Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten.

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mittleren Index 74.97 an. Diese Form stimmt nach ihm mit dem
Hohberg-Typus von Iiis in den meisten Punkten überein, den Iiis
selbst aber, sich auf den Römer der Blumenbach'schen Sammlung
Decas IV Taf. 32, S. 39 berufend; für römisch hält. Auch hebt
Ecker die Uebereinstimmung des alten Reihengräberschädels mit
dem heutigen Schwedenschädel hervor. Die Hügelgräberform hat
nach Ecker eine mittlere Schädellänge von 186 mm, eine mittlere
Breite von 126 und einen mittleren Index von 78.87, sie neigt also
stark zur Brachycephalie. Der heutige Schädel der süddeutschen
Stämme hat eine mittlere Länge von 174.39, eine mittlere Breite von
146.0 und einen mittleren Index von 83.5, ist also entschieden braehy-
cephal. Wenn Ecker sagt, dass ihm das Vortreten der Augen-
brauenhöcker kein Rassezeichen zu sein scheine, sondern mehr nur
eine individuelle Bildung, aber zugiebt, dass dasselbe mit der Ath-
mung und mit der Muskelkraft zusammenhänge, so ist dieses doch,
wenn es bei gewissen Stämmen auf einer niederen Bildungsstufe wie
gerade bei den ältesten Kelten allgemein vorkommt, gewiss ein nicht
weniger bezeichnendes Merkmal, als die Länge oder Kürze des Schä-
dels. Aber es unterscheidet die Dolichocephalen von den Brachyce-
phalen nicht, sondern kommt bei beiden vor, es ist ein Zeichen der
gleichen rohen Bildung, während Dolichocephalie und Brachycephalie
auf verschiedene ursprüngliche Herkunft deuten. Ich habe bei der
Anthropologen-Versammlung in Kopenhagen, 1869, über die in den
nordischen Museen befindlichen alten Schädel abweichend von den
Ansichten Vogt 's und Vir ch ow 's berichtet *) und die dolichocepha-
len Schädel den Cimbren und Gothen zugeschrieben und dabei be-
merkt, dass sie oft an die in den deutschen Reihengräbern bestat-
teten Germanen erinnern, während die rundliehen nicht nur in den
Indices, sondern auch in andern Merkmalen den Lappen ähnlich
sind. Dass in Westeuropa vor den Brachycephalen Dolichoeephale
als Urarier ansässig gewesen sein sollen, wie man in Frankreich
annahm, ist nicht nachweisbar.

Auf der Anthropologen-Versammlung in München vom Jahre
1875, vgl. Amtl. Bericht S. 72, warf Ecker die Frage auf: haben
die deutschen Stämme in Süddeutschland ein Volk höherer Bildung
vorgefunden, welches sie unterwarfen und mit welchem sie sich ver-
mischten und gehören diesem die alten Grabdenkmale an, oder sind die-

1) Archiv f. Anthrop. IV, 1870, S. 349.
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