Amelung, Arthur   [Hrsg.]; Jänicke, Oscar [Hrsg.]
Ortnit und die Wolfdietriche: nach Müllenhoffs Vorarbeiten (Deutsches Heldenbuch) (4. Teil, 2. Band): Monographie — Berlin, 1873

Seite: XII
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XII Einleitung

Berhtwin : schin 214. gedrät: Sidrät 219. Gerwart: Mergart X2, llac.
bereit :reit 10 : unverzeit 19. 123 ac. : arbeit 105. lief : brief 25. ge-
schrift: stift 25. gröz : schöz 32. dort : wort 33 ac. varn : bewarn 36
ac. bot : spot 42. Berhtwin : schin 56 ac. gewar : schar 58. rät : gedrät
64. zit: vorstrit 64. Herbrant: sant 107. widerstrit: zit 123, 5 ac.
warm : gevarn 128 ac. abgesehen von X wo diese reime so häufig sind,
findet sich beinahe die hälfte derselben nur in ac.

Nach diesen reimen war es geboten auch innerhalb des verses alemannische
formen wie zb. urlop, luhen geluhen, weit, verlieren (s. zu III60,4) heischen
(s. zu VII54, 4) zu behalten, die mehrzahl der handschriften wird'im Elsass
geschrieben sein; das gedieht aber ist, wie vorhin gezeigt, nicht dort verfasst.
eine auf Urkunden gestützte kritische Untersuchung der mundarten inner-
halb des alemannischen gebietes wird ein paar einzelhüten noch sicherer
feststellen können, ob im texte mit recht zb. niergen beibehalten, selber dester
nun aber durch selbe deste nu ersetzt sind, die inclinationen am vom anz
inz usw. sind gesetzt worden wo der vers sie verlangte: in den hss. finden
sie sich mir selten.

Wie durch die reime, so wird auch durch manche Spracheigentümlich-
keiten, zb. sich gesten V 37, 2 die alemannische heimat des gemeinen tex-
tes von Ortnit und Wolfdietrich zweifellos festgestellt, durch die beobachtung
der spräche lässt sich aber auch die zeit des gedichtes ermitteln, weist
softem das starke vordringen der dialektischen formen im reim in die zweite
hälfte des 13 Jahrhunderts, so wird diese datierung bestätigt durch den stil
der in seiner ganzen ort wie in vielen einzelheiten mit dem der Virginal
und Konrads von Würzburg so übereinstimmt dass ein directer zusammen-
t hang angenommen werden muss: der dichter von D wie der der Virginal
\ sind nachahmer von Konrads monier. die spräche ist nicht mehr das mittel-
hochdeutsch der ersten hälfte des Jahrhunderts, sondern unterscheidet sich
von demselben merklich: sie hat mit der nhd. spräche manches gemein
dessen aufkommen man bei geringer kenntnis der litteratur von 1250 bis
1500 erst in das 14 und 15 oder gar in das 16 Jahrhundert zu setzen
pflegte, aber eine germte Untersuchung der spätmittelhochdeutschen spräche
wird ergeben dass ein grosser, wenn nicht der gröste teil derjenigen
eigentümlichkeiten, die das mhd. vom nhd. unterscheiden, nicht im 14 Jahr-
hundert und später, sondern schon in der zweiten hälfte des 13 Jahrhun-
derts sich nachweisen lässt. einiges über die spätmittelhochdeutsche spräche
wie über nachahmungen der Konradischen manier geben die anmerkungen,
in denen manches sprachlich merkwürdige unerwähnt geblieben ist, weil ich
es nicht anderwärts nachweisen konnte, es kam auch nur darauf an das
hier ausgesprochene urteil über spräche und stil von D durch eine reihe von
nachweisungen im einzelnen zu begründen, und dazu werden die anmer-
kungen ausreichend sein.
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