Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

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sich mit genaue Imitation handelt,
ineist vorzüglicher getreuer Ausführung.
Leine Wahl wird der Architekt dein Stil
und Charakter des betreffenden Kirchen-
banes und vor allen: den verfügbaren
Geldmitteln nach treffen. Dabei soll nicht
nnertvähnt bleiben, daß bei vielen Kirchen-
banten, wo schließlich die Geldmittel knapp
wurden, am Fußboden gespart tvnrde.
Cs giebt dies den Architekten wohl die
Möglichkeit, sich nicht gar zu sehr mit
dem Anschlag in Widerspruch zu setzen,
aber daß ein solch' einseitiges Sparsystem
nur auf Kosten der Gesnmmttvirknng der
Innenarchitektur durchführbar ist, wird
Jeden: klar iverdeu, dessen Augen sich ein-
n:al auf schlechte Steinplatten, minder-
werthige Fliesen oder sonstigen Ausschuß
gesenkt haben.

lieber Wauverordnungen der
Karolinger.

Von ilf a x B n ch.

In den Capitnlarien der Karolinger,
d. h. den in Kapitel gegliederten Sanun-
lnngen von Verordnungen aller Art, finden
sich auch Gesetze und Vorschriften, welche
zur Kunst in Beziehung stehen und es
haben daher auch die größeren kunst-
geschichtlichen Handbücher davon Notiz
genounneu. Ans den Inhalt dieser Gesetze
wird jedoch nirgends näher eingegangen
:md es schien mir deshalb wünschenswertb,
diese Verordnungen etwas näher anznsehen,
ob daraus nicht noch etivas für die Kunst-
geschichte zu holen ist. Der Erfolg war
allerdings gering, denn die ineisten dieser
Anfzeichiuingeu sind nur ganz allgemein
gehalten und beziehen sich grüßtentheils
auf die Erhaltung und Instandsetzung von
Kirchen und Klostergebäuden. Die Ein-
richtung der Sendgrafen, welche die Be-
fugnis hatten, in den: weiten Reich uinher-
znreisen. Recht zu sprechen, Klagen anzu-
hören und über alte Mängel Bericht zu
erstatten, hatte den weiteren Ziveek, den
Kaiser von allen: zu unterrichten, rvas in
seinen: Reich sich ereignete; er besaß, wie
berichtet wird, in sämmtlichen Franken-
landen nicht iveniger als 163 Landgüter,
Pfalzen und Burgen, welche er nöthig
hatte, da die fränkischen Herrscher keine
ständige Residenz hatten und stets uncher-

in zogen. Diese Sendgrafen, welche je zu
zweien, einen: geistlichen und einen: welt-
lichen Herrn ausgefandt wurden, hatten
die Verpflichtung, auch jeweils nach den
Kirchen und kirchlichen Einrichtungen zu
sehen.

In den sogenannten Libri Carolini,
welche sich hauptsächlich mit den: Bilder-
streit befaßten, der auf den: Eoneil zu
Ricäa entschieden wurde, vergleicht Karl
der Große seine Kirchen niit denen des
byzantinischen Reichs und rühint, daß,
während diese an Licht und Weihrauch,
ja selbst an Erhaltung des Daches Mangel
litten, die seinigen sogar mit Gold uitb
Silber, mit Edelsteinen und Perlen ans-
gestattet seien. Sie bauen (d. h. die
Franken) mit Geschmack, sagt der Mönch
Otfried von Weissenburg nn:S Jahr 670
und noch viele andere gleichzeitige Schrift-
steller rühmen zun: Theil in Versen, so
Ernlvldns Rigellus und Angilbert, die
Bauten des Kaisers, die er an verschiedenen
Orten anfführte.

Die Geschichte gibt keinen Bericht von
der Art und Weise, usie gebaut wurde,
der Begriff Stil war dantnls noch un-
bekannt, aber ans den vorhandenen Denk-
mälern ersieht man, daß die Baumeister
noch an den alten antiken Traditionen
festhielten: freilich in barbarischer Weise
nmgewaudelt und vielfach mißverstanden,
haben sie die klassischen Forinen ange-
wandt, die aber trotzden: noch als solche
zu erkennen sind.

Alan spricht in der Literatur und Kunst-
geschichte seit einigen Jahren viel von
einer karolingischen Renaissance, und in
der That hat das Beumßtsein einer solchen
dem Zeitalter Karls selbst durchaus nicht
gefehlt, sagt Kraus. Gesch. der christl.
Kunst II. S. 4. Ein den Virgilfchen Ek-
logeu nachgebildetes Gedicht feiert den
Kaiser, der von der hohen Burg des neuen
Roma ans die seinen: Jmperium unter-
worfenen Reiche herab schaut; die Welt ist
verwandelt, zu den alten Sitten zurückge-
kehrt, das goldene Rom wird wieder er-
neuert den: Erdkreis wiedergeboren: aurea
Roma iterum renovata renasciter oi bi.

„Wir wollen," heißt es in einen: Ea-
pitular von 807, „daß die Sendboten in
den einzelnen Orten sich davon überzeugen,
in welch' baulichen: Zustand sich die Kirchen
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