Zeitschrift für christliche Kunst — 18.1905

Seite: 81-82
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1905. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

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die hier Abb. 1 erscheinende Königsfigur
entnommen ist) französischen Einfluß zeigt,
verraten die gleichzeitigen drei herrlichen
Legion är-Gestalten im Hochchor von
St. Gereon zu Köln (Abb. 2) bei antikisieren-
den Reminiszenzen große Selbständigkeit des
Entwurfs. — Der Kapitelssaal in Brauweiler
und das Querschiff in Essen liefern die Fort-
setzung mit ihren großen inhaltreichen Szenen
voll reicher Phantasie; und St. Peter in Bacha-
rach mit seinen Jugend- und farbenfrischen
Bildern bringt das XII. Jahrh. zum Abschluß.
— Das Münster in Bonn eröffnet das XIII.
Jahrh. mit seinem von Frankreich beeinflußten,
daher schon stark gotisierenden Christophorus
(Abb. 3), während um dieselbe Zeit Boppard
mit seinem großen, in Zeichnung und Färbung
musterhaften Dekor stilistisch zurückbleibt.
Daß in dieser Periode auch den Außenwänden
die Bemalung nicht vorenthalten wurde, be-
weisen die Kirchen von Carden und Sayn
(Abb. 4 u. 5). — Im Beginn des XIII. Jahrh.
tritt Köln von neuem in den Vordergrund
durch die zeichnerisch vollendeten Darstellungen
in St. Pantaleon (die ihren Vorläufer auf den
Emails des Maurinusschreines haben), wie im
Dekagon von St. Gereon, um sich hier ein
halbes Jahrhundert hindurch in ebenso um-
fassender wie eigenartiger Tätigkeit zu be-
haupten. — Inzwischen entfalten die Lieb-
frauenkirche zu Andernach, die Pfarrkirche zu

Linz, am meisten der innerlich wie äußerlich
mächtig gegliederte Dom zu Limburg in seiner
großartigen Wand- und Gewölbedekoration
(Abb. 6) eine imposante Pracht. — Der
schöpferische, wuchtige Meister, der die kirch-
liche Wandmalerei in Köln (vielleicht nicht
die profane, wie auf Tafel 52) während des
zweiten Viertels des XIII. Jahrh. beherrscht,
ist namentlich in der Taufkapelle von St. Ge-
reon, und in Maria-Lyskirchen vertreten, auch in
St. Severin, in der ehemaligen Matthiaskapelle
(Zeitschr. für christl. Kunst, II, 89—94), wie
in St. Kunibert; hier bezeichnet aber die
Kreuzigung der Taufkapelle (Abb. 7) einen
kleinen Rückgriff in die byzantinische Manier,
wie sie sich im Sächsischen schon etwas früher
geltend gemacht hatte.

Mit dieser Tafel 64 schließt das Werk, so
daß also die hochbedeutsamen (immerhin noch
etwas romanisierenden) Chorgemälde der Pfarr-
kirche zu Nideggen schon für den IL (bis zum
Ende des Mittelalters reichenden) Band reser-
viert bleiben, dessen Herausgabe bereits gesichert
ist durch denselben Stifter.

Ungewöhnlich groß dürfte der Interessenten-
kreis für dieses lange erwartete monumentale
Werk sein, das nicht seinesgleichen hat und
vielen Bestrebungen bzw. Bedürfnissen, theoreti-
schen wie praktischen, entgegenkommt. — Möge
dem Aufgebot an Arbeit und Opfern der Erfolg
nicht fehlen ! Schnütgen.

Ein Rückblick auf die „moderne Kunst"

in der internationalen Kunstausstellung zu Düsseldorf 1904.

IV.
n Betrachtung der heiligen Bücher
alten Testamentes erscheinen vor
uns als Repräsentanten vieler, die
Gestalten Mosis, des von Gott
bestimmten Führers und Erretters (II. B. Mos.
3, 2 u. w.), eines Melchisedech, des Priesters
Gottes, des Allerhöchsten (I. B. Mos. 14,
18), Davids, des frommen Königs, großen
Büßers und unsterblichen Sängers, und Elias,
des Propheten und Eiferers vor dem Herrn,
der auf Geheiß und in der Kraft Gottes einst
dahinschritt zum Berge Horeb (III. B. d. Kön.
19, 8), und vernehmen dann des weiteren die
Worte aus dem ,Buche der Weisheit' (16, 20):
„Du nährest Dein Volk mit Engelspeise und
gibst ihnen Brot vom Himmel." — „Wie hast

Du Deine Huld gemehrt, o r,0tt!" — hebt der
Psalmist an, „sind doch die Menschenkinder
voll der Zuversicht im Schatten Deiner Flügel
(im Hebr. „Deiner liebevollen Ratschlüsse").
Sie werden trunken von dem Überflusse Deines
Hauses, und mit dem Strome Deiner Wonne
tränkst Du sie." (Ps. 35, 8, 9.) „Die Armen
werden essen und sich sättigen und Preis dem
Herrn singen, die Ihn suchen; es werden
leben ihre Herzen ewiglich." (Ps. 21, 27.)

Gedenken wir nur der wenigen hierdurch
geweckten Erinnerungen, dann ist und bleibt
doch die erste Bedingung bei solchen Dar-
stellungen: Würde und Hoheit! und es wird
uns dann leicht sein, bei noch so großer
Anlehnung an die Natur, den Gegenstand
so zu durchgeistigen, daß sie — auch bei
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