Adreßbuch der Stadt Heidelberg für das Jahr 1889 — Heidelberg, 1889

Seite: 63_Anhang
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ß 8. Wird ein Dienstbote ohne eigencs grobes Vcrschuldcn krank, so bnt dic Dienn-
hcrrschast ili» acht Tage lang zn vcrpstcgen nnd die Kosten fiir dcn Ärzi nnd dic Ar>
„kicii zn iil'ernehmeii. Sie ist indcsscn berechligt, den «iniiken in össenilichen >!ranle!!-
„nstalten iiiiterznbringen.

^ 9. Stirbt cin Dienstbotc, so tönnen seinc Erben dcn Lohn nnr siir die .steii b>->
ziim (siiitriit der (5'rkraiikniig sordcrn. Die Begröbni->kosten sollen dein Dienstbenn
„jcht znr tlast.

is tO. Dic Dicnstherrschast ist bcrechtigt, das Oöcsinde obne Aiifkiiiidignng sosoit
N> eiülassen:

wegcn völligcr Unfähigkcit zu den iibcrnoininenen Die'istleistnngen, sowie wegen
Verhindernng au dcren Besorgnng, insofcrne solches dnrch eigenes Verstlinldeii des
Dienstboten vcranlastt Ivurde, oder bei znfälliger (riilsielning iiber 1-! rage andanerte,
megk» llntrene, hartnäckigen Uiigcborsains, wegen Unsiltlichkeit. üverlianpt ivege»
solchcr.'öandliiiigen. welche nach ibreni Wesen niit dcni fiir da-> Dienstl'otenverbäIlui->
ersordcrlielicn Vertrancn, oder niit dcr bäiwckiclien Drdiinng nnvereinvarlich sind.

§ ll. Das Gcsindc ist bcfngt, den Dienst obnc Anskiindignng sosort ni vcrla'sen:
lvenn der Dienstbote dnrch schwere Erkrankniig znr Dorisetznng des Dienste-> n»
veniiögcnd ist, iveim dic Dienstbcrrschast in tNant gcrät, ivcnn sic den Wobnori vlci
vcnd vcrändert oder dcn Dienstbotcn nötigen will, längere 9,'eisen in enkscrnte tNegen
den mitznmaäien.

Ivenn üe dcn Tienstbotcii inisthandell, ihi» Unsittliches ansiiiiii oder itni voi io!
chcn Zninmnngcii stlndcrer, die znr ^ainilie gebörcn odcr ini >?anic regctniästigeu
Witritk liaven, nicht schiistcn konnte oder wolltc;

wcnn sie dcin Dieiistbotcn den Lobn iiber die Versallzeit vorentliali oder ilnn den
iiötigen ltnierbalt verweigcrt, sowie iibeichanpt wegen soläier.vandlnngen der Dienst
berrschast, ivelche Ivie die angefiibrten, niit dcn voin tstesinde gegeniiver der Verischasl
nach dei» Dienstbotenverbälinisse znstcbenden Ansoidernngen nnvereinvarlieki sind.

^ lch Der anf länger als ein Viertelsabr abgeiä,losscne Vertrag tann vor chblans
der Dienstzcit mit Frist von sechs Wochen ansgekiindet iverden, iven» da-> Vaiivi de>
Faiiiilie odcr das Mitglied dcrselbcn stirbt, fiir desse» besondere Bediennng dao «Nestnde
gemietct worden ist.

ß l.st. Wenn der Dienstbote iväbrend der Diensizeit geniäst z? l<> enilasien »strd
oder aristritl, so kann er nnr nach Mastgabc der Dancr des Veriragsverbältnisse'7' Vln
spriich a»f die istegcnleistiingcn des Dienstbcrrn erbcben.

Das (stleielic gilt in den Fällcn dcs Lj 12.

§ 14. Wemi ein Dienstbote vcrtragswidrig den Diensi nichl antriti, nnbesiigt aim
tritt, oder gemäst ss 10, nnd zwar in szolge cigenen Versäinldens entlasse» ivird, so
kaini der Dienstlicrr, ohne dast eine gcrichtliciie V»slösn»g dcs Vcrtrags, cine Verzng-'
sctzimg oder der Betveis des (sjntritts nnd Betrags des Säiadens nölig sällt, slalt der
tsrsülliing des Vertrags einc (stntsciiädigniig veriangen oder in Vnsrcäinmig bringen
welchc sich ans die Hälste des Vicrteijalirestobnes belänst. Wenn Dienstbolen siir
laiidwirlschaslliche (Neschaste in der ?scit voin Vnni bis einiäiliesttich Dklobcr verirags
tmlchig oder enilasscn werden, sv crbölst sich die ('ntschädignng ans den vierten leit de -
Iahreslohin.s.

8 1-st Den, Dienstherrn stebt znr Sicherung seiner (5ntschädigm>gssordening gege»
den Dienstboten an der in seiner Wohnmig eingebrachten .vabc desselben, mit Vns
nahme der zmn tägticheiiGebranchc unentbehrlichei! Kleidungsftiicke, ein Riickvehalinngs
recht zu. Wemi der Tiensthcrr nicht innerlialh sechs Dagen seine Unlsäiädignngstlage
gegen den Dienstbotcn bci dcm zustäudigen Nichter anhcingig macht, oder niäik imieiliatv
acht Tagcn nach (^rwirkmig cines rechtskräftige» obsiegendcn Urteils den .ingriii aui
die rückbehaltene Habe beantragt, so erlischt das Rückbchattmigsreän.

8 U'. WUrd cin Dienstbotc von der vertragsschliesteiiden Hcrrschast nnbesngter
Weise nicht angenomincit odcr vertragswidrig entlassen, oder iiimmt er a»s Veriäinldcn
des Dicttslherrn „ach 11 seincn AnStritt, so kann er, anstcr dem Lolmc siir die abver
dstnte Bcii, obne dast cine gerichtliche Auflösnng des Vertrages, eine Verzngsiei.mng
oder dcr Beiveis des (5intritts mid des Betrags des Schadens nötig tällt, siatt der Ver
tragserfüllnng cinc (5ntschüdignng verlangen, wclche die Hälste des Vierteljabreslolmc'
bürügt. Wcmi Dicnstboten snr landwirtschaftliche (steschäste in der.stcii vom Sktober
bis eiiischliestlich ^ebinar nicht cmgenommrn, entlassc» tverde» oder anstreten, so eichöht
sich die (inlschädigmig ans den vierten Deil des Iahreslobns.
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