Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 53
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stellungen von ©eenen ans dem Leiden
Christi oder von Vor- und Sinnbildern
des allerh. Altarssakramentes. So der hl.
Karl Borromäus. Was oben auf dem
Tabernakel anznbringen erlaubt oder ver-
boten sei, davon wird später die Rede sein.

Noch ist in Erwägung zu ziehen ein
Vorhang — Conopeum —, welcher außen
um den Tabernakel angebracht werden soll.
Auch diesen werden wir weiter unten be-
sprechen.

Erwägen wir das bisher Gesagte, so
liegt ans der Hand, daß den liturgischen
Verordnungen nur ein Tabernakel entspre-
chen kann, welcher durch Thnren verschlos-
sen wird. Die Drehwalze wird nachgerade
allgemein schon deßhalb verworfen, weil
man es als unästhetisch empfindet, das
Allerheiligste ans einer Scheibe mechanisch
hernmzndrehen. Sodann geht bei dieser
Konstruktion der charakteristische Ortsnnter-
schied zwischen expomtio privatm und ex-
positio publica ganz verloren. Ciborium,
Monstranz, Altarkreuz, alles erscheint in
einer der drei Nischen derselben Walze.
Drittens bieten diese Nischen keinen Raum
für die Konsekrationö-Pyxis, weßhalb denn
auch für dieselbe (oder für die Häubchen)
oft ein kleiner Unterschrank hinter der Ka-
nontafel dienen mußte. Viertens wird bei
solchen Walzentabernakeln gewöhnlich nicht
einmal die Nische, in welcher das Sanktis-
simum steht, in der vorgeschriebenen Weise
ansgestattet. Die übrigen Flächen, von
welchen das verschlossene Sanktissimnm um-
geben ist, sind gewöhnlich nichts weniger
als gotteswürdig. Meist bieten sie nnbe-
maltes, rohes Holz. Und wollte man sie
auch mit Sorgfalt behandeln, mit Seiden-
stoff ansschlagen, so wäre das nicht leicht
fertig zu bringen wegen der vielen Uneben-
heiten, welche der Walzen- und Scheiben-
mechanismns mit sich bringt. Wäre aber
auch alles ausgewendet, um den ganzen
innern Raum wirklich schön zu gestalten
und ausznstatten, wie unangenehm müßte
man es empfinden, daß diese ganze Aus-
stattung durch die Drehwalze dem Blicke
für immer entzogen wäre! Eben dieser
Gedanke würde immer wieder zur Unter-
lassung aller Ausstattung verleiten. End-
lich läßt sich die vorgeschriebene und ge-
ziemende Ordnung und Reinlichkeit nicht
einhalten, noch kontroliren. Jahre lang

könnte z. B. die etwa angebrachte Ausstat-
tung der Rückwand in ungeziemendster Weise
defekt sein, ohne daß es jemand ahnte. Und
wer je sich veranlaßt sah, einen solchen
Walzentabernakel mit Gewalt von rückwärts
zu öffnen, der wird die Wohnung des Herrn
nichts weniger als „munda“ gefunden
haben; Fliegen und anderes Ungeziefer sind
hier des Heilandes Wohnungsgenossen, und
Spinnengewebe bildet die Dekoration. Auch
Schiebthürchen, die im Innern hohler Wände
verschwinden, können ans ästhetischen und
praktischen Gründen nicht empfohlen werden.

In neuester Zeit ist wegen der vielen
Kirchendiebstähle wiederholt vorgeschlagen
worden, die Tabernakel nach Art der dieb-
nnd feuerfesten Kassen einznrichten. Wir
bemerken, daß auch diese gegen die Bosheit
der Menschen nicht schützen. In welcher
Verlegenheit wäre man, wenn z. B. nur
der Verschluß so zugerichtet würde, daß man
den Schlüssel nicht gebrauchen könnte! Die
Kirche begnügt sich mit einem auf dem
Altäre befestigten, wohlverschlossenen höl-
zernen Tabernakel. Doch wäre ein der-
artiger metallener Schrank prinzipiell nicht
ausgeschlossen, sofern man nur allen litur-
gischen Vorschriften und Bedürfnissen in
Konstruktion und Ausstattung gerecht würde.
Metall gilt jedenfalls an und für sich als
besserer Ersatz für das Holz. So spricht
u. a. die Prager Diözesansynode von Silber-
oder vergoldeten Kupferplatten. *)

Gedanken über Airchenrestauration.
in.

Auf dieses der Individualität jeder 311
restaurirenden Kirche nachspürende Erfor-
schen legen wir das größte Gewicht, nicht
nur behufs des Entwurfs eines dem

*) Decreta Conc. prov. Prag. a. 1860, Tit. V.
cap. V. Collect. Lac. Tom. V. pag. 533. Aach
Bezugnahme auf das Conc. prov. Aquens. Hüll
1585, und Syn. Archidioeces. Prag, anni 1605,
welche wünschen, daß der Tabernakel van
massivem Gold gefertigt und mit edlen Steinen
geschmückt werde, fährt das Prager Konzil fort:
Cusus voll non immemor quidem, sed pauper-
tati condolens sanxit arcliidioecesana synodus
Pragensis, ut tabernaculum si e laminis argenteis
aut aeneis inauratis haberi non potest, saltem
e tabulis sectilibus, quae humiditatem non gignant,
polite tarnen elaboratis et religiosarum imaginum
sculptura ornatis et inauratis decenti amplitu-
dine construantur.
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