Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 216
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würde deswegen einfallen, den griechischen Völkern von An-
beginn einen Kunstzustand zuzuschreiben? — Pausanias
(2, 19. und 9, 16.) sah noch Gebilde, welche man den Ko-
lonieführern Danaus und Cadmus aneignete. Andere waren
so alt, daß man sie vom Himmel gefallen glaubte, wie das
Palladium (Ovid. Fast. VI. 421.), und die Diana von
Ephesus (Acta Apostol. 19, 35.). Andere sah Pausa-
nias (2, 19. 7, 4.), welche man von der Hand des Dada-
lus, des Epeus und Smilis von Aegina zu seyn wähnte.
Doch alle diese Urbilder waren von Holz und nicht von Thon.
Dädalus wird nicht als Plastiker, sondern allgemein als
Holzschnitzer, seltner als Steinarbeiter dargestellt. Uebri-
gens pflegten die Alten alle jene frühern und rohen Kunstge-
bilde mit dem Namen Dadala zu belegen, und daraus
scheint selbst der Künstlername Dadalus erwachsen zu seyn.
An den Namen hing man den Ursprung der Kunst und die
Verfertigung aller frühern Kunstarbeiten (Paus. 9, Z.).

Wenn demnach die spatere Kunst nicht unterließ, den
Dadalus als eine wirkliche Person in Statue darzustcllen
(Plin. 36, 4. S. iZ.), und wir ihn in noch vorhandenen
Reliefs die hölzerne Kuh für Pasiphcw (im Palaste Spada,
und in der Villa Borghese) und an den wächsernen Flügeln
für sich und seinen Sohn (in zwei Reliefs der Villa Albani)
arbeiten sehen; — so ermangelte sie andrerseits auch nicht,
das noch höhere Alter der Plastik zu ehren, indem sie selbst
einen der Titanen, den Prometheus, darstellt, der eben mit
der Bildung der ersten Menschen und Thiere beschäftigt ist
(in zwei Reliefs, das eine im Mus. Pio - Clementino, das
andere im Mus. Capitolino). Auf dieselbe Weise erscheint
Vulcan als der Urheber der Kunst in Erz (Odyss. Z, 100.
7, 91. II. 18,468. cf. mein Bilderbuch Laf. XXVII. i.).

Aber abgesehen von dem mythischen Zeitalter: wann
kann man annehmen, daß die Plastik anfing, bei den Grie-
chen in Aufnahme zu kommen?

Es versteht sich, daß man ungebrannte und gebrannte
Ziegel und Töpfergeschirr lange verfertigte, ehe man sich zu
Bildwerken in Thon erhob. So wird die Sache auch von
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