Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 9
DOI Heft: 10.11588/diglit.15859.6
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15859.7
DOI Seite: 10.11588/diglit.15859#0017
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1883/0017
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche'^Runst.

Uerausgegebeu und redigirt von Dr. Fr. I. Schwarz in Ellwangen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runftvereins, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. I. Schwarz.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für I M. 35 Pf. durch die württem- qa

Jflr O bergischen, für l 'J.V. 50 Pf. durch die bayerischen und die Rcichspost-Anstalten.

für 1 M. 20 Pf. im Stuttgarter Bcstcllbczir zu beziehen. "

Der Altar.

II.

Geht das Kunsthandwerk oder die Kunst
auf die in unserem letzten Artikel beschrie-
bene Weise zu Werk, so ist wohl jedes
Glied recht geformt und sie alle sind tech-
nisch Ein Ganzes, das fähig ist, eine Be-
stimmung zum hl. Opferdienst zu empfan-
gen. Aber wie die einzelnen Glieder des
Menschenleibes, auch wenn sie in rechter
Form und jedes an seinem Platze zusam-
mengefügt sind, noch keinen lebendigen und
zu menschlichem Thun fähigen Organismus
ausmachen ohne die belebende Menscheu-
seele , so ist auch der aus der Hand des
Meisters oder Künstlers kommende Altar
noch keine zum hl. Opfer fähige Stätte
ohne die Konsekration durch die hiezu be-
rechtigte kirchliche Person. Der hl. Kirchen-
lehrer Thomas von Aguin drückt sich dar-
über also aus: „Die Kirche, der Altar
und ähnliche unbeseelte Dinge werden kon-
sekrirt, nicht als ob sie fähig wären, selbst
eine Gnade zu empfangen, sondern weil
sie aus der Konsekration eine gewisse Kraft
empfangen, durch welche sie für den geist-
lichen Kult geeignet werden, auf daß die
Menschen zu göttlichen Dingen mehr zu-
bereitet seien, wenn etwa diese Wirkung
nicht durch Unehrerbietigkeit vereitelt wird."
Als biblischen Beweis führt er das 2. Buch
der Machabäer an, welches im 3. Kapitel
die bekannte Züchtigung des Tempelschän-
ders Heliodorus erzählt, über welche der
Gezüchtigte seinem Herrn, dem Seleucus,
König von Syrien, selbst Bericht erstattet
find denselben also schließt: „Wenn Du
einen Feind oder Einen hast, der nach
Deinem Reiche strebt, so sende ihn dahin
(in den Tempel), und Du wirst ihn ge-
geißelt wieder erhalten, wenn er anders
mit dein Leben davonkommt; denn in dem
Orte ist wahrhaft eine gewisse Kraft Gottes.
Er selbst, der im Himmel wohnt, ist gegen-

wärtig in diesem Orte und schützt ihn, und
die Böses zu thun hingekommen, schlägt und
tödtet er." (Vers 38 und 39.) Wie der
Altar überhaupt Christum den Gesalbten
repräsentirt, so repräsentirt die Konsekra-
tion des Altars die Heiligkeit Christi, wie
der hl. Thomas ebendaselbst sagt.

Die Altarweihe ist aber eine sehr kom-
plizirte Handlung, aus vielen Haupttheileu
bestehend, welche wieder aus mehr oder
weniger wesentlichen liturgischen Handlun-
gen bestehen. So gewiß der Altar erst
von dem Augenblicke seiner Konsekration
an eine zum hl. Opfer fähige Stätte ist,
so gewiß scheint es uns zu sein, daß er
in demselben Moment dieses zu sein aus-
hört, in welchem er die Wirkung auch nur
einer einzigen der wesentlichen Weihehand-
lungen verliert. Nur von diesem Prinzip aus,
nicht casuistisch, läßt sich in jedem einzelnen
Falle beurtheilen, ob durch eine aus Anlaß
der Restauration vorgenommene Verände-
rung der Altar exsekrirt würde, also auch, ob
diese Veränderung erlaubt oder unerlaubt,
in diesem Falle also zu unterlassen sei.
Von derselben Wahrheit muß man aus-
gehen , wenn man einen neuen Altar er-
haut; er muß in allen wesentlichen Theileu
so gebaut sein, daß er die Weihe nach
Vorschrift des Poutifikalbuchs em-
pfangen kann. Von diesem Gesichtspunkte
aus gehen wir an die Besprechung des
Einzelnen.

A. Wir werden wohl keinem Wi-
derspruch begegnen, wenn wir die
an fünf Stellen unter Kreuzessorm
vorzunehmeude Bezeichnung der Al-
tarplatte und die siebenmalige Be-
sprengung der Platte (Mensa) find
des Altarfußes (Ztipes) mit dem
eigens hiezu geweihten, mit gleich-
falls eigens geweihtem Salz, Asche
und Wein gemischten Wasser, als die
(der Zeit nach) erste wesentliche
^ Weihehandlung ans eben. Daraus lei-
loading ...