Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

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den Friesen vor; später, in: 14. Jahrhun-
dert, zieht sie sich besonders in Form von
mehr oder weniger entwickelten Blätter-
knollen, aber auch entfaltetem Laubwerk in
die Kehlen zurück. Auch Friese von geo-
metrischer Form fehlen nicht, der Spitz-
bogenfries, Kleeblattbogenfries u. a. Selbst
der in den technischen Mitteln und im
Material so sehr beschränkte Backsteinbau
hat oft durch geschicktes Versetzen der Back-
steine in Verbindung mit verschieden ge-
stalteten Formsteinen zierliche Bandgesimse
geschaffen, oft nur durch zwei Schichten
ausladender Backsteine, zwischen beiden ein
durch verschiedene Stellung der Backsteine
erzeugtes gemustertes Band.

Ist ein Baumonument mit Gurtgesim-
sen und zugleich mit Strebepfeilersystem
ausgestattet, so laufen die Gurten auch
um die Strebepfeiler. Dieses Gurtgesims
wird dann Kaffgesims genannt.

Die in der Zeit der Renaissance üb-
lichen Gurtgesimse sind den antiken ähnlich.
Wir beschränken uns also, auf die zwei
gegebenen Beispiele zu verweisen. Fig. 56

Fig. 56.

gibt ein Gurtgesims im Styl der Früh-
Reuaissance von dem Rathhaus zu Heil-

Fig. 57.

bronn, Fig. 57 vom Rathhaus zu Am-
merschweier im Elsaß. (Forts, folgt.)

Die Musterschnle der monumen-
talen Malerei.

Bon Prof. Dr. Keppler.

1. Einleitung.

Es ist in diesen Blättern eingehend
die Wichtigkeit der monumentalen kirch-
lichen Malerei besprochen und dargethan
worden, welche Stellung ihr zu allen Zei-
ten kirchlicher Kunstthätigkeit eingeräumt
worden und nach welchen Grundsätzen sie
ihrem Wesen und Beruf nach zu leben,
und thatsächlich, von Perioden des Zer-
falls und der Kunstverirrung abgesehen,
immer gelebt habe. In der Theorie ist
bezüglich all dieser Fragen allmählig ein
durchaus fester Boden gewonnen, sind un-
antastbare Resultate und Gesetze aus der
Geschichte und Entwicklung der monumen-
talen Malerei abgezogen worden. Die
Schwierigkeit liegt nun noch in der Ueber-
setzung der Theorie in die Praxis.

Wollte man hierin ganz sicher gehen
und ganz rationell verfahren, so müßte
man unbedingt auf Gründung kirchlicher
Malerschulen bedacht sein. Denn daß
thatsächlich in den Reihen der Meister,
die sich mit Bemalung von Kirchen be-
fassen, oft große Verwirrung, Unklarheit
und Unsicherheit herrscht, ist wohl eben-
sowenig zu bestreiten, als die Ursache die-
ser Verwirrung in Abrede zu ziehen ist,
welche darin liegt, daß der Unterricht der
Kunstakademieen, er mag noch so vorzüg-
lich sein, für sich allein zum Verständniß
und zur Ausübung der kirchlichen Fresko-
malerei noch nicht befähigt.

Aber wer wäre so sanguinisch, zu
hoffen, daß zur Errichtung und Unter-
haltung kirchlicher Malerschulen in un-
fern bedrängten Verhältnissen hinlänglich
Begeisterung, Verständniß, guter Wille
und namentlich Geld aufgebracht werden
formte?, Man muß also auf anderem, mehr-
indirekten Weg hier Einfluß zu gewinnen
suchen und darnach streben, die vorkom-
menden Hauptfehler in Bemalung der Kir-
chen durch Belehrung und Aufklärung zu
bekämpfen und allmählig auszurotten. In
der Hoffnung, daß vielleicht auch hier Bei-
spiele ziehen und am besten geeignet sein
dürften, die Regeln und Grundsätze näher
zu bringen, auszulegen und ans Herz zu
legen, möchten wir es unternehmen, zu
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