei Alten-
°" "ei dem gänzlichen Mangel an urkund-
ichen Nachrichten über die Entstehungszeit
dieses Gotteshauses sind wir für die Bestimmung
derselben- lediglich auf die Formen des Bau-
werkes und die Überlieferung angewiesen, wie
denn auch der Name St Markuskapelle bezw.
die dedicatio ad sanctum Marcum nur in der
letzteren begründet ist. Montanus-Zuccalma-
glio, der abgesehen von vielen andern Notwen-
digen eines wahren Geschichtsforschers auch
die Quellenangabe für seine Behauptungen gar
sehr vermissen läfst, berichtet, dafs die im
Jahre H33 zur Klostergründung nach Al-
tenberg entsandten Mönche aus Mori-
mond bereits eine Kapelle, eben unsere St.
Markuskapelle, im Dhünntale vorgefunden hät-
ten Allerdings lassen sich auf Grund der im
Laufe der nun beendeten Wiederherstellungs-

arbeiten gemachten Entdeckungen und Be-
obachtungen zwei Bauperioden mit Sicherheit
nachweisen. In der altern Zeit war das Kirch-
lein ein ganz schlichtes, niedriges und unge-
wölbtes Gebäude; seine jetzige Gestalt erhielt
es im ersten Drittel des XIII. Jahrh. durchweg
in den Formen des reinen Übergangstiles, von
seltener Frische und Feinheit der Durchführung.
Der Grundrifs der einschiffigen Kapelle, mit
einem Chorabschlufs aus drei Seiten des regu-
lären Sechseckes gebildet, hat beschränkte Ab-
messungen: äufsere Länge 10,82 m, Breite
7,49 m; innere Länge 8,90 m, Breite 5,59»/,
die Höhe bis zum Gewölbescheitel beträgt
6,65 m (Abb. 1 u. 2). Das Äufsere ist schmuck-
los gehalten; die Umfassungsmauern aus weifs
gefugtem Bruchstein werk sind entsprechend
der inneren Teilung, nur durch schwache Tuff-
steinlisenen gegliedert, welche, oben durch eine
horizontale, aus demselben Material herge-
stellte Auskragung friesartig miteinander ver-
bunden, auf einer Sockelschräge sich erheben.
Unterhalb des mit einem Glockentürmchen be-
krönten Daches bildet ein kräftiges Werkstein-
gesims den Abschlufs der Aufsenmauern.

Die sehr schlanken Fenster des Chorab-
schlusses haben eine stumpf spitzbogige Über-
wölbung, als Umrahmung der Leibungen runde
Wulste, welche an den Kämpfern wie auch
im Scheitel durch Ringe unterbrochen wer-
den, und auf seitlich abgeplatteten Kugel-
flächen fufsen. Ein gleiches, aber ringloses
Profil umgibt das sechsteilige Rundfenster in
der Nordwand.

Der unmittelbar über den Fenstern rings
um das Gotteshaus sich hinziehende Fries
von 41 gedrückten Spitzbögen trat erst zu
Tage, als bei den Wiederherstellungsarbeiten
das Äufsere von einer alles überziehenden
dicken Putzschicht befreit wurde. Er gibt An-
halt für den ersten Zustand der Kapelle, denn
es dürfte wohl zweifellos sein, dafs die ursprüng-
lich flache Holzdecke des Innern in ungefährer
Höhe dieser Bogenarchitektur gelegen hat,
und letztere das Hauptgesims aufnahm. Der
Fortfall desselben und die Höherführung der
Aufsenmauern, wie sie jetzt vorhanden, geschah
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