Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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zugetheilt: die Gemälde von sechs hhl. Jung-
frauen , die ans dem Kloster Beben-
hausen stammen, und eine Enthauptung
der hl. Katharina aus der Gegend von
Ravensburg.

5) Dem Christoph A m b e r g e r wird
zngeschriebcn: ein Bildniß Karl V., früher
im Besitz der Familie Sickingen.

Von unbekannten Meistern stammen:
der Judaskuß und eine Kreuzigung ans
dem Kloster Tennenbach bei Freiburg;
ferner ein Tod Mariä von Schussen-
ried; eine hl. Elisabeth und Dorothea
nebst Andreas und Martinus aus dem
Kloster Unlingen bei Riedlingen; eine
Krönung Mariä ans der Stadt V i l -
lingen; eine Kreuzigung aus der Gegend
von Sigmaringen und ein Abschied
Christi von Maria ohne nähere Angabe
des Fundorts; desgleichen auch eine Ent-
kleidung Christi und Kreuzigung.

Aus der s r ä n k i s ch e n Schule werden
von Waagen zugetheilt:

1) dem Hans Schäuffelein und

2) dem Michael W o h l g e m u t h je
ein Bild der Kreuzigung ohne Angabe des
Fundorts. Sodann

3) dem Bartel Be Ham eine Reihe
von Gemälden, die aber später einem
Meister mit der provisorischen Benennung:
Wildensteiner Meister (Kraus) zugewiesen
wurden. Wir verweisen darüber auf unsere
frühere Mittheilnng 1892 S. 17. Seither
hat sich jedoch Or. Kötschan sehr einläß-
lich mit dem Studium dieses Meisters,
den er aus Gründen der Priorität „Möß-
kircher Meister" benennt, beschäftigt. Wenn
es auch noch nicht gelungen ist, den wirk-
lichen Namen desselben ausfindig zu machen,
so wird von Kötschan doch festgestellt, daß
derselbe wenigstens zwei Jahrzehnte in
Oberschwaben, in der Bodenseegegend, thätig
war. Von der beträchtlichen Anzahl von
Gemälden, die Kötschan mit Bestimmtheit
oder auch mit Wahrscheinlichkeit diesem
Meister oder seiner Werkstätte zneignet,
„lassen sich fast drei Viertel mit Sicher-
heit auf das den Bodensee umgebende
Ländergebiet als ihren ursprünglichen Be-
stimmungsort zurückführen", wie sich der
Verfasser der Schrift: Bartel Beham und
der Meister von Mößkirch von Dr. Karl
Kötschan, Straßburg bei E. Heitz 1893,
ausdrückt. Wir bemerken hiezu nur noch,

daß ein Gemälde desselben sich im Besitze
des ch hochw. Bischofs v. Hefele (eine
Darstellung der hl. Dreifaltigkeit) und
eines im Besitz des Fürsten von Wolfegg
(hl. Georg) befindet resp. befand; ferner,
daß drei Gemälde, welche Waagen (Kunst-
werke und Künstler Deutschlands IIS. 216)
noch in der Sammlung Abel in Stuttgart
bei einander sah und die von ihm dem Bartel
Beham zugeschrieben worden waren, vonKöt-
schau für Werke des Mößkircher Meisters an-
gesprochen werden; eines derselben befindet
sich jetzt in Kassel, die ursprüngliche Pro-
venienz derselben ist jedock nicht ermittelt.

Sodann werden von Waagen am an-
geführten Orte noch einige Bilder der
Sannnlung Hirscher angeführt, die nieder-
ländischen und italienischen Ursprungs sind,
zusammen jedoch nur ein halbes Dutzend,
von denen wir hier absehen können. —

Unter den verschiedenen werthvollen
S ch n i tz w e r k e n der Sammlung Hirscher
wird von Waagen nur die Madonna,
welcher nachher die Benennung: „Hirscher-
sche Madonna" beigelegt wurde, speziell
angeführt, weil sie sich „durch edle Auf-
fassung und fleißige Durchführung vor-
theilhaft anszeichnet".

Zur Ergänzung und Vervollständigung
der Angaben über diese Sammlung fügen
wir auch das noch hinzu, was Waagen
in seinem Buchx) über die Sammlung
Abel in Stuttgart mittheilt, wobei wir
uns jedoch auf jene Gemälde beschränken,
deren Provenienz bekannt ist.

1) Dem Bartel Zeitblom werden zu-
gewiesen: Flügel von einem Altar aus dem
Kloster Roggenburg bei Ulm. Nach
Manch und Grüneisen (Ulms Knnstleben
S. 51) kamen dieselben durch den letzten
Prälaten dieses Klosters an den Domherrn
Vanotti und später in die Abel'sche Samm-
litng. Sodamt die bekannten großen Ge-
mälde von Esch ach, OA. Gaildorf, und
einige Gemälde aus dem Kloster Urspring
bei Ulm und aus dem Wengenkloster daselbst.

2) Ans Hans Holbein den Alten werden,
jedoch mit ausgesprochenem Zweifel, bezogen:
vier Bilder, die nach der Versicherung des
Freiherrn von Laßberg ans dem Kloster
A l m a n n s w e i l er am Bodensee herrühren.

*) Kunstwerke und Künstler Deutschlands
II, S. 209.
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