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Zimmermann, Karin [Editor]
Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 1 - 181) — Wiesbaden, 2003

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https://doi.org/10.11588/diglit.2667#0388
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COD. PAL. GERM. 147

stamm mit plastisch modelliertem Blattwerk, roter Binnengrund mit Goldornamentik; von vier Ecken Ranken
aus stilisierten Blättern und Blüten ausgehend, dazwischen gestrahlte Goldpunkte, im unteren Rankenwerk zwei
mit Schwertern kämpfende Männer. 1859 Blattwerkinitialen über zwei bis vier Zeilen mit farbigem, selten golde-
nem (unter anderem 248r) Binnenfeld (wenige mit Außengrund) und meist goldfarbener Binnenfeldornamentik,
wenige versatim stehend (unter anderem 88v). Fast auf jeder Seite Rankenwerk und insgesamt 326 stilisierte Blü-
ten (meist jede zweite Seite je eine) unterschiedlichster Formen. In den Buchstabenstämmen, im Binnenfeld und
in den Ranken teilweise Gesichter oder Tiere dargestellt (unter anderem 214v, 223r, 291v). Zur Ornamentik der
Ranken und Initialen s. Wegener (s. Lit.); Vaassen (s.o.), Sp. 1220-1233; Frommberger-Weber, S. 115-117. Hs.
1970 neu eingebunden (vorher Pergamenteinband/Rom, s. Kluge [s. Lit.], Bd. 1, S.XVI; dort auch der alte
Rückentitel des 17. Jhs. verzeichnet: 147/HISTOR1A Regis/LANCelloti): Halblederband (Holzdeckel mit Le-
derrücken), Kapital (blaugrün-lachsrosa) und Spiegel erneuert, vorne und hinten je zwei neue Vorsatzbll. ange-
bracht. Rundes Signaturschild abgerissen.

Herkunft: Hs. vermutlich aus der Werkstatt der Mainzer Riesenbibel' (s.o. Lagen; Steer [s.o.]; ders., Der Hei-
delberger ,Prosa-Lancelot'-Codex Pal. Germ. 147. Fragen seiner Entstehung, Sprache und Herkunft, in: Wolf-
ram-Studien 9 [1986], S. 10-16; Backes, S.57, Anm.30). Zu der in ihrer Ornamentik verwandten Handschrif-
tengruppe aus diesem Atelier gehören weitere, in den späten 60er beziehungsweise 70er Jahren des 15. Jhs. für
den Heidelberger Hof und die Universität entstandene Handschriften (unter anderem auch Vatikan BAV Cod.
Pal. lat. 1632 [s. Lagen]; Vaassen [s.o.], Sp.1208, 1284, 1399-1406; Frommberger-Weber, S. 128-131; beide
ohne Kenntnis von Cod. Pal. germ. 147). Mindestens zwei weitere Codices Palatini germanici (Cod. Pal. germ.
119,340) scheinen ebenfalls in dieser Werkstatt, deren genaue Lokalisierung - Mainz oder Heidelberg- unsicher
ist, mit Initialen und Ranken ausgeschmückt beziehungsweise solchen Vorbildern nachgebildet worden zu sein.
Ausgehend von der Entstehungszeit entweder im Auftrag Kurfürst Friedrichs L, seiner Schwester, Pfalzgräfin
Mechthilds (1419-1482), oder seines Neffen, Kurfürst Philipps des Aufrichtigen, angefertigt (Backes, S. 168,
Anm. 197; vgl. auch Thordis Hennings, Der erste Teil des mittelhochdeutschen >Prosa-Lancelot< - Eine Über-
setzung für den Hof des Pfalzgrafen bei Rhein? in: PBB [West] 123 [2001], S. 379-396). Hs. der älteren Schloß-
bibliothek, doppelt verzeichnet bei der Katalogisierung 1556/59: Vatikan BAV Cod. Pal. lat. 1937,25r [Historici,
Median] Ein Buch von Heren Lancilott, von Khonig Arthus todt, vonn Hector; mit Illuminierten Buchstaben auf
Perment geschrieben und 60r Herr Lancilot, Khonig Artus etc. groß Regal schön geschriben 1.4./.; Abschrift in
Vatikan BAV Cod. Pal. lat. 1941, 21r [Historici, Median] Ein Buch von heren Lancilot, von Khonig Arthus todt,
von Hector etc. mit Illuminierten Buch staben Auf Perment geschrieben und 48r Hern Lancilot, Konig Artus etc.
groß Regal schön geschrieben. Später bei der Katalogisierung 1581 im Inventar der Heiliggeistbibliothek regi-
striert: Vatikan BAV Cod. Pal. lat. 1931,306r [Historici, 2°] Von Her Lantzlott, König Artus, Hern Hector vnnd
Galbin, geschrieben, Perment, bretter, schwartz leder, bucklen. III"'r der im Zuge der älteren Katalogisierung
1556/59 eingetragene Bibliothekstitel: Ein Buech von her Lancilot, von konig Artus Todt, von Hector vnd von
hern Gawin. Capsanummer: C. 177. \V'r Inhaltsangabe (19. Jh.). Die im 2. Weltkrieg nach Zwingenberg ausge-
lagerte Hs. galt nach dem Krieg kurzzeitig als vermißt. Laut einem in den Akten der ÜB Heidelberg (AZ: 2.23)
befindlichen Brief vom 25. Oktober 1947 hatte sie ein amerikanischer Offizier zusammen mit 40 großformati-
gen Inkunabeln vom Auslagerungsort mitgenommen, um sie vor befürchteten französischen Übergriffen zu
schützen. In der ÜB Heidelberg, wo er sie abliefern wollte, war sie angeblich nicht angekommen. Über die ge-
nauen Umstände der Wiederauffindung - vermutlich im Zuge der Revision 1949/50 - ist nichts bekannt.

Schreibsprache: südrheinfränkisch (nach Steer, Der Heidelberger ,Prosa-Lancelot' [s.o.], S. 12-14: ,Schreib-
sprache Heidelbergs').

Literatur: Bartsch, Nr.89; Wilken, S.361; Wegener, S.57; Arthur Peter, Die deutschen Prosaromane von
Lanzelot, in: Germania 28 (1883), S. 144f.; Reinhold Kluge (Hrsg.), Lancelot, Bd. 1-4, Berlin 1948, 1963, 1974,
1997 (DTM 42, 47, 63, 80), hier: Bd. 1, S.XVI-XXII; Bd.2, Tafel II (Bl. 141r), Tafel III (Bl. 160r); Bd.3, Tafel 1
(Bl. 2480.

lr-330v ,PROSA-LANCELOT, Teil 1-3. IN der marcken von Galla vnd von den mynnren
Brytanien warn zwen konig ... 330v Hie hau ein ende das letste buch von hern Lanczlot... Da-
rvmb sy der gebenedit der da lebet vnd herschet vmmer ewiglichen Amen. Text (unter Verwen-
dung der Hs.): Kluge (s. Lit.), Bd. 1-3 (SigleP); (Teil 1; unter Verwendung der Hs.): Hans-Hugo

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