Zimmermann, Karin [Editor]
Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 1 - 181) — Wiesbaden, 2003

Page: 156
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COD. PAL. GERM. 51

nachweisbar. Schriftraum: 22-24 x 14; 24-28 Zeilen. Kurrentschrift des 16. Jhs. von einer Hand. Überschriften
und Titel zum Teil in Kanzleischrift. Versalien zu Beginn der Absätze. Anmerkung von Textdefekten, bedingt
durch das Fehlen einiger Lagen in der Vorlage (unter anderem 204r Defect littera . O.; 464r Defect. D. vnd E).
Tinte durch Wasserschaden zum Teil ausgelaufen und stark verblaßt. Restaurierung 1990/91: Behandlung des
Schimmelbefalls im Naßreinigungsbad; Lagen neu gebildet, auf Bünde geheftet; Pergamenteinband, einfaches
Kapital, Vorsätze und zwei Schleifenschließen erneuert.

Herkunft: Datierung aufgrund einer frühen Glosse: ut in suis Meteoris (188r), die sich auf Paracelsus' Werk ,Das
Buch Meteorum' bezieht, das 1566 erstmals im Druck erschienen ist (VD 16, P 425; s. Sudhoff, Bibliographia
Paracelsica, S. 115 Nr. 73) und in mindestens drei Exemplaren in der Palatina vorhanden war (heute Vatikan
BAV Stamp. Pal. IV 212 [ted. 2698 bis a-2699 d]; Stamp. Pal. IV. 904 [ted. 667]; Stamp. Pal. IV.1212[2]). Das
Wasserzeichen der Vorsatzblätter (s. Lagen) legt nahe, daß der Cod. Pal. germ. 51 in einer pfälzischen Kanzlei
kopiert wurde, vermutlich am Hof in Neuburg an der Donau. In der dortigen Bibliothek befanden sich Mitte
des 16. Jhs. zahlreiche Paracelsus-Handschriften, unter anderem auch Autographen. Sie waren dem Bibliothe-
kar Hans Kilian (1516-nach 1594) von Pfalzgraf Ottheinrich verschrieben worden (s. Joachim Telle, Kurfürst
Ottheinrich, Hans Kilian und Paracelsus, in: Von Paracelsus zu Goethe und Wilhelm von Humboldt, Wien
1981 [Salzburger Beiträge zur Paracelsusforschung 22], S. 130-146, hier: S. 136f.). In der Neuzeit war die Hs.
im Zusammenhang mit der Edition der theologischen und religionsphilosophischen Schriften des Paracelsus an
die Sächsische Landesbibliothek Dresden ausgeliehen (Entleihbescheinigung vom 28. November 1941), wo sie
bis 1944 von Kurt Goldammer (s.u.) benutzt wurde. Seit der Zerstörung des Bibliotheksgebäudes bei einem
Bombenangriff im Februar 1945 galt sie als verschollen, am 21. Januar 1950 wurde der Verlust der Hs. ange-
zeigt. 1960 fand sich der Codex, der im Krieg einen erheblichen Wasserschaden erlitten hatte, im Panzerschrank
des Lesesaals der Sächsischen Landesbibliothek wieder, am 31. Januar 1975 bat die ÜB Heidelberg erstmals um
Rückführung des Manuskripts. Da auch weitere Bemühungen erfolglos blieben, wandte man sich am 6. Mai
1987 an das Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, das sich daraufhin im Rahmen des
Kulturabkommens (Austausch kriegsbedingt verlagerter Kulturgüter zwischen der Bundesrepublik Deutsch-
land und der Deutschen Demokratischen Republik) für die Wiedergewinnung der Paracelsus-Handschrift ein-
setzte. In dem am 8. August 1989 erfolgten Notenaustausch zwischen dem Ministerium für Auswärtige Ange-
legenheiten der DDR und der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland findet sich unter den
rückzuführenden Bibliotheksbeständen dann auch der Psalmenkommentar des Paracelsus. Am 8. November
1989 wurde das Manuskript in Dresden übergeben. Zurückgekehrt an den alten Aufbewahrungsort, erfolgte
1990/91 die Restaurierung im Institut für die Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut/Tübingen (Doku-
mentations-Nr. B 91/1); s. RNZ vom 8. Januar 1990, S.5; Kurt Goldammer, Paracelsus-Handschriften und
ihre Schicksale, in: Ruperto Carola 81 (1990) S.61-65.

Schreibsprache: bairisch.

Literatur: Wille, S. 11; Wilken, S.326; Sudhoff, Schriften, S. 477-490 Nr. 92; Karl SuDHOFF/Wilhelm Mat-
thiessen (Hrsg.), Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus, Sämtliche Werke, 2. Abteilung, Bd. 1, Mün-
chen 1923, S. 23 (Sigle P3), S. 30 f. Nr. 10; Kurt Goldammer (Hrsg.), Theophrast von Hohenheim, genannt Para-
celsus, Sämtliche Werke, 2. Abteilung, Bd.4-7: Auslegung des Psalters Davids, Wiesbaden 1955-1961, hier
Bd. 4, S. XXVIII-XXXI (Sigle H3): Beschreibung der noch unbeschädigten Hs. (vgl. Herkunft).

l*r-537v PARACELSUS, AUSLEGUNG DES PSALTERS DAVIDS (Psalm 76-150). Ausle-
gung Des Dritten taills des Psalters Dauids die Erst Distinctio durch Theophrastum von Hohen-
haim Doctorem<. >In hac congerie quidam Psalmi sunt integri quidam [mutili] ut licet uidere et in
inscriptione et in Psalmorum num[er\s\<. V >Psalmus . LXXV. Notus in Iudea Deus in Ysrahel
magnum nomen eius<. Asaph. Hie treibt diser prophet mechtig das volckh durch denn ganntzen
Psalmen auß ... 254r >Der Vierdten Auslegung vber den Psalter Dauidts des Propheten das letst
Buch A Theophrasti b. von Hohenheim. Einganng zum leser sein gruß<. Das argument ist tradiert
... 254v >Auslegung Theophrasti vber den ersten Psalmen Dauidtz Im letsten Vierteill. Ps. 109.
Dixit Dominus Domino meo sede a dextris meis. Der herr sprach zu meinem herrn<. Des prophe-
ten Dauidts Redt ist also ... 536v Finis Partium declamant [!] psalterij Dauidis prophete Regisque
Israhel A. Theophrasto Auetoribus Germano. >A. D. lectorem finis<. Wie du leser mich befindest...

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