Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

Nr. 8

mit Kreuz. Dieser Behälter, wie die Zusammensetzung der drei Reliquiare
mit dem Fuße gehören dem XVI. Jahrh. an.

Das Osnabrücker Gefäß ist ebenso originell wie kunsthistorisch bedeutsam
und gehört zu den kostbarsten und seltensten Dingen, die in deutschen
Kirchen überhaupt bewahrt werden. Stets wohl behütet, ist sein Erhaltungs-
zustand ein glänzender. Witte.

BLICHERSCHAU.

Kalender für 1922.

Rheinischer Heimatkalender. Heraus-
gegeben vom Rhein. Verein für Denkmal-
pflege u. Heimatschutz. Verlag L. Schwann,
Düsseldorf. Preis M. 18.—.
Hessen-Kunst 1922. Herausgegeben von
Chr. Rauch. Bildschmuck vonO.Ubbelohde.
Verlag G. Elwert, Marburg a. d. L.
Bergquell. Herders Wochenkalender.

Die Kalender seien hier gleich nach ihrem
Wert aufgenannt. Der rheinische Heimat-
kalender vereinigt praktische Brauchbarkeit
mit einwandfreier künstlerischer Ausstattung.
Wer ihn einige Jahre kauft, bekommt ein
prächtiges Bilderalbum heimatlicher Kunst in
seinen Besitz. Man sieht: Hier steht hinter
der Veröffentlichung eine vorbildliche Organi-
sation. „Kunst und Landschaft in Bildern"
könnte man diesen Kalender bezeichnen.
Wer irgendwie Freude an seiner rheinischen
Heimat hat, der kaufe sich diesen Kalender;
er wird jeden Tag mit Freuden das neue
Bild schauen, das der Kalender ihm vor-
führt. Der Preis ist für die heutige Zeit ein
fast lächerlich niedriger.

Der Hessen-Kalender, der hier schon meh-
rere Jahre rühmend genannt wurde, ist auch
in diesem Jahre vortrefflich. Nach wie vor
ist er wissenschaftlich - populär der beste,
brauchbar und praktisch ist er aber nicht.
Der rheinische Kalender zwingt im Gegen-

satz zu ihm dem Besitzer die Liebe zur
Heimat auf. Die Beiträge, vor allem der
über den Elisabethschrein in Marburg und
der fein ziselierte von O. Schmitt, sind vor-
trefflich und der letztere zugleich vorbildlich
für derartige Aufgaben. Kalender können
Kulturträger in eminentem Sinne werden!

Herders „Bergquell" ist mir unsympathisch;
er ist Reklamearbeit, da er an den Zufällig-
keiten der Reklame leidet. Wenn man Seite
um Seite die Bilder der im Verlage er-
schienenen Werke sieht, wird man verstimmt,
trotzdem der Text in liturgischer Hinsicht
so gut und anregend ist. Herder muß sich
dazu verstehen, im Kalender auf eindring-
liche Reklame zu verzichten; sein Kalender
ist wahllos und planlos im Bildmaterial, die
Bilder selbst sind auch nicht besonders gut,
daran kann nicht einmal die sehr belustigende
Wiedergabe des P. Matthäus Ricci, S. J., als
chinesische Gottheit etwas ändern. Es ist
etwas viel verlangt, solche Bilder die ganze
Woche hindurch vor Augen haben zu sollen.

Ich würde — das sei zum Schluß be-
merkt — den rheinischen Heimatkalender so
einrichten, daß die Bilder mit anständiger
Umrahmung — die gewählte ist druck-
technisch nicht gerade geschmackvoll —
ausgeschnitten und in Albums vereinigt wer-
den könnten. Ich bin sicher, dieser Ka-
lender wird sich sehr viele Freunde erwerben.

Witte.
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