Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 19.1901

Seite: 27
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2. Huiee - uitb 2itzplätze:

Im Schiff 700 Personen

Jin Chor 20 „

Alls der Orgelempore 50 „

Ans den O.uerschiffemporen 80 „

Zusaurmeir 850 Personen

Hiezu Stehplätze 1450 „

Somit Platz für 2300 Personen

3. U eberbaute Fläche.
Ueberbaute Fläche 1162 lüm

4. Voln m eu bis H ö he allerHaupt-
Ü e s i m j e.

Volumen bis Höhe aller Hanpt-

gesimse 17 827 kbm

5. Kosten.

Nach den bereits aufgestellteir Ab-
rechnungen betrageir die Kosten
des Rohbaues, einschließlich Ge-
stühl, Bodenbelag und Verglasung 252 000 M.
Für die Herstellung der Terrasse,
nebst Treppen, Trottoir, Plaiüe-
rnng rc. bleiben somit noch 18 000 M.,

woinit die Gesammtsnmme von 270 000 M. (ohne
die Arealkosten) erreicht ist.

letztere Summe dürfte bei der Einsach-
heit der Ausführung kaum überschritteu
lmrdeu. Augesichts dieser gewiß beschei-
deueu Mittel für eiu Bauwerk vou bcn
oben angegebenen Dimensionen konnte
trotz aller hier zu Lande herrschenden Vor-
eingenommenheit für den D.naderban, nur
die Backsteinarchitektnr in Betracht konlmen.

Wenn von gewisser Seite behauptet wor-
den ist, „der Backstein sei und bleibe pro-
falier Natur", so zeugest solche Ansichten
nur von einer völligen Unkenntniß der
großartigen unb zahlreichen italienischen,
norddeutschen uitb holländischen Backstein-
bauten des Mittelalters, welche trotz acht-
hnndertjährigen Bestandes keine Spur von
Verwitterung erkennen lassen.

Ueberall in Italien kann man bemer-
ken, daß die Backsteinbanten illtakt sind,
viele D.uaderbauten dagegen mit großen
Kosten restaurirt werden müssen.

Das von Maschinensteinen hergestellte
Mauerwerk hat am Aenßern eine Verklei-
dilng von sogen. Handsteinen, deren weniger
glatte Flächen die Bildung eitler Patina
ermöglichen unb bei Bauten größeren Maß-
stabes den Charakter des „Geschleckten"
ansschließen. Des rascheren Wasserablanses
wegen und um eine durch Rinnen uitb
bereit Schattenstriche unruhig wirkende
Fläche zu vermeiden, sind die Fugen mit

Weißkalkzementmörtel bündig d. h. voll
ansgestrichen. Die durch das moderne
Verblendermaterial verdrängte altbewährte
„Manrertechnik" soll hier wieder git ihrem
Rechte kommen. Die Gliederung der gro-
ßen Giebelseiten wird durch Lesinen, Rnnd-
bogenfriese n. s. m., welche sich von den
weißgeputzten Nischenflächen wirkungsvoll
abheben, erreicht und der bestimmteren
Schlagschatten wegen bestehen alle Ein-
fassungen ans gewöhnlichen, rechtwinkelig
geformten Steinen.

Bei der gesamten Behandlung des Aen-
ßern des Gebäudes wurde überhaupt we-
niger ans kleinliche dekorative Spielereien Be-
dacht genommen als auf die von der
romanischen Backsteinarchitektnr geforderte
Massen- und Flächenwirknng.

Die Banarbeiten sind bisher gottlob
ohne Unfall verlaufen. Möge die Voll-
endung in diesem Jahre noch glücklich
erfolgen, so daß auf den Beginn des
nächsten Kirchenjahres das Gotteshaus als
geistiger Mittelpunkt der neuen vierten
katholischen Stadtpsarrgemeinde in Stutt-
gart in Dienst und Gebrauch genommen
werden kann!

ft Dr, Albert Iele
und die Tproler Glasmalerei.

(Schluß.)

Wie die Kunst der Glasmalerei ihren
! Weg vor Jahrhunderten gemacht hat, so
schlug sie ihn auch in diesem ein; sie be-
gnügte sich nicht mit dem Schmücken von
Kirchen, sie drang auch in das Privat-
! Haus. Es ist ein bedeutendes Verdienst
Dr. Jele's, dies frühzeitig erkannt und
Knnstverglasnngen und Glasmalereien für
Wohnränme geschaffen zu haben, geziert
mit eingelegten Kabinettsstücken, mit Wap-
pen, Porträts, Costumefignren n. s. f.

Zahlreiche Aufträge ans diesem Gebiete
sowie der Umstand, daß es die Ehre eines
derartigen Knnstinstitntes gebieterisch ver-
langt, in der Reichshauptstadt würdig
vertreten zu sein, veranlaßten die Direktion
zur Gründung einer Filiale in Wien zu
schreiten, deren Eröffnung anfangs März
1860 in der Magdalenenstraße erfolgte.
Das schöne, große, mit Mosaiken und
Sgraffiten verzirt gewesene Hans, das zu
diesem Zwecke angekanft worden war, steht
längst nicht mehr, es ist der Wienflnß-
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