Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 208
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den Geist, die leitenden Gesetze, die alt dies ordneten,
erspüren. Aber weit ist der Rückweg in die Hütte des
Zimmermanns, und in das Lehmhaus des Ziegelstreichers,
von denen der Faden jener Anordnungen ausgieng.

Die höchsten Ideale der Vildkunst, colossale GötLerge;-
stalten von Elfenbein und Gold, von Marmor und Erz
erheben sich vor deinem Blick, das Leben und das Feuer
der Handlung bezaubert durch Farben an den Wänden,
Bildwerke gürten den Fries, und Wandbilder heben in
Gruppen das Giebelfeld. — Aus welcher Quelle schöpfte
die Kunst? woher stammt der Geist, der all diesem Leben
gab? — so fragt sich selbst der staunende Wanderer. Von
hoher Ahnung voll, möchte er das Dunkel seines Gefühls
zu deutlichen Ansichten erheben. Der Rückweg ist weit;
die Spuren, die ihn leiten, sind verworren, — doch nicht
ganz verwischt.

Den Forschungsgeist, aufgeregt durch den hohen Reiz,
den die vollendete Kunst für das menschliche Gemüth hat,
will sich befriedigen: und so wird er übermüdet im Sammeln
und Ordnen. Wie manches unscheinbare Fragment wird
ihm jetzt wichtig; und wie oft leiten ihn Stellen in den
Alten da, wo er es am wenigsten erwartete, auf die
ergiebigsten Aufschlüsse.

Die Bildkunst theilte sich nach dem Material, nach dem
technischen Verfahren, und nach der Größe der Bildwerke
in mehrere Zweige: i. in die Plastik oder die eigentliche
Bildnerei, 2. in die Bildstechkunst, z. in die Bildhauerei,
4. in die Bildgießkunst, wozu auch das Bildtreiben 9^
hört, 5. in die Gemmen - oder Steinschneiderei, und 6.
in die Stempelschneiderkunst.

In eben so vielen Abschnitten, als es Zweige giebt,
werde ich das Materialische, das Technische und das Uv*
geschichtliche der Bildkunst abhandeln. Kürze und Voll-
standigkeit werden dabei mein Augenmerk seyn. Männer
haben mir vielseitig vorgearbeitet: ich werde sie treu be?
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