Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 4.1910/​11

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Literatur.

Bautypus. (Vergl.: W.Weber in Sitzungsber. der
Heidelberger Akademie 1910, Ein Hermes-Tempel
des Kaisers Marcus, besonders S. 42.)

Die Tafeln geben im Anschluß an den nach
Niemann unterdessen zu berichtigenden Grund-
riß des Diokletianspalastes von R. Adam leider nur
unscharfe Zinkklischees nach eigenen Photo-
graphien. Das meiste davon sieht man jetzt
wesentlich besser bei Kowalczyk. Bei diesem
nicht vorhanden, dagegen hier vertreten ist die
ernste Front von S. Grisogono in Zara (VII), der
Campanile des Franziskanerklosters auf Lesina
und die venezianisch-gotische Fassade des Palazzo
Raimondi ebenda (XXIV). Auch die Tafeln XXVI
und XXVII können sich dank günstigerer Be-
leuchtung bei der Aufnahme neben den ent-
sprechenden bei Kowalczyk halten.

U. Monneret de Villard, L'Architettura
Romanica in Dalmazia. Milano (Alfieri-
Lacroix) 1910. 93 pagg. 8°.

Das mit guten Zinkos reich ausgestattete Büch-
lein enthält den Wiederabdruck von vier zuerst in
der «Rassegna d'Arte» desselben Jahres (fasc. 5—8)
erschienenen Aufsätzen, die auf Grund eingehender,
selbständiger Vergleichung der Kunstformen und
umfassender Kenntnis auch der slawischen Lokal-
literatur wirklich in den Stoff eindringt und
klärend fördert. Das Gesamtergebnis ist wiederum,
auch für die ganze romanische Epoche, eine starke
Abhängigkeit Dalmatiens von der Kunst Italiens,
die es stets vergröbert und etwa um ein Jahr-
hundert verspätet wiederholt. So steht hier das
ganze 9. Jahrhundert konstruktiv wie dekorativ noch
unter dem Einfluß der ravennatischen Schule:
besonders Zara, die Hauptstadt des damals byzan-
tinischen Landes (S. Donato z. B. eine Verschlech-
terung von S. Vitale in Ravenna), und Spalato
(der erste Erzbischof dort, Johannes, war Raven-
nale, f 680). Etwa 613 erobern die Avaren
Salona. Ihnen folgen als die neuen Landes-
herren die Kroaten. Was unter diesen entsteht
in Salona, Rizinice, Bihac etc., ist noch sehr viel
kümmerlicher, künstlerisch noch unselbständiger.
Auch im Ornament — vorwiegend flach gehaltenen
Schlingmotiven — findet sich nichts, was nicht
schon im 8. Jahrhundert in Oberitalien vorgebildet
gewesen wäre. Auf lombardischen Einfluß wird
auch die im Ursprung orientalisch-byzantinische,
in Dalmatien im 10. und 11. Jahrhundert beliebte

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Konstruktion, Kuppeln und Halbkuppeln auf Trom-
pen zu setzen (z. B. bei den kleinen Rundkirchen
von Nona), zurückgeführt. (Vergl. Strzygowski in
dieser Zeitschrift III, 1 ff. und Amida, S. 177 ff.)
Das Byzantinische daran, wie einmal der hohe
Tambour über der Vierung in der Mitte des
griechischen Kreuzgrundrisses, sei nicht geraden-
wegs von Konstantinopel, sondern erst durch Ver-
mittlung der Lombardei und von Apulien einge-
drungen. Im 12. —14. Jahrhundert wird neben
dem oberitalienischen (auch pisanischen, vielleicht
durch die Kreuzzugsgaleeren vermittelten) Einfluß
der Apuliens immer stärker (Kreuzformkirchen in
Rossano, Trani, Otranto). Die Lieblingsmotive
der romanischen Campaniii in Dalmatien (Bogen-
fenster) wie der Fassaden und Apsidengliederung
(Blendarkaden, Zwerggalerien, sägeförmig ge-
legter Plattenfries) kommen genau so vorher in
Italien vor. Während Simeon von Ragusa, der
Dalmatiner, das Portal von S. Andrea in Barletta
skulpiert, entstehen in Trau, Gurzola und Gattaro
Ziborienaltäre nach dem Muster dessen von
S. Niccolo in Bari. Diese engen Beziehungen
Dalmatiens zu Apulien scheinen ein neuer, hier zum
erstenmal bewußt aufgestellter und fruchtbarer
Gesichtspunkt, der auch historisch noch weiter ver-
folgt zu werden verdiente. (Vergl. jetzt auch
Schubring im Repert. f.Kunstwissensch. 1911,151.)

Freiburg i. Br., 24. Juni 1911.

-- H. Thiersch.

A. Erbe und Chr. Ranck, Das Ham-
burger Bürgerhaus. Hamburg, Boysen & Maasch,
1911. 2°. Preis 00 Mk.

Das Buch zerfällt in zwei Teile. Im ersten
behandelt Erbe die architektonische Entwicklung
des Äußeren, im zweiten Banck die Hausanlage,
die Konstruktion und den inneren Ausbau. Der
erste Teil verarbeitet die kunsthistorisch bekann-
ten Tatsachen; die Darstellung dringt nicht ge-
rade in die Tiefe und so ergeben sich, zumal
für den, der Melhops inbaltreiches Buch (1908)
gelesen hat, keine überraschenden Resultate; im
Gegenteil. Das Fachwerk z. B., das in Hamburg
technisch wie künstlerisch eine bedeutende Rolle
gespielt hat, findet eine recht schwache Behand-
lung; ein so hervorragend schönes Beispiel wie
das alte Pastorat von St. Petri, über dessen Stän-
der und Schwellen der ganze Erfindungsreichtum
der jungen Renaissance gebreitet ist, wird mit

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