Zeitschrift für christliche Kunst — 16.1903

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J903.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 7.

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wiederkehrendes stilisiertes Blatt- und Blumen-
motiv 1B) aufweisen, eine Verflachung der beider-
seits von der Arabeske eingeschlossenen alten
sarazenischen Blüte.

Die Farben des Teppichs sind wirkungsvoll
und lebhaft. Leider sind in die Mitte des
Teppichs einige grofse Löcher hineingerissen.
Die Entstehung dieser Art von Teppichen,
welche vielfach auf Bildern der holländischen
Schule sich vorfinden, ist in den Anfang des
XVII. bis in die Mitte des XVIII. Jahrh. zu
verlegen. Ihr häufiges Vorkommen auf den
holländischen Bildern und der frühere Reich-
tum von Konstantinopel und Kirchen Sieben-
bürgens und Ungarns an solchen Teppichen
läfst auf die Nähe von Konstantinopel als Fa-
brikationsort schliefsen.16)

6. Die mündliche Überlieferung, welche
jedoch sich auf keine schriftlichen Belege
stützen kann, läfst Johann Sobieski dem Dome
zu Frauenburg einen Zuweis aus der 1683 beim
Siege über die Türken vor Wien gewonnenen
Beute machen. Inwieweit die oben beschrie-
benen Teppiche etwa aus dieser Zuweisung
herrühren, mufs dahin gestellt bleiben. Wieviel
reicher jedoch in früherer Zeit der Dom an
solchen alten Stoffen war, lehrt ein dem bi-
schöflichen Archiv daselbst gehöriges, kürzlich
durch den bischöflichen Sekretär Dr. Liedtke
aufgefundenes, etwa ums Jahr 1700 aufgestelltes
Inventarienverzeichnis der Domkirche.17) Es
enthält unter der Überschrift: Aulaea seu Si-
paria aliaque auf Fol. 24 b folgende Aufzeich-
nungen :

Siparium Damascenum ex Carmesino rubro
Venetiano et flavo per alternas particulas di-
stinctum cum maiore fimbria Carmesini et se-
rici flavi, unaquaeque particula latitudinis unius,
longitudinis vero septem ulnarum p. m. Rmi
Nicolai Szyszkowski, Episcopi Varmiensis.18)

n) Vergl. bei Bode Abbildung 45 und 46 die
Borte.

'«) Bode S. 85.

") Bischöfl. Archiv zu Frauenburg B. 69. Die
Kenntnis dieses interessanten Inventarienverzeichnisses
verdanke ich meinem Freunde Dr. Liedtke, der mich
auch sonst bei meiner Arbeit in jeder Weise unter-
stützt hat, wofür ihm auch an dieser Stelle mein herz-
licher Dank gesagt sei.

18) Regierte 1633—1643.

Siparia tria seu portierae ex panno violaceo,
in quibus acu picta ex Raso in medio et di-
verso panno insignia p. m. Rmi Nicolai Szysz-
kowski, Episcopi Varmiensis.

Aulaea Belgica recentiora.

Aulaea Belgica vetustiora (von späterer
Hand non valent) empta post decessum p. m.
Rmi Nicolai Epi Varmiensis f. 806.

Duo tapetia Persica nova legato p. m. A.
R. D. Alberti Rudnicki, Praepositi et Canonici
Varmiensis Custodiae, obiit d. 25. Januarii 1651
benemeritus de ecclesia.

Siparia duo seu Portierae panni rubri cum
floribus et armis Liszczyci seu Clibani19) p.m.
A. R. D. Martini Skarzewski Cantoris et Ca-
nonici Varmiensis.

Tegumentum ex Damasco rubro Venetiano.
[Am Rande: NB. ad hospitale tantum pars est et
hie aliqua pars ad ecclesiam cathedralem est.]
[Von späterer Hand: pro mensa Ssmar. Reli-
quiarum, pars [deest] tempore belli ablata.]

Cussini seu pulvini duo ex uno veluti vio-
lacei Axamith ex residuo veluto p. m. Rmi Ni-
colai Szyszkowski E. V.

Wenn die oben beschriebenen Teppiche
wegen ihres stark defekten Zustandes wohl
schwerlich mehr zum gottesdienstlichen Ge-
brauche verwendet werden können, so ver-
dienen sie nichts desto weniger doch ihrer
Vergessenheit entrissen und sorgfältig erhalten
zu werden: sie würden eine Zierde für das
vom „Verein für die Altertumskunde und Ge-
schichte Ermlands" neu gegründete Museum zu
Braunsberg sein.

Inzwischen hatte ich Gelegenheit, die präch-
tige Sammlung der orientalischen Teppiche
des South-Kensington-Museums zu besichtigen.
Unter den dort ausgestellten Teppichen fand
ich einen, welcher, soweit ich mich erinnern
kann, mit dem zweiten von mir beschriebenen
Teppich im Dessin wie in der Farbe aufser-
ordentliche Ähnlichkeit hat.

Braunsberg. Joseph Kolberg.

]9) Das Wappen der Leszczyc, welches von mehr
als 70 Familien geführt wird, zeigt in rotem Felde
ein goldenes fliegendes Dach von vier silbernen
Pfählen gestützt, einen Heuschober (brög). Vergl.
v. Zernicki-Szeliga »Der polnische Adel«, Bd 2,
S. 13.
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