Zeitschrift für Geschichte und Auslegung der alten Kunst — 1.1818

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4?6 Der Kampf zwischen Pan und Eros.

kophags, (in dem oben schon gedachten Archäol.
Museum S.75 ff.) theils Zoega beyläufig in dem
Werk über die Basreliefe Roms, Taf. 77 Not. 2.
Diese beyden stimmen im Wesentlichen darin überein,
daß Bacchus und Ariadne hochzeitlich vorgestellt
seyen. Was unten vor der Grotte vorgeht, die Be-
siegung des Pan durch den Eros, hält Zoega für
eine Anspielung auf die Liebe des erhabnen Paars;
Böttiger, nach einer yerschiednen Auslegung dieser
Figuren selbst, für einen untergeordneten, für das
Ganze gleichgültigen Nebenzug; Visconti für Aus-
wuchs eines schon verdorbenen, zur Ueberladung ge-
neigten Geschmacks. In ihr wahres Licht aber
scheint die ganze Vorstellung erst zu treten, wenn
man gerade diese Scene als die Hauptsache oder den
eigentlichen Mittelpunkt betrachtet.

Hätte der ohne Zweifel sehr verständige Erfin-
der dieses Bildes eine bräutliche Scene darzustellen
beabsichtigt, so würde er sich nicht begnügt haben,
bloß den Dionysos in Gesellschaft der Ariadne er-
scheinen zu lassen, indem sie ihn auf unzähligen Bild-
werken als seine Geliebte oder Vermälte begleitet,
er möge ruhend und gleichsam alltäglich erscheinen,
wie gleich an dem Deckel dieses Sarkophags, (dessen
Vorstellung eine eigne für sich ist, ohne irgend eine
besondre Beziehung zu der unteren) oder im Triumph
aufziehn, oder seine Feste begehn, ohne daß uns
darum eine Hochzeitfeyer einfällt. Abgewandt von
einander gebildet, auf keine Weise sich mit einander
beschäftigend, drücken die beyden Hauptpersonen für
sich eine Verlobung gewiß nicht aus. Unter den
andern Personen ist keine einzige von denen, welche
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