Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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organisieren. Pfarrer Laib hat dies Amt
auf sich genommen, trotzdem seine Natur
anderen, idealeren Arbeiten weit mehr zu-
neigte. Aber er hat sich deshalb an den
letzteren nicht hindern lassen.

(Schluß folgt.)

Weitere Ausstattungsvorschläge für
Glasmalerei,

Sion Dr. Heine. Oidt NI a IIII, Limiich (Rheinland).

Im Jahrgang 1900 des „Archivs für
christliche Kunst" habe ich verschiedene Ans-
stattungspläne für Kirchenfenster veröffent-
licht, darunter einen Vorschlag unter Zu-
grundelegung des 4V Deum. Inzwischen
ist der Inhalt des Ambrosianischen Lob-
gesanges in mehreren Kirchen zur Durch-
führung gekommen, streng romanisch über
fünf Chorsenster vertheilt in der Pfarrkirche
zu W ei ß e n t h u r m am Rhein, frühgothisch
in der herrlichen, von Professor Buch-
kremer erbauten Pfarrkirche St. Kreuz zu
Aachen, für deren fünf riesige Chor-
fenster die Linnicher Werkstätte die GlaS-
gemälde nach den Entwürfen des ehr-
wtirdigen Redemptoristenbruders Schmalzt
angefertigt hat. Letzterer hat der ursprüng-
lichen Anlage die Verkündigung und die
Auferstehung beigefügt mit Rücksicht ans
die entsprechenden Satze des Hymnus.

Einfachere Darstellung fand der näm-
liche Gedanke in einer bescheidenen Land-
kirche zu Oberehe in der Eifel: im Mittel-
fenster die hl. Dreifaltigkeit in Dürer'scher
Auffassung, rechts und links die Stand-
bilder der Heiligen Ambrosius und Augu-
stinus. In überaus farbenprächtiger Aus-
stattung wurde der Inhalt des De Deum
verwerthet bei einem fünftheiligen, spät-
gothischen Chorfenster der hl. Dreifaltig-
keitskirche des Klosters Könighof zu Kre-
feld. Derartige Bildfenster sind, um bei
dein Wortlaut des De Deum zu bleiben,
in Wahrheit eine würdige Versinnbild-
lichung des Satzes: »Per singulos dies
benedicimus te. Et laudamus nomen
tuum in saeculum et . in saeculum
saeculi«.

Drei weitere, zum Theit bereits in der
Linnicher Werkstätte ansgeführte Fenster-
füllungen mögen im Folgenden nähere
Erklärung finden. Es handelt sich um
die Verglasung der durch Herrn Regie-

rungsbanmeister Busch in den edelsten
Formen der Gothik erbauten St. Marien-
kirche zil Neuß.

Im Maaßwerke des viertheiligen West-
fensters steht als Hauptstück das Brustbild
der allerheiligsten Jungfrau Maria,
der Sängerin des Magnificat; ein Schrift-
band trügt den Anfang des Lobgesanges)
in den Dreipässen der königliche Sänger,
der Prophet David mit der Harfe, dein
Dekachordium und Johannes der Täufer,
der Patron der Sänger und Musiker.
Bekanntlich wurden die Anfangssilben der
sieben ersten Zeilen des von dem longo-
bardischen Geschichtsschreiber Paul Warne-
fried verfaßten lateinischen Hymnus ans
den Vorläufer Christi »Ut queant laxis«
zur Benennung der sieben Töne der Ton-
leiter gewählt: ut — re -- mi fa —
sol — la — si.

Unter einfacher, aber wuchtiger Archi-
tektur, den Haupttheil des Fensters be-
herrschend, sitzt die hl. Cäcilia, um-
geben von singenden Engeln; hinter dein
Baldachin ans Bandstreifen die Worte
„In tympano et choro, in chordis et
organo“.

In den seitlichen Langbahnen sind auf
Hellem Teppichgrnud die Brustbilder der-
jenigen Heiligen aufgelegt, welche zum
Kirchenlied in Beziehung stehen. Oben
links der hl. Abt Bernhard von Clair-
vaux, welcher, als er znm Krenzzng pre-
digte, im Dom zu Speyer das dem Bi-
schof Adhemar von Puy zugeschriebene
Salve Regina zu Ehren der Himmels-
königin um einige Worte vermehrte; gegen-
über der hl. Philippus Reit, der
Stifter der Kongregation der Oratorianer;
in seinem Oratorium ließ er zuerst jene
Musikstücke ernsten, meist biblischen In-
halts aufführen, welche daher ihre Bezeich-
nung erhalten haben. Es folgen der selige
Ar n o ld ns, der Harfenspieler Karls des
Großen, dessen Legende in den Chorfenstern
der srühgothischen Kirche von Arnolds-
weiler bei Düren durchgeführt wurde; ans
der andern Seite der selige Notker als
Dichter des „Media vita“ und weiterer
Kirchengesänge sowie als Verfasser des
„Oe musica et symphonia“ und des
„Liber sequentiarunr“. Darunter erblickt
man die Heiligen Ambrosius und Au-
gustinus als Sänger des „De Deum“.
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