Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 4.1910/​11

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mit oben genannter Dachkonstruktion dürfte die
Kirche ca. 1258 erhalten haben. Zu gleicher Zeit
wurde der Westturm erhöht. Aber vorher existierte
eine vermutlich im Jahre 1225 eingeweihte ge-
wölbte Basilika mit einer ganz andern Pfeiler-
und Gewölbeverteilung. Diese ziemlich einfache
Kirche soll 1242 ein neues reicheres Hochchor
sowie das stattliche sog. Brautportal in der Mauer
des südlichen Querschiffes erhalten haben. Aber
eine noch einfachere Anlage ist, nach Ansicht
des Verfassers, wenigstens geplant gewesen, näm-
lich eine flachgedeckte Basilika (vom Jahre 1190?)
mit gewölbten Seitenschiffen. Beste könne man
finden z. B. in den Pfeilern des Mittelquadrates.
Also nicht minder als fünf sukzessive Bau-
schichten sollen vorliegen! Hierzukäme dann
noch die Erbauung der sogenannten Swert-
nigschen Kapelle während des Zeitraumes von
1349-1361.

— —, Gottländska portaler. Nordisk
Tidskrift, irgäng 1909, s. 17-39.

Der Verfasser, der sich bereits einige Jahre dem
Studium der gottländischen Kunst gewidmet hat,
teilt eine Probe seiner von ihm aufgestellten Norm
für die stilistische Einteilung der gottländischen
Porlaie mit, eines Systemes, das er als ein «arti-
fizielles» bezeichnet. Dieses «künstliche» System
nun betrachtet er als ein Mittel, mit dessen Hilfe
man zu einer «natürlichen» Systematisierung der
gesamten gottländischen Architektur gelangen
könne. «Nachdem ein solches umfassendes Por-
talsystem fertiggestellt ist», sagt er, «ist es ver-
hältnismäßig leicht, die anderen Teile der Tem-
pelbauten mit den Portalen zusammenzuhalten.»
Wenn sowohl das artifizielle wie das natürliche
System fertig ist, wäre es leicht, die dokumen-
tarischen Datierungen hervorzunehmen und ihnen
den ihnen zukommenden Platz anzuweisen. Ab-
gesehen von diesen Anschauungen hat ja eine
stilistische Gruppierung der an und für sich wert-
vollen gottländischen Portale immer ihren rein
methodischen Wert. Als Beispiel, wie der Verfasser
sich diese Systematisierung «von 15 rundbogigen
und mindestens 21 spitzbogigen Portalge-
schlechtern» denkt, führt er die Untersuchung
von zwei spitzbogigen Geschlechtern an. Das eine
(B. Mit ungeschnürter Dreiblattscheibe) repräsen-
tiert durch die Portale an den Kirchen von Sendre,
Sproge, Björke, Guldrupe und Boge, das andere

(D. Mit elastischer Vierblattscheibe) vertreten durch
die Portale an den Kirchen von Hute, Othemn,
Hangvar, Hall und Bunge.

— — Lunds Domkyrka byggd af ila-
lienare. Ord och Bild, irgäng 1910, s.411
tili 423.

Der Verfasser behandelt hier kurzgefaßt eine
auch von anderen Forschern zuvor aufgestellten
Hypothese, daß der Dom zu Lund zu nicht ge-
ringen Teilen von lombardischen Baumeistern und
Steinmetzen gebaut worden sein soll. Dr. Boos-
val weist hin auf die freilich undiskutierbare Über-
einstimmung zwischen skulptierten Ornamenten
und Figuren an einigen lombardischen Kirchen
einerseits, so z. B. an S. Ambrogio in Mailand
und S. Michel in Pavia oder an den davon be-
einflußten S. Zeno und dem Dome zu Verona
sowie an denen zu Modena, Piacenza u. a., und
anderseits auf entsprechende Ornamente (z. B.
das Flechtmuster), ornamentale Tiergestalten,
kolonnentragende Phantasietiere, Kapitellformen
u. a. in der Krypta und in dem östlichen Teile
der Hochkirche des Lunder Domes. Zu diesen
Meinungen über die Bedeutung der lombardischen
Baukunst und Dekoration für die ältere skan-
dinavische Kunst sagt J. Boosval, sei er durch
seine gotländischen Forschungen gekommen.
(Vergl. oben E. Wrangel.)

— — Johan III:s renässans. Anmälan
af «Aug. Hahr, Studier i Johann III: s re-
nässans. I. Arkitektfamiljen Pahr. Upp-
sala 1907», Arktos 1909, s. 92—94.

— — Fönstergrupperingen pä Vad-
stena slott. Arktos 1909, s. 188.

J. Tengbom, Wemdalens Kyrka. «Arki-
tektur» (Teknisk Tidskrifts fackafdelning
för arkitektur) Irgäng 1910, s. 50 — 53.

Die wohlredigierte Zeitschrift «Arkitektur»
widmet sich allerdings fast ausschließlich moder-
ner schwedischer Architektur, nimmt aber bis-
weilen auch Aufsätze architekturhistorischer Art
auf. Die Holzkirche von Wemdalen — erbaut von
dem «Beiler Mänberg in Hackäs» — ist in Härje-
dalen (Norrland) gelegen und stammt aus dem
Jahre 1763, der hölzerne Glockenturm dagegen
aus dem Jahre 1755. Die Kirche interessiert be-
sonders als ein lokaler schwedischer Versuch, die
norwegische Stabkirche mit den Formen des
schwedischen Barocks zu kombinieren. Die innere
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