Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 64
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Werthe ist. Der schwierige» Fracke nach der Ent-
stehnngrzeit und nach den belheiligten Meistern
und Schulen wendet er grosse Aufmerksamkeit
und ein intensives kritisches Studium zu. Alles
Dnnkel tvar nicht zu lichten, aber in, ganzen
wird doch ein sicheres Fundament gelegt. Es
lvcrden folgende sichere-Resultate gewönnen: Die
Malereien gehören drei verschiedenen Perioden
an; die ertic läuft vom Ende des 14. Jabr-
lmnderts bis c. 1430 und zeigt italienische Ein-
flüsse. aber deutschen Vortrag; die Meister waren
wohl in Brixen ansässige Maler, nrit Ausnahme
des aus eigener Unterschrift bekannten Andreas «
de Bembis de Freud, wahrscheinlich kölnischer
Herkunft; die zweite Periode von c. 1440—1480 |
weist zweifellos auf eine Lokalschule hin und hier !
lassen sich auch einzelne Künstlernamen konsta- I
tircn; so der Maler Ruprecht Putsch, Fakob !
Snnter, Leonhard; einige wenige i!3ilbcr ans I
späterer Zeit bilden die dritte Periode. Viele j
dieser Malereien sind uamentliti wegen der lcid) u
ans dem Alten Testament, der Naturgeschichte j
und Prvfangeschichtc geschöpften und durch aus- j
sührliche Inschriften erläuterten Dhpik ikonogra-
phisch sehr wichtig. Der Verfasser könnte den
hohen Werth seiner Schrift noch erhöhen, wenn
er der Provenienz der Jnschristtexte noch genauer
nachspürcn wurde; auch könnte Webers Unter- ^
suchung über das geistliche Schauspiel und die j
bildende Kunst ihm Anlas; geben, nachzuforsche», !
ob nicht etwa auch zwischen manchen dieser Dar-
stellungen und dem geistlichen Schauspiel sich
nähere Beziehungen Herausstellen. Zn den vor-
trefflichen, von Kühlen in München - Gladbach
besorgten Lichtdrucktafeln sollte in einer weitern
Auflage noch ein Grundriß des Kreuzgangs mir
Numcrirniig der Arkaden hinzngefügt werden.

K a t e ch i s m u s der O r n a m e n 11 k. Leit- j
faden über die Geschichte, Entwicklung und
charakteristischen Formen der Verzierungs- I
stile aller Zeiten. Von F. Kanitz. Fünfte
verbesserte Auslage. Mit 131 Abbildungen. !
Fn Originalleinenband 2 M. Verlag von
I. I. Weber in Leipzig.

Dieses Merkchen — Nr. 66 von Weber's j
illustrirten Katechismen — führt uns mit siche- !
rer Hand durch den heitern Blüthentempel des !
architektonischen unb kunstgeiverblichen Orna-
mentes aller Stilarten und ist somit ein er-
wünschtes Seitenstück zu dem in derselben
Sammlung erschienenen Katechismus der Bau-
stile. Die ivesentlichen Merkmale der verschie-
denen Dekorationsweisen sind richtig und deutlich
angegeben; auch Wechsel und Weiterbildung der
Formen, tvie sie bedingt sind durch die Verschie-
denheit der Völker, namentlich durch ihre Reli-
gionsverschiedenheit, durch den Stand ihrer
Geistesbildung u. s. >v. treten mit Schärfe her-
vor und die trefflich ansgeivählteu und ansge-
führten Abbildungen machen das Studium einem
jeden znm Vergnügen. Ein reiches Verzeichnis;
von Spezialiverken über diesen Knnstzweig läßt
ahnen, tvie ernst es der Verfasser mit seinen
Vorstudien genommen, tvie es anderseits den
Leser zu tieferem Eindringen anleitet.

K a r l 0Ji üller, sein Leben und künstlerisches
Schaffen. Von Dr. Heinrich Finke, a. o.
Professor der Geschichte in Münster. Köln,
I. P. Bachem.

Eine verständnißinnig geschriebene Biographie
des vor drei Jahren verstorbenen ächt christ-
lichen Malers. Wir empfehlen sie angelegentlich
den Freunden kirchlicher Malerei. Eine Ver-
gleichung des herrlichen Müller'schen Altarbildes
„die Emausjünger" mit dem gleichnamigen von
Uhde — die Schrift enthält nämlich sehr ge-
lungene Abbildungen ans allen Epochen des
Künstlers — belShrt besser als Bände über
die himmeliveite Nlnft, die zwischen lichter Kunst
und der sogenannten modernen Richtung gähnt.

Wo man bei Errichtung oder Einrichtung
von Kirchen in den 'Mitteln nicht beschränkt ist,
führt ein berechtigtes Streben nach solider Pracht
auf die Anwendung von Mosaik für Boden-
belag, Wandbesatz, inneru und äußern Wand-
schmuck und figürliche Darstellungen. Zn der-
artigen Arbeiten mit Garantie für unverwüst-
liche Dauer unb feine stilvolle Ausführung ist
die Dortmunder Mosaikfabrik in erster Linie
zu empfehlen. Ihre Hanptstärke liegt in der
Herstellung von Thonmosaik in gebrannter und
daun gebrochener unzerstörbarer Steinzengmasse
im Härtegrad „8—9" der Mohs'scheu Skala
(Diamanthärte „10", während Terrazzo „3"
answeist.) Böden ans diesem Stoffe lassen
bei aller Härte die Füße nicht ansgleiten, er-
fordern auch, kein Schleifen, kein Oelen, kein
Poliren, keinerlei Unterhaltungskosten ivie z. B.
Marmor und Terrazzo. Wand-Dekorationen
in dieser Manier hergestellt wirken wegen Ab-
wesenheit jedes störenden Reflexes tvie Aqua-
relle und sind gegen Witterungseinflüsse durch-
aus unempfindlich, was von Glas- und Email-
mosaik nicht unbedingt gesagt werden kann. —
Uebrigens befaßt sich die Firma auch mit Glas-
mosaikarbeiten zu Fassaden und Wandschmuck
sowie mit Marmormosaik (Terrazzobelag) und
feinpolirten Fußböden aus 'Marmor. Der fori-
ivährend auwachsende Katalog enthält über 700
Nummern in reichster Formen- und Farben-
mannigfaltigkeit. Originalentwürfe, der Fabrik
eingereicht, werden auf Wunsch ausschließlich
für den Besteller mit Wahrung seines Eigen-
thum s r e ch t s all s g e f ü h r t.

Die Leitung der Anstalt richtete an die Re-
daktion das Ersuchen, den Lesern des „Archivs"
nachstehende Notiz zu geben, was wir, um ihre
Leistungsfähigkeit ins Licht zu setzen, gerne thnn '
„Der Dortmunder Mosaikfabrik von Rnd. Lcist-
ner in Dortmund wurden vom Reichsamt des
Innern beiläufig 1000 Quadratmeter Mosaik-
fußböden für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an
der Schloßfreiheit in Berlin übertragen. Die-
selbe Firma lieferte auch die Mosaikfußböden
für die Kaiser-Wilhelm - Gedächtnißkirche und
die Gedächtnißhalle, für die Kaiser -Friedrich-
Gedächtnißkirche und für die Kaiserin - Angnsta-
Gnadenkirche." _

Stuttgart, Buchdruckern der Akt -Ges. „Deutsches Volksblatt".
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