Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 149
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IASOS

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ziemlich einfach: ein offener etwa 5,6 m breiter, 3,2 m tiefer
Vorhof, der von den anliegenden Mauern aus beherrscht wird,
dann das etwa 3 m breite eigentliche Thor. Wie üblich liegt das
Thor annähernd an der tiefsten Stelle der Stadtmauer. Oh ne-
ben ihm noch ein anderes vorhanden war, lässt sich, weil die
grössere Hälfte des Stadtringes fehlt, nicht mit Sicherheit
angeben ; der Bildung des Geländes nach ist aber ein zweites
Thor nnwahrscheinlich, da der ganze südliche Teil der alten
Stadt der felsigen hafenlosen Küste zugewendet ist. Das erhal-
tene Thor kehrt sich voll dem Hafen zu, den wir uns nur
östlich und nördlich der Insel denken können, welche die hel-
lenistische Stadt trägt.

Aber in welchemVerhältniss stehen die beiden Städte? Te-
xier (zu Taf. 147-149) glaubte gar nicht, dass die alte Mauer
einen Ring gebildet habe und hielt das ganze für ein camp
retranclie des Leleges. Das ist es nun ganz sicher nicht,
denn die Bauart der Mauer, wie die hochentwickelte Befe-
stigungskunst verbieten es in gleicher Weise an eine so frühe
Zeit wie das X Jahrhundert v. Chr. etwa zu denken, und mit
der dorisch-ionischen Einwanderung in Kleinasien entstand
Iasos. Oder haben zwei Städte neben einander bestanden, etwa
wie Salmakis und Halikarnassos ? Da ist doch hier die Berüh-
rung zu eng: beide mussten denselben Hafen benutzen, und
ihre Mauern lagen um Steinwurfsweite auseinander, von den
älteren Mauern der einen, den jüngeren der anderen ganz ab-
gesehen .

Nein das natürliche und zweifellos das richtige ist in der
einen Stadt Alt-Iasos, in der anderen Neu-Iasos zu erkennen,
ln das VI Jahrhundert, in dem die meisten der ionischen
Städte sich erst planrnässig befestigt haben (Nissen Pomp.
Stud. 583) passt der mächtige kunstvolle Mauerring sehr gut1.

Ganz ähnliche Bauart wie diese Mauern weisen die von

1 Für die runden Türme, welche man häufig für das Kennzeichen einer
späteren (hellenistischen) Befestigungsweise gehalten hat, finden sich doch
schon recht frühe Beispiele z. B. in Kolophon, Herakleia Minoa und sonst.
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