Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
DIE CHRONOLOGIE DER GRABFUNDE DES FRÜHEN
MITTELALTERS AUS DER PYRENÄENHALBINSEL
VORBEMERKUNG
Bei der Besprechung der einzelnen Gattungen der Grabfunde ist bereits die zeitliche
Einreihung der wichtigsten Typen kurz festgestellt worden. Wenn im folgenden die chrono-
logischen Fragen im Zusammenhang erörtert werden, so sollen damit zugleich die oben
gegebenen Ansätze eine eingehendere Begründung erhalten.
Die Datierung der spanischen Funde ist bei der geringen Zahl planmäßig untersuchter
Grabfelder überaus schwierig. Notwendigerweise spielt Carpio de Tajo die Hauptrolle;
es muß hier nochmals hervorgehoben werden, daß in manchen Einzelheiten erst die künftige
amtliche Veröffentlichung ein endgültiges Urteil ermöglicht. Immerhin können einst-
weilen die wesentlichsten Folgerungen aus den Funden von Carpio de Tajo gezogen werden.
Neben Carpio de Tajo tritt nunmehr der neu untersuchte Teil des Grabfeldes von Herrera
de Pisuerga (Prov. Palencia), der die Schlüsse aus dem Material von Carpio de Tajo zu
bestätigen scheint. Von den Raubgrabungen zu Castiltierra (Prov. Segovia) dürfte kaum
Wesentliches für chronologische Fragen zu erwarten sein.
Keines der übrigen Grabfelder hat für die Westgotenforschung ähnliche Bedeutung;
vielmehr kann ihre Zeitstellung fast nur mit Hilfe der Ergebnisse von Carpio de Tajo be-
stimmt werden. Besondere Schwierigkeiten bereiten jene Fundtypen, welche in keinem
der größeren Grabfelder vertreten sind; in solchen Fällen können nur vorläufige Ergebnisse
erwartet werden.
Nach der Besprechung der westgotischen Friedhöfe und der wenigen germanischen
Funde des frühen fünften Jahrhunderts werden die spätrömischen Grabfelder behandelt;
insbesondere jene, welche noch in westgotischer Zeit benützt worden sind. Es bedarf
keiner besonderen Begründung, daß diese in der vorliegenden Arbeit oft erwähnten Grab-
felder gleichfalls zusammenfassend gewürdigt werden.
WESTGOTISCHE GRABFELDER UND EINZELFUNDE
DAS GRABFELD VON CARPIO DE TAJO
Carpio de Tajo liegt westlich von Toledo an dem Fluß, nach dem es benannt ist. Das
Grabfeld zählt etwa 300 Gräber, von denen ungefähr 100 Beigaben enthielten. Das In-
ventar macht einen verhältnismäßig einheitlichen Eindruck: am häufigsten sind Blech-
fibeln und deren jüngere Ableitungen, ‘gotische’ Gürtelschließen, längliche unverzierte
Gürtelplatten und ovale Schnallen mit glattem Dorn und mit Schilddorn vertreten. Uber
die Zahl der ohne planmäßige Untersuchung zerstörten Gräber liegen keine sicheren An-
gaben vor; doch dürften diese für die Gesamtbeurteilung nicht ins Gewicht fallen.
Die Siedlung hat, nach der Zahl der Gräber zu schließen, mehrere Jahrzehnte bestanden;
die Gräber mit Beigaben, welche wie stets die älteren sein dürften, gehören im wesentlichen

74
 
Annotationen