Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 17.1899

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Baptisterium in einem Benediktinerkloster ohne
Pfarrrechte dienen? Das Kloster hatte bis zur
Jneorporation der Pfarrei Steinbach (Stainwag)
keine Pfarr- und somit auch keine Taufrechte, also
bis Ausgangs des 13. Jahrhunderts. Dagegen
war die älteste Kirche der Umgegend und die
Mutterkirche der St. Michaelskirche in Hall bis
zur Lostrennung 1504 eine Pfarr- und Tauf-
kirche, dem St. Johannes dem Täufer geweiht
und versehen von eigenen Pfarrern bis zur Jneor-
poration, von da an durch eigene Vikare und später
durch einen Chorvikar von Comburg als Kuratus.
Gegen eine Taufkirche spricht auch der vorhandene,
früher konsekrirte Altar an der Ostseite des Sechs-
ecks, wovon der Stipes mit dem jetzt offenen
Sepulchrum an der Stirnseite und die alten Hei-
ligenbilder noch erhalten sind. Somit kann es zur
Klosterzeit nur als Oratorium oder Privatkapelle
gedient haben (zur Burgzeit zur Vertheidigung
der Feste) und wurde später als Archiv und
Schatzkammer benützt (wegen ihrer festen Bau-
art). — Im 18. Jahrhundert wird dieser Bau
in den Akten (Präsenzbuch, Leichbegängnus des
Dekan Guttenberg 1736; der Verfasser vom
ersteren sagt: er habe die Originalien der Stif-
tungen von Jahrtägen im Archiv eingesehen) Archiv
genannt.

Zugänglich war diese Kapelle nur von der
Kirche aus, wie die zwei zur Hälfte zugemauer-
ten Ausgänge gegen die Kirche zeigen. Die heutige
Zugangsthüre von Westen wurde erst später ge-
öffnet, resp. eingebrochen, wie's der abgeschlagene
Rundbogensries heute noch beweist. Durch den
Unterbau dieses Seragons mit attischer Basis
am Sockel führt ein aussteigender Gang mit
Tonnengewölbe und Quergurt zur Stiftskirche im
Süden. Dieses Tonnengewölbe war mit Rhomben
in verschiedenen Tönen bemalt, wie noch ein
kleiner Rest zeigt, den die Uebertünchung in
unserem Jahrzehnt verschont hat.

lieber dem Unterbau befindet sich ringsum eine
schöne Säulengalle rie mit der Erhards-
kapelle. Die Säulengallerie mit Umgang ist von
einem Pultdach überdeckt. Die fünf Zwergsäul-
chen aus jeder Seite, die Südseite ausgenommen,
welche die Arkaden tragen, stehen aus einer Brust-
wehr, haben attische Basis mit Eckblättchen (nach
Norden gegen die neue Dekanei als Köpfe ge-
formt), Würfelkapitäle mit halbkreisförmigem ein-
gehauenem Ornament und weit vorspringendem
Kämpfer darüber. Die Säulchen mit Kämpfer
haben eine Höhe von 104 cm; darüber beginnt
die Rundbogenarkade. Aus der Südseite aber
gegen die Stiftskirche befinden sich zwischen den
zwei genannten rechtwinkligen Oeffnungen ein
viereckiges Fenster mit einem Säulchen von 133 cm
Höhe im Uebergangsstil mit Knollenkapitäl. —
Dieses Fenster und die östliche Thüröffnung da-
neben weist noch Spuren von der ursprünglichen
Bemalung aus (Figuren von Kriegern und Rit-
tern). Ueber den Arkaden zieht sich noch ein
Rundbogensries mit Ecklisenen, welche eine Stern-
bandverzierung vor der Hohlkehle haben. Aus der
Nordseite befindet sich in Stein gehauen ein
mächtiger Löwenkopf, je ein Junges unter der
Tatze.

Aus der Südwestseite führt eine Treppe in den
Umgang der Säulengallerie und von da südlich

zwei mit Eisen beschlagene Thüren mit kunstvollen
Schlössern in das Innere der Erhardskapelle
in der Klosterordnung von 1343 genannt. Sie
ist 5 m hoch mit Spitzbogengewölbe, welches in
der Mitte auf einer Säule im Uebergangsstil
ruht. Die Basis der schlanken Mittelsäule ist
sechseckig, ebenso das Kapitäl, mit Palmblätter-
ornament verziert (im spätromanischen Geschmacke,
nach Otte 16, S. 674). An den Ecken der Seiten-
wände ruhen die starken Gewölberippen aus Kon-
solen. Kleine romanische Fensterchen über dem
Pultdach der Säulengallerie erhellen (je eines aus
der Seite) das Innere der Kapelle und lassen den
exeerirten Altar an der östlichen Seite und die
Wandgemälde erkennen.

An der Ostseite sehen wir vier Bischöfe ge-
malt, den hl. Erhard, Kilian, Nicolaus und Eras-
mus, in edler Haltung, wohl viel älter als die
übrige Bemalung der Kapelle, welche nach der
Jahrzahl über dem Portal vom Jahr 1562 stammt;
aber vielleicht wurden sie später übermalt. 1. Er-
hard, von dem die Kapelle ihren Namen hat,
hält den Stab in der Rechten und ein Buch in
grünem Einband in der Linken. Er ist gekleidet
in ein braunes Pluviale, röthliche Dalmatik, beide
mit grünen Fransen und trägt aus dem Haupte
eine grüne Insul mit braunen Bandstreisen
(aurifrisia in circuitu unten am Saum und titu -
lus, aufwärtssteigend, die cornua der Insul ver-
tikal durchschneidend). Zu seinen Füßen ist das
Wappen des V. Probstes: Daniel von Stiebar
zu Buttenheim (154—51550) int bayerischenFranken
(Quartier geteilt von Silber und Schwarz mit
rothem Messergriff in Silber). 2. Kilian trägt
das Schwert mit der Spitze nach oben in der
Rechten und den baculus episcopi in der Linken.
Angekleidet ist er mit rother Dalmatik, gelbbraunen:
Pluviale mit rothem Futter und grünem Rand
(— aurifrisia), in der Fibula oder morsus (Agraffe
zum Zusammenhalten auf der Brust) ein farbiger
Stein. Zu seinen Füßen ist das Wappen des
Fürstbischofs von Würzburg: Zobel voi: Giebel-
stadt im bayerischen Untersranken (rother, ausge-
zäumter Pferdekops in Silber, komponirt mit Würz-
burger Fahne und den fränkischen Spitzen).

3. Nikolaus, der Patron der Stiftskirche,
hält das Buch mit drei goldenen Kugeln in der
rechten Hand, den Bischofsstab in der linken. Er
hat gelbe Mitra, rothes Pluviale mit gelber Füt-
terung, grüne Dalmatik mit gelben Fransen.
Unter ihm ist das Eomburger Wappen: goldener
Leopardenkops mit Sparren im Rachen in Blau.

4. E r a s m u s hat die Winde mit den Ge-
därmen in der Rechten, den Stab in der Linken.
Er ist gehüllt in braune Mitra, mit grünem Rand-
streifen, grünen Rauchmantel mit rothem Futter,
braune Dalmatik mit grünen Fransen. Unten ist
das Wappen des Erasmus Neustetter, genannt
Stürmer (schwarzer Schachbrettthurm in Silber),
damals noch nicht Dekan, da sein Wappen mit
dem Eomburgs noch nicht komponirt ist; 10. De-
kan 1551—83'; 9. Probst von 1583—94.

Auf die südliche Seite ist gemalt:

5. „S. Pettrus," zwei Schlüssel in der
Linken und ein offenes Buch in der Rechten, in
braune Tunika und weißen Mantel gekleidet, mit
grauem Bart- und Haupthaar.

6. „S. Paulus" mit schwarzem Bart und
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