Verein für Historische Waffenkunde [Hrsg.]
Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde: Organ des Vereins für Historische Waffenkunde — 2.1900-1902

Seite: 103
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4. Heft.

Zeitschrift für historische Waffenkunde.

103

Mitteilungen aus der Renaissance-Abteilung der Kaiserlichen
Eremitage zu St. Petersburg.
Von Staatsrat Eduard von Lenz.



(Mit 20 Abbildungen.)

ie Waffensammlung- des Arse-
nals von Zarskoe - Selo
verdankt ihre reiche Ent-
faltung in erster Linie
dem im besten Sinne
des Wortes «ritterlichen»
Geiste des Kaisers Niko-
laus I., dessen hervor-
ragend konservativer,
kriegerischer und zu-
gleich romantischer Sinn
in einer stark ausgesprochenen Freude an schönen
Waffen der Vorzeit seinen natürlichen Ausdruck
fand. Selbst eifriger Sammler, fand der Herrscher
die regste Unterstützung bei seiner hohen Gemahlin,
den übrigen Gliedern des Kaiserhauses sowie vielen
Grossen des Reiches, deren Darbringungen das Ar-
senal auch unter der Regierung seines Nachfolgers,
des Kaisers Alexander II., wesentlich bereicherten.
Zu der Zeit fand eine wissenschaftliche Kata-
logisierung und Zeitbestimmung der einzelnen Stücke
nicht statt, was bei dem damaligen Stande der
Waffenkunde auch nicht wunder nehmen kann;
nach Ueberführung des Arsenals in die Räume der
Kaiserlichen Eremitage aber nahmen die Neuaufstel-
lung der Sammlung, die Einverleibung der
grossen Kollektion Basilewsky und endlich
die besondere Aufmerksamkeit, welche
den russischen und orientalischen Alter-
tümern zugewandt wurde, die Arbeits-
kraft der Verwaltung zu sehr in
Anspruch, um an Spezialfor-
schungen auf dem noch so
neuen Gebiete der Waffen-
geschichte denken zu
können.
Jetzt ist es dem
Schreiber dieser Zei-
len vergönnt, an die
zwar sehr schwierige,
aber doch äusserst
dankbare und dabei
hochinteressante
Aufgabe der neuen
Katalogisierung die-
ser hervorragenden
Waffensammlung
und Bestimmung der
einzelnen Objekte
heranzutreten, und
wenn diese Arbeit
auch sozusagen mit Fig

Ausschluss der Oeffentlichkeit innerhalb der vier
Wände geschehen muss, so halten wir es doch mit
ihrer Natur ganz gut vereinbar, von den dabei zu Tage
tretenden Schätzen an hervorragenden Erzeugnissen
der Wafifentechnik, Meistermarken, kultur- und kunst-
historischen Daten dieses und jenes in zwangloser
Reihe von Zeit zu Zeit zur Kenntnis eines weiteren
Kreises unserer Fachgenossen zu bringen: Studien,
Skizzen oder Notizen, kurz lose Blätter, deren Zu-
sammenstellung und systematische Bearbeitung einer
späteren Zeit Vorbehalten bleiben muss.
Wir beginnen daher hier mit einer Serie von Mit-
teilungen aus der Renaissance-Abteilung der Kaiser-
lichen Eremitage zu St. Petersburg und hoffen, dass
es den Publikationen nicht an dem Interesse der
Leser unserer Zeitschrift fehlen wird, welches in
schwierigeren Fragen in einem Meinungsaustausche
berufener Fachleute seinen Ausdruck finden könnte.

I. Der angebliche Helm Heinrichs
des Löwen.
Der in Fig. 1 abgebildete Helm der Kaiserl.
Eremitage zu St. Petersburg kann wohl, als vielleicht
einzig in seiner Art, ein erhöhtes Interesse der Spe-
zialisten im Waffenfache und nicht minder der
Kunsthistoriker beanspruchen, und wenn
er, wie es leider der Fall, bisher verhält-
nismässig wenig berücksichtigt worden
ist, so findet das vermutlich seinen
Grund sowohl darin, dass den
Forschern nicht das Original
selbst, sondern nur unzu-
verlässige Gipsabgüsse zu-
gänglich waren, als auch
vielleicht in dem Um-
stande, dass im letz-
ten Jahrzehnte die
Zuschreibung des
Objektes an eine hi-
storische Persönlich-
keit gewissermassen
einen Strich unter der
Rechnung gemacht
hatte und somit eine
weitere Forschung
überflüssig erschien.
Wir fühlen uns
durchaus nicht be-
rufen, an den Aus-
führungen und frci-
1. lieh um viele Jahr-
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